Die Zeiten sind vorbei, dass man – wie noch um 1630 in Holland – für eine seltene Zwiebel etwa den Wert einer kleinen Stadtvilla bezahlen muss. Allerdings ist Letzteres kein Mythos, sondern die reine Wahrheit, es gab nämlich im 17. Jahrhundert in Holland die erste gut dokumentierte Spekulationsblase Europas, und dabei ging es tatsächlich um Tulpenzwiebeln. Zum Glück sind diese kleinen Wunder der Natur heutzutage in einer unbeschreiblichen Vielfalt zu beziehen und im Allgemeinen auch sehr erschwinglich.
Ich habe einmal einige der großen Tulpenzüchter zu den kursierenden Mythen über die Hege und Pflege von Tulpen konsultiert, um Ihnen und mir häufig gestellte Fragen zu beantworten. Zum Beispiel nimmt kaum ein Mensch in Holland die Zwiebeln nach der Blüte aus dem Boden, um die Kraft in der Zwiebel zu halten, wie oft empfohlen wird. Das ist den Holländern offensichtlich nicht nur zu aufwendig, sondern darüber hinaus wissen sie, dass auch eine gesunde Normalzwiebel bei bester Behandlung durchschnittlich eine Performance von nur drei Jahren hat, danach baut sie ab. Dass es Tulpen gibt, die schon nach ein bis zwei Jahren nicht mehr erscheinen, liegt oft an ihrer Züchtung oder vielmehr der Überzüchtung.
Lieber botanische Sorten kaufen
Je mehr von einer Tulpe verlangt wird, desto schwächer wird ihr Immunsystem. Hinzu kommt, dass gerade bei den seltenen, zum Beispiel den Papageientulpen, häufig Viruserkrankungen für die Verformungen und die Zeichnungen der Blüten zuständig sind. Es ist daher kaum verwunderlich, wenn diese exotischen Tulpen nicht wiederkommen, und man sollte die Pflanzung solcher Zwiebeln eher dem Kauf eines Blumenstraußes gleichsetzen. Dem nachhaltigen Gartentyp empfehle ich, sich stärker auf die durableren Sorten zu konzentrieren oder gar botanische Sorten zu kaufen, denn diese Zwiebeln naturalisieren, also vervielfältigen sich sogar im Garten.
Um die Tulpen samt ihrer 3000 Sorten zu verstehen, sollte ich vielleicht das neue und recht verständliche System der Royal Horticultural Society erläutern. Diese teilt die Tulpen in vier Gruppen und 15 Klassen ein, hört sich doch einfach an, oder? Die 1. Klasse umfasst die früh blühenden Tulpen (Mitte bis Ende April), die wiederum in zwei Gruppen eingeteilt werden, erstens die einfach blühenden Tulpen, die 30 bis 40 Zentimeter hoch, sehr kräftig und in allen Farben verfügbar sind; eine Empfehlung ist die Couleur Cardinal. In die zweite Gruppe gehören die gefüllten, etwas niedrigeren Frühblüher, diese sind circa 25 bis 30 Zentimeter hoch, auch sehr kräftig und ideal für Beete; hier empfehle ich Peach Blossom. In der folgenden 2. Klasse befinden sich die mittelfrühen Tulpen, die Ende April bis Mai blühen. In der 3. Klasse findet man die Triumph-Tulpen: Sie sind sehr hoch, bis zu 60 Zentimeter, oft zweifarbig, wie zum Beispiel Leen van der Mark. Die 4. Klasse umfasst die Darwin-Tulpen, die eigentlich nur als Schnittblume angebaut werden, wie die Golden Apeldoom.
Sehr anfällig gegen Krankheiten
Nun komme ich zu meinen Favoriten, den Spätblühern (Mai), die leider auch die größte Gruppe darstellen, die Klasse 5: Die Einfachblühenden sind als Schnittblume oder zum Einstreuen in Beete und Wiesen geeignet; eine sehr schöne darunter ist Pink Diamond. Nun zu den aus meiner Sicht sehr durablen Tulpen in der 6. Klasse: Unter den Lilienblütigen sind momentan meine Lieblinge die Sorte Westpoint oder Burgundy.
Die 7. Klasse umfasst die Gefransten, zum Beispiel Swan Wings in Schneeweiß. In der 8. Klasse sind die tollen Viridiflora-Tulpen anzutreffen, die immer einen grünen Streifen auf der Rückseite eines jeden Blütenblattes tragen, Isabelle Van Groeningens Favoriten sind Spring Green und Flaming Spring Green. Die 9. Klasse besteht aus den Rembrandttulpen, die Ihnen allen durch die Tulpenbilder der Alten Meister bekannt sind. Leider zeigen sie sich sehr anfällig gegen Krankheiten, daher pflanzt man sie am besten in einer Mischung, damit sie sich besser halten. Die 10. Klasse steht für die Papageien, die sich auch gut als Schnittblumen eignen, sich aber auch oft nur ein Jahr halten, weshalb man sie gut in die Vase stellen kann. Nächste Woche geht es weiter, hier ist einfach nicht genug Platz ...





