Die richtige Zeit für die Pflanzung von Obstgehölzen oder Gehölzen generell ist der Herbst, weil zu dieser Zeit noch einmal eine besondere Wurzelentwicklung bei Bäumen, Sträuchern und Obst stattfindet.

Es ist eine Art von genialem Selbstschutz der Gehölze, denn sie versuchen dem Zuwachs des Jahres gerecht zu werden: Jedes, zumindest jedes glückliche Gehölz macht während der Monate April bis Juni, Juli sogenanntes Längenwachstum, das heißt, die Ast- und Blattmassen vergrößern sich, um mehr Fläche für die Photosynthese zu gewinnen.

Um die erweiterte Blattfläche auch mit genügend Wasser und Nährstoffen versorgen zu können, braucht die Pflanze mehr Wurzeln und legt diese möglichst im Herbst an. Innerhalb der Zeit von August bis Oktober haben die meisten Pflanzen das Wachstum beendet und stecken ihre Energie in die Frucht- und Saatproduktion.

Ist dieser Prozess abgeschlossen, kümmert sich die Pflanze wieder um ihr eigenes Wohl und legt – für unser Auge unsichtbar – Frucht- und Blattknospen an, um sich im Winter zu regenerieren. Und genau aus diesem Grund ist der Herbst die bessere Pflanzzeit für Gehölze, vor allem für Obst, denn jetzt entscheidet sich, ob eine Pflanze zur Fruchtproduktion fähig ist, nicht erst im Frühjahr. Dann ist alles schon passiert, und wenn Pfirsich, Kirsche oder Apfel erst im späten Frühjahr gepflanzt werden kann, wie in den letzten Jahren, muss man oft im ersten Jahr auf Frucht verzichten.

Dieses Jahr war der Boden erst Ende April getaut, und die Pflanzzeit konnte erst im Mai beginnen. Da fiel natürlich die Blüte bei vielen Frühblühern direkt in die Pflanzzeit, was fast alle Obstgehölze sehr übel genommen haben. Wer kann, sollte im November Obst pflanzen, es aber jetzt schon kaufen, da man bei vielen Sorten jetzt noch die Früchte sehen und probieren kann, was mir persönlich sehr wichtig ist.

Wer kann sich schon all die vielen Sorten merken, ich verzweifle oft an der schieren Auswahl und wünsche mir einfach nur eine schmackhafte Sorte. Das Pflanzloch kann jedoch jetzt schon gegraben und mit einer Lage Kompost ausgelegt werden und auch den Stützpfosten können Sie schon einschlagen.

Dann kommt der Baum ins gemachte Bett, das gefällt ihm gut und er kann gleich in den warmen Kompost wurzeln. Übrigens gibt es natürlich, wie in allen Fachwelten, immer Streit über die Länge des Pfostens. Die alte Schule, die hierzulande noch immer die neue ist, pfählt alle Bäume bis zum untersten Ast.

Meine Erfahrung nach etwa 30 Jahren im Land der Jungbaumpflanzungen (England) hat mich gelehrt, dass es für junge Bäume, bis zu einem Stammumfang von 25 bis 30cm, besser ist, an zwei niedrigen Pfählen befestigt zu werden. Damit erreicht man, dass sich die Krone frei im Wind bewegen kann und der Baum die Notwendigkeit der Wurzelbildung schneller entdeckt.

Mir erscheint dies sinnvoller, als die Bäume zu strangulieren, was ich vielerorts sehe, oder manchmal geradezu mit drei massiven Pfosten festzuzurren. Dass die sich nicht mehr bewegen, ist kein Wunder, allerdings auch nicht, dass sie nach drei bis vier Jahren noch kaum Wurzeln entwickelt haben. Never mind, es ist Ihnen überlassen, wie viele Pfosten Sie Ihrem Baum gönnen.

Wichtig ist, dass er noch im Herbst in den Boden kommt, denn in den letzten Jahren gab es aufgrund der verkürzten Pflanzzeit im Frühjahr immer wieder Streit zwischen Kunden und Baumschulen, weil der Kunde auch noch im Mai einen in voller Blüte stehenden Baum pflanzen wollte.

Überlegen Sie also jetzt, ob Sie im Mai/Juni nächsten Jahres eine Feier mit einem blühenden Baum in Ihrem Garten geplant haben, denn der Gärtner kann an der Natur nur sehr wenig richten.

Übrigens, lassen Sie sich bei Obst bitte unbedingt in einem Gartencenter oder einer Gärtnerei über passende Befruchtersorten beraten, denn viele Obstbäume sind dabei doch eher wie wir Menschen, recht wählerisch.