Also ehrlich, eine weiße Ecke im Garten ist ja ganz nett, aber alles in Weiß, dem hätte auch Vita Sackville West nicht zugestimmt. Heute möchte ich ein Plädoyer für bunte Gärten halten, denn es ist nicht nur äußerst mühsam, ausschließlich eine einzige Farbe im Garten zu haben, es ist auch völlig unattraktiv für die Fauna. Was viele nicht wissen, ist, dass sowohl Bienen als auch Schmetterlinge vorrangig auf Farben und nicht auf Duft reagieren.
So erfreuen sich im April bereits die frühen Arten der Schmetterlinge besonders an gelb blühenden Pflanzen wie Löwenzahn und Doronicum. Beides Pflanzen, die nicht wirklich durch ihren Duft auffallen, wohl aber durch ihre Leuchtkraft. Nun ist der Löwenzahn nicht unbedingt eine beliebte Zuchtblume, aber es gibt viele gelbe Zwiebelpflanzen, die den frühen Summern Nektar zum überleben bieten.
Phlox dagegen, vor allem Phlox paniculata Sorten, duften für unsere Nase ganz hervorragend und auch den Schmetterlingen scheint der Duft zu gefallen, den Bienen hingegen nicht. Auch der Phlox zieht die Schmetterlinge durch seine leuchtenden Farben an. Ich habe in diesem Jahr bestimmt acht Sorten von Schmetterlingen gesichtet, wobei ich feststellte, dass sich die meisten Insekten in dem mit kühlen Farben bepflanzten Beet aufhielten. Das rot-orange-gelbe Beet scheint eher im Frühjahr besucht zu werden.
Das zeigte mir, dass Insekten wählerischer sind, als wir vermuten, und dass sie sich sehr nach den Farben der Saison richten. Das heißt, sie wählen diejenigen Blüten aus, die den Farben der Jahreszeit entsprechen. Das sind im Moment besonders die Blau-, Mauve- und Lilatöne, die wir in den Schmetterlingssträuchern (Buddleia), Artischoken (Cynara), Kugeldiesteln (Echinops) und der Neuentdeckung, der Duftnessel (Agastache‚ Black Adder), wiederfinden.
Letztere blüht seit drei Jahren so unglaublich üppig und zieht täglich solche Schwaden von Bienen und Hummeln an, dass manchmal die Blütenrispen gar nicht mehr wahrzunehmen sind. Natürlich gibt es auch unscheinbarere Pflanzen, über die sich die Insektenwelt freut, dazu gehören z.B. unbedingt alle Sorten des Oreganum vulgare, die Petersilie (Petrosilium crispum), die sich – genau wie der wilde Fenchel (Foeniculum vulgare) – über Jahre im Beet frei aussät, wenn Sie ihr erlauben zu blühen.
Die Schwebfliegen, diese kleinen, wespenähnlichen Dinger, die wie ein Hubschrauber in der Luft stehen können, sind ganz besonders wichtige Besucher im Garten und lieben es, sich auf allen Sorten von Fetthennen und deren Verwandten, dem Hauswurz (Sedum), niederzulassen. Noch suche ich nach einer sympathischeren Bezeichnung für diese schöne Gattung, denn die Fetthenne leidet verkaufstechnisch sehr unter dem höchst unförderlichen deutschen Namen.
Vielleicht nennen wir sie wie die Engländer bei ihrem lateinischen Namen: Sedum. Das hört sich neutral an und nicht wie etwas, das man nicht im Garten haben möchte. Darüber hinaus gibt es natürlich all die blauen, mauve- und lilafarbenen Astern. Die Vielfalt der Sorten ist so groß, dass man in Staudensichtungsbeeten (was für ein Wort) nachschauen sollte, welche Eigenschaften sie besitzen.
Ach, ich hatte vergessen, Sie daran zu erinnern, bei den Schmetterlingssträuchern die abgeblühten Blüten zu entfernen, das verhilft ihnen zu einer längeren Blüte. Im Grunde gilt dies auch für viele Rosen, vor allem für die Hagebutten bildenden, also Hundsrosen – oder auch gern edler Sylter Rosen genannt – sowie für die Wildformen, wie Rosa canina, spinocissima etc.
Wer mehr über Bienen wissen möchte, kann sich an den Imkerverband wenden. Auch wir haben seit einem Jahr einen sehr produktiven Stock und unser Imker steht Ihnen am Sonnabend, den 14. September 2013, mit Rat und Tat zur Verfügung.




