Schon ist es ganze fünf Jahre her, dass ich aus England zurückgekehrt bin, denn in diesem Jahr feiert die Gartenakademie ihren fünften Geburtstag. Seitdem frage ich mich immer wieder, wie man bloß die Blumen, in deren Bezeichnungen das Wort Sonnevorkommt, auseinanderhält. Ursprünglich bin ich davon ausgegangen, dass in den Namen aller Pflanzen, die im Herbst gelb blühen und aus der Familie der Korbblütler (Compositae oder auch Asteraceae) stammen, an irgendeiner Stelle die Wortsilbe Sonne auftaucht; mit Ausnahme der Astern, aber die blühen ja auch nicht gelb.
Dann aber habe ich gelernt, dass sich ganze Gattungen nur an winzigen Nuancen eines Wortes erkennen lassen, die vor oder hinter das Substantiv Sonne gesetzt werden. Während es sich beim Sonnenhut ganz klar um eine Echinacea handelt und bei den Sonnenbräuten um die Gattung Helenium, muss man bei den sehr beliebten Rudbeckien schon achtgeben, denn diese werden auch als Leuchtender Sonnenhut bezeichnet, der wiederum keinesfalls mit einem Sonnenröschen (Helianthemum) zu verwechseln ist und schon gar nicht mit dem Sonnenauge (Heliopsis) oder der Sonnenblume (Helianthus). Verwirrt? Gut. Ich auch. Also können wir uns heute gelassen den oben Angekündigten widmen und wenn wir diese beherrschen, wagen wir uns weiter vor.
Momentan ist die allerbeste Zeit, um bei den Sonnenhüten zu beginnen, denn sie kommen gerade so richtig in Fahrt. Es gibt heute auch ein viel größere Palette an wundervollen Sorten in warmen Tönen als vor fünf Jahren. Ich spreche der Einfachheit halber nur noch von Echinacea, da Ihnen diese in der wieder herrschenden Erkältungszeit ohnehin gut bekannt ist, denn es gibt kaum eine Apotheke, die in ihrem Schaufenster nicht mit einer Echinacea-Blüte für ein Produkt mit gleichnamigen Wirkstoff gegen Erkältungskrankheiten wirbt.
Mit anderen Worten: Der Name hat sich eingebürgert. Bei der medizinisch verwendeten Sorte handelt es sich um Echinaceae purpurea, von der eigentlich alle Züchtungen abstammen. Ob diese auch solche Heilkraft haben, weiß ich nicht einzuschätzen. Diese Gattung hat bereits fast das gesamte herbstliche Farbspektrum besetzt und blüht in Hellgelb und Orangerot über Weiß und Rosa bis hin zu Purpurrosa. Eine sehr lustige purpurfarbene Sorte ist E. ‘Doppeldecker’, die außer dem rosafarbenen Hula-Hoop-Rock auch noch ein paar rosa Indianerfedern aus den gewölbten, stachelspitzigen Streublättern hervorgebracht hat.
Sehr ans Herz legen kann ich Ihnen neue Sorten, wie E. ‘Chiquita‘, die tatsächlich bananengelb blüht, E. ‘Chayenne Spirit’ in Orangerot, Daydream in einem Tieforange oder E. ‘Primadonna in Tiefrosa’, die ebenso schön, fast ins Lilafarbene geht, wie die Sorte E. ‘Magnus’. Die klarste, weiße Sorte momentan ist E.’Primadonna Weiß’.
Und dann gibt es noch die Sonnenbräute, lateinisch Helenium, von denen unser großer Züchter Karl Foerster wohl die meisten wertvollen Sorten gezüchtet hat. Und bei Foerster habe ich immer das Gefühl, dass er zusammen mit dem Züchter zur Linden, die passendsten Pflanzennamen überhaupt kreiert hat. Da kamen keine Promis oder Politiker in den Genuss eines Blumennamens, und ehrlich, die haben im Garten auch nichts zu suchen, sondern ausschließlich einprägsame Substantive.
Hier ein paar Klassiker, die sich auch durch neue Sorten nicht ersetzen lassen: H. ‘Blütentisch’ (klargelb, 80cm), H. ‘Feuersiegel’ (rotbraun, 160 cm), H. ‘Flammenrad’ (orangegelb, 130 cm), H. ‘Indianersommer‘ (orangerotbraun, 110 cm), H. ‘Kugelsonne‘ (knallgelb, 170 cm), und H.’Robinzwerg ‘ (weinrot, 90 cm), nur bei H. ‘Wonadonga‘ (orangerot), bin ich mir nicht ganz sicher, ob der Name in nüchternem Zustand gefunden wurde. Zum Glück findet dieses Wochenende wieder der Staudenmarkt am Botanischen Garten in Berlin statt, denn bei uns sind die meisten Heleniumsorten bereits ausverkauft.




