Wenn jetzt in Ihrem Garten rein gar nichts mehr blüht, außer vielleicht Goldrute, dann fehlen Ihnen definitiv einige Pflanzen, die den Sommerzauber verlängern. Diese Lücke füllt man jetzt noch keinesfalls mit Heide und Chrysanthemen, die sind für die Jahreszeit bestimmt, in der es wirklich überhaupt nichts anderes mehr gibt.
Wie Sie wissen, kämpfe ich seit Jahren gegen diesen bösen Kreislauf, der sich in unsere Gartenkultur eingeschlichen hat: Die Gartencenter verkaufen ab dem Ende der Sommerferien nur noch Heide und Chrysanthemen, weil sie der Meinung sind, dass die Kunden dies wollen und die Kunden kaufen Heide und Chrysanthemen, weil es das einzige ist, was der Markt zu bieten hat. Das ist natürlich Unsinn, und bei mir kommen diese zwei Gattungen auch nicht vor Oktober in den Verkauf, denn jetzt ist erst einmal die Zeit der Spätsommerblüher.
Gerade auf unseren schwierigeren Böden macht sich, mit etwas Komposterde, der Kandelaber-Ehrenpreis (Veronicastrum virginicum) sehr gut. Kleinen, langgezogenen Silvesterraketen gleich, schießen die Rispen der blauen und lilablauen Blüten gen Himmel. Eine meiner favorisierten Sorten ist Veronicastrum vir. ‚Lavendelturm’, dessen Blütenraketen hellhimmelblau leuchten.
In dieser Jahreszeit brauchen Beete und Rabatten Stauden und Sträucher, die im flacheren Lichtkegel schön leuchten. Der Kandelaber-Ehrenpreis hat den großen Vorteil, dass man ihn zum Winter hin nicht abschneidet, da er ungemein attraktive Samenstände hat, um die sich die bei uns verbleibenden Singvögel regelrecht prügeln. Natürlich gibt es von dieser Spezies für Fans der Farbe Weiß auch eine Variante, die originellerweise Veronicastrum virginicum ‚Album’ heißt.
Ganz hinreißend sieht diese Staude im Zusammenspiel mit den brennenden Farben der Montbretien aus, die leider hier nur bedingt winterhart sind. Sie stammen aus der Familie der Schwertlilie, weshalb man sie auch häufiger mit Gladiolen verbindet. Eine mir besonders gefallende Sorte ist Cocosmia ‚Lucifer’, ein Muss mit ihren leuchtendroten Blüten zu dieser schwierigen Gartenzeit.
Dann ist jetzt natürlich die schönste Zeit für Anemonen. Hier gibt es viele schöne Sorten, sowohl bei chinesischen als auch bei japanischen Züchtungen. Bitte keine Sorge, diese Pflanzen kommen schon seit vielen Jahren aus asiatischen Ländern, sogar die schönste und älteste aller weißen Anemonen, A. japonica ‚Honorine Jobert’ (von 1853), stammt, obwohl der Name eine andere Herkunft nahe legt, aus China. Aber das sollte Sie nicht stören, denn unsere Bienen lieben auch diese Exoten schon sehr lange.
Bitte achten Sie darauf, echte Sorten zu bekommen und nicht einfach nur Anemone sp., was für irgendetwas steht. Meist zeigen diese weniger Ausdauer im Beet und leben oft nur ein paar Jahre im Gegensatz zu echten Sorten, wie der schönen in Rosa einfachblühenden A. tomentosa ‚Serenade’ oder der pink gefüllten A. x japonica ‚Bressingham Glow’. Eine schöne Ergänzung für diese Jahreszeit sind die Buschmalven, deren Blüten lebhaft über den niedrigeren verblühten Stauden tänzeln. Wir haben seit einigen Jahren die Sorte L. ’Barnsley’ im Beet und sehen sie durchaus als winterhart an, was wahrscheinlich der tollen Schneedecke zu verdanken ist, die wir in den vergangenen Jahren hatten.
Bei den Storchenschnäbeln möchte ich unbedingt auf die blaublütige Sorte G. ‚Rozan’ hinweisen; sie ist aufgrund der Züchterlizenz recht kostbar, aber jeden Cent wert, denn sie blüht seit Mai ohne Unterlass noch immer üppigst. Auch die hungrig werdenden Bienen freuen sich über diesen Dauerbrenner, dies gilt ebenfalls für die Duftnessel (Agastache ‚Black Adder). Und dann tänzeln auch noch die langstieligen lila Blüten des Eisenkrautes (Verbena bonariensis) durch die Rabatten. Wozu braucht man also schon Heide und Chrysanthemen, es ist doch noch lange nicht Herbst.
Gabriella Pape ist Leiterin der Königlichen Gartenakademie in Berlin und schreibt regelmäßig am Sonnabend an dieser Stelle.





