Es ist wieder richtig spannend geworden in der Politik, vor allem in der Bundespolitik. Das liegt interessanterweise an der CDU, wo auf einmal drei ernst zu nehmende Kandidaten – Friedrich Merz, Jens Spahn und Annegret Kramp-Karrenbauer – um den Parteivorsitz streiten. In der CDU wird nun auf zig Regionalkonferenzen diskutiert, über die Personen natürlich, aber auch über den künftigen Kurs der Partei. So eine Dynamik wünschte sich wohl jede Partei, ganz sicher die SPD.
Ich war in dieser Woche ein bisschen in der Republik unterwegs, so am Mittwochabend bei der Gala der Goldenen Bild der Frau in Hamburg. Diese Auszeichnung wird von der „Bild der Frau“, die wie die Berliner Morgenpost zur Funke Mediengruppe gehört, einmal im Jahr verliehen. An fünf Frauen, die sich ehrenamtlich für andere Menschen engagieren. Es war ein großartiger Abend, mit beeindruckenden Frauen. Wie Tanja Hock, die vor 20 Jahren als gelernte Hebamme für ein Praktikum nach Madagaskar ging, dort geblieben ist und mit einem umgebauten Bus in den entlegenen Gebieten Schwangeren und Neugeborenen hilft. Mit ihrem Verein „Mobile Hilfe Madagaskar“ sammelt sie Spenden – und baut jetzt ein Krankenhaus, schafft Arbeitsplätze und verbessert die Situation auf der Insel, wo die Armut so groß ist. Besonders beeindruckt hat mich Lydia Staltner aus München, die mit ihrem Verein „Lichtblick Seniorenhilfe“ Rentner in Not unterstützt, Spenden sammelt oder Kutschfahrten für die Senioren organisiert und ihnen so aus der Einsamkeit hilft. Als Moderator Kai Pflaume sie fragte, ob sie auch Sachspenden wie Mäntel annimmt, wurde die 58-Jährige richtig fuchsig. „Nein, wir haben kein Lager, das wollen wir auch gar nicht“, sagte sie. Und erinnerte daran, dass es auch um Würde geht. Was müsse eine Seniorin empfinden, wenn sie einen schon getragenen Wintermantel erhalte? „Unsere Rentner bekommen einen Gutschein, sie wollen im Laden auch mal bedient werden, auch darum geht es“, sagte Lydia Staltner. Und bekam dafür viel Applaus.

Auch von Franziska Giffey, unserer Familienministerin. Giffey überreichte den Leserpreis, den in diesem Jahr Tanja Hock für ihr Engagement in Madagaskar gewann. Und Giffey war von der Gala und den vielen starken Frauen, von ehrlichen und emotionalen Berichten sichtlich beeindruckt. „Mir wurde gesagt, ich muss nichts wissen über die Gala, das Einzige, was ich bräuchte, sei ein Taschentuch“, erzählte die SPD-Politikerin frei raus. „Und das stimmte. Diese Veranstaltung wird mir in Erinnerung bleiben“, sagte Giffey – und verwies darauf, dass sie in ihrer bislang siebenmonatigen Amtszeit als Bundesfamilienministerin schon rund 500 Veranstaltungen absolviert hat. Ganz bewusst, wie sie dann im Gespräch mit Moderator Kai Pflaume berichtete. Denn: „Gute Politik beginnt mit dem Betrachten der Wirklichkeit.“ Das war Giffeys Maxime schon als Bezirksbürgermeisterin in Neukölln, das hat sie mit ins Bundesministerium genommen. Franziska Giffey erzählte ganz locker, ein bisschen berlinernd, vor den rund 500 Gästen der Gala, wie sie ihre Arbeit jetzt macht („Die Schlagzahl hat sich deutlich erhöht“), was sie noch so vorhat, warum sie anders redet als andere Politiker. Die Herzen der Zuhörer flogen ihr zu. „Am liebsten würden wir sie jeden Abend in einer Talkshow sehen“, meinte Kai Pflaume – und nahm es gleich wieder zurück, weil Giffey dann ja nicht zu ihrer Arbeit als Familienministerin käme. „Giffey ist eine Marke“, kommentierte ein Gast bewundernd.
In Berlin, da sind sich viele Sozialdemokraten einig, wird Franziska Giffey noch Karriere machen. Ob auf Bundesebene, wo Partei- und Fraktionschefin Andrea Nahles schon nach einem halben Jahr im Amt enorm unter Druck steht und ihre Genossen sogar schon aufforderte, sich zu melden, wenn es einer als Parteichef besser könne. Aber auch in der Berliner Landespolitik könnten Giffey alle Türen offenstehen: als nächste Spitzenkandidatin der Berliner SPD. Man muss sie nur lassen.


