Gourmetspitzen

Im Sternehimmel mit grandiosem Blick auf Berlin

Alexander Koppe lebt in der „Skykitchen“ in Lichtenberg seine Kulinarik-Ideen aus und begeistert damit unseren Restaurantkritiker.

Sternekoch Alexander Koppe in seinem Restaurant „Skykitchen“ an der Landsberger Allee. Seit November 2014 trägt er die Auszeichnung des Michelin

Sternekoch Alexander Koppe in seinem Restaurant „Skykitchen“ an der Landsberger Allee. Seit November 2014 trägt er die Auszeichnung des Michelin

Foto: GEORG ROSKE / Andels

Kreativität bei der Auswahl der zu produzierenden Gerichte, die handwerkliche Ausführung und die optische Präsentation sind die beste Werbung für ein Restaurant – wenn die Kreativität für den Gast und nicht die Selbstdarstellung des Kochs in den Vordergrund gestellt wird.

Die positive Ausführung, nahezu perfekt, erlebte ich im „Skykitchen“, dem Restaurant im „andel’s“-Hotel an der Landsberger Allee in Lichtenberg. Hoch über Berlin, mit einem grandiosen Ausblick auf die Metropole mit den Vierteln Friedrichshain und Prenzlauer Berg in der Nachbarschaft.

Auch einen wie mich, der hochklassiges, konservatives Ambiente besonders liebt, muss es schlicht begeistern, wie die bunte, hippe Ausstattung entlang der herrlichen Fensterfront im zwölften Stock zusammengestellt und abgerundet ist.

Kaum etwas erinnert mehr an das vorherige Restaurant „a.choice“ im ersten Stock des Hotels, das bis vor wenigen Monaten das Hotelrestaurant war. Geblieben ist Küchenchef Alexander Koppe, der schon im „Lorenz Adlon Esszimmer“ gekocht hat und hier nun seine Kulinarik-Ideen ausleben kann. Untertrieben „ehrlich, bodenständig und unkompliziert“ nennt er selbst seine Menüs.

Drei- bis Acht-Gänge-Menüs insgesamt preisgünstiger

Ganz so ist es freilich nicht. Die Meeresfrüchtegerichte wie der zarte Hummer mit Gartenfenchel und Bio-Zitrone sowie eine Spur von Chicorée oder auch Kaisergranat mit Wassermelone, Sauerampfer und speziellen, herzhaften Radieschen sind gekonnte Verbeugungen vor besonders großem Genuss. Schwierig ist es freilich, die Frage nach der signifikanten Küchenrichtung zu beantworten.

Auch bei sorgfältiger Betrachtung gibt es keine eindeutige Richtung, mal ist das Zusammenspiel der Aromen experimentell und frech, manchmal klassisch, mit einem Hauch von regionaler Orientierung. In jedem Fall aber ist die Gesamtbewertung unbedingt positiv.

Als Drei- bis Acht-Gänge-Menüs (56 bis 106 Euro) sind die Speisen insgesamt preisgünstiger, jeder Gang ist auch einzeln bestellbar. Die Abteilung „Fisch und Meeresfrüchte“ ist flott mit „From Berlin to the Sea“ überschrieben. Der zweite Teil der Speisekarte beinhaltet Gerichte aus aller Welt, mit dem Titel „Voyage Culinaire“.

Bei den Fischen sind die Kombinationen gewiss völlig unüblich. So verbindet Alexander Koppe Zander, auf der Haut kross gebraten, mit Short Rib, dazu gibt es Spreewaldgurken, Blumenkohl und Kapern. Thunfisch passt gewiss recht gut zum Kalbfleisch. Schwarzer Sesam, Rübstiel und ebenfalls Kapern runden hier die Gaumenfreude ab.

Wachteln auf den Punkt gegart

Die kleine, fleischarme Leckerei Wachteln, die häufig trocken gebraten auf den Teller kommen, wird hier auf den Punkt gegart, appetitlich mit Pfifferlingen, Gartenerbse und leicht geräuchertem Spargel serviert. Das herzhafte Saalower Kräuterschwein mit jungem Knoblauch, Sellerie und Flaschentomaten schmeckt mir besonders gut.

Etliche Elemente der „Skykitchen“ werden wie das Kräuterschwein von regionalen Produkten getragen. Auf die Frage, was genau regional ist, gibt es keine präzise Antwort. Bei „Öko-Test“ ist ein Radius von 60 bis 100 Kilometer für die Produkte vorgegeben, die als regional verkauft werden dürfen. International sind etliche andere Gerichte in Restaurant „Skykitchen“, so die Étouffé Taube, die sehr blutig serviert wird (kein Problem für den, der es mag), mit weißen Zwiebeln und roten Rüben.

Erinnerung an das „Notopfer Berlin“

Kritik gibt es eigentlich nur am Gericht Greater Omaha Beef und Foie Gras. Das Fleisch, in zwei kleinen Portionen, einmal geschmort und einmal kurz gebraten, ist absolut O.K., die Gänseleber, kleiner als eine Briefmarke, war nur mit der Lupe zu finden. Der aufmerksame Service sorgte dann für ein zweites Stückchen, Größe „Notopfer Berlin“ (die älteren Leser werden sich an die winzige Zusatzbriefmarke erinnern). Exzellent geschmeckt hat mir der bissfest belassene St. Pierre, herzhaft angereichert mit würzigem Pancetta.

Der süße Abschluss ist von Früchten geprägt, da sind einmal die Freilanderdbeere mit Holunderblüte und zartem Frischkäse und dann die Herzkirsche, die pfeffrig gewürzt mit Butterkeks und Joghurt serviert wird.

An alles wird gedacht in diesem Restaurant, auch an die kleine Zielgruppe Vegetarier. Das Menü ohne Fisch und Fleisch kostet 40 Euro. Eine Bitte hat die Küche freilich auch an die Gäste: Gruppen ab fünf Personen sollten ein einheitliches Menü wählen.

Gäste sollten besser reservieren

Noch im Aufbau begriffen ist die Weinkarte. Mehrheitlich sind deutsche und österreichische Kreszenzen im Angebot. Sehr sinnvoll wären ein paar ordentliche Toplagen, während man hier ausschließlich preisgünstig orientiert ist. Ich fand einen guten jungen Chablis (Jahrgang 2012), der mit 54 Euro auf der Rechnung stand.

Die Seele des Restaurants ist ganz zweifelsfrei Barbara Merll, von der Berlin-Partner-Jury zum „Gastgeber des Jahres“ nominiert. Damit sind wir beim Service. Der ist schlicht exzellent. Immer da, wenn man ihn braucht, kompetent und freundlich.

Wer Berlin aus der Vogelperspektive erleben will, bei erstklassigem Essen und liebevoller Gästepflege, der ist hier unbedingt richtig. Vorher sollte man allerdings reservieren. Bei meinem Besuch gab es keinen einzigen freien Stuhl.

Das Restaurant

Kontakt: „Skykitchen“, Landsberger Allee 106 in Berlin-Lichtenberg, Di.-Sbd. 18–23 Uhr, Telefon: (030) 4530532620, www.skykitchen.berlin

Küche: Mit großer Kreativität und klassischer Zubereitung werden bekannte Gerichte neu interpretiert. Der Michelin-Stern ist eine verdiente Auszeichnung.

Service: Es ist eine wahre Freude, den Service zu erleben. Barbara Merll führt Regie.

Besonderheit: Es werden Produkte miteinander kombiniert und Aromen geschaffen, die man vorher gewiss so nicht kannte.