Gourmetspitzen

Ein "klassischer Italiener" in Moabit - So einfach, so gut

Heinz Horrmann besucht das „Casa Matti“, ein italienisches Restaurant am Helgoländer Ufer Ecke Kirchstraße in Moabit. Herausragend und empfehlenswert bei den Hauptspeisen sind die Scampis.

Foto: Massimo Rodari

Gehen wir zum Italiener? Der wohl häufigste Spruch vor dem Restaurantbesuch. Nicht nur in Berlin und ganz gewiss eine Liebeserklärung an diese Küchenrichtung. "Der Italiener" ist aber eine grobe Vereinfachung für eine ganze Palette von Restaurants mit Gerichten und Weinen aus dem Land, in dem Zitronen blühen. Einmal von den regionalen Unterschieden ganz abgesehen, haben wir bei einigen 100 Adressen dieser Küchenrichtung in Berlin die ganze Bandbreite von einfachen Pizza-Bäckern, unkomplizierten Trattorien, ordentlichen Business-Restaurants bis in den Sterne-Bereich. Schließlich gibt es unter den Italienern die beliebten Familienrestaurants, wo in angenehmer Atmosphäre Kleinkind und Großmutter gemeinsam essen.

Gewiss, am häufigsten sind die so genannten "Edel-Italiener" im Gespräch, doch in unserer Leserschaft ist vor allem der Italiener an der Ecke gefragt: einfach, unkompliziert und vor allem preisgünstige Restaurants.

Zu dieser günstigen Kategorie, "erschwinglicher Genuss für die ganze Familie" mit klassischer italienischer Kochkunst, gehört das Restaurant mit dem ungewöhnlichen Namen "Casa Matti" an der Ecke Helgoländer Ufer und Kirchstraße. Dabei ist die Speisekarte umfassend, natürlich, wie kann es anders sein, mit etlichen italienischen Standards wie Vitello tonnato oder Carpaccio, doch beide Gerichte sind sowohl von der Produktqualität als auch von der appetitlichen Präsentation sehr ansprechend. Beim Genießen, untermalt mit italienischen Schlagerklängen, stellt sich eine interessante Überlegung ein: Woher kommt eigentlich die Vertrautheit, ganz gleich, ob Sterneküche oder Pizzeria an der Ecke? Bei jedem Laden, in dem Pasta, Fisch und Pinot Grigio auf der Karte stehen, sprechen wir von "unserem Italiener". Der Pauschalbegriff scheint präzise genug. Ich glaube, es ist zum einen eine tiefe Sympathie für die Küche, zum anderen häufig auch mal eine kurze Erinnerung an den Urlaub.

Kleine Küche, viele Kräuter

Dazu tragen hier in der Casa Matti die recht kreativen Pasta-Gerichte bei, wie die schwarzen Bandnudeln mit Calamari oder die frischen Paccheri-Nudeln mit hausgemachtem Lammragout. Sehr viel wird in der kleinen Küche mit frischen Kräutern gearbeitet, häufig in Verbindung mit Weißwein. Die wahlweise zu allen Nudelgerichten gereichte Cherry-Tomaten-Weißwein-Sauce mit frischen Kräutern ist dafür ein gutes Beispiel. Die Spaghetti-Gerichte füllen mit vielen Varianten eine ganze Seite der umfassenden Karte und die Steinofenpizzen von Margherita bis Pizza Casa Matti (mit viel Parmaschinken) gleich zwei Seiten.

Herausragend und empfehlenswert bei den Hauptspeisen sind die Scampis, sowohl von der Produktqualität als auch von der handwerklichen Zubereitung. Dabei gibt es so viele Variationen wie ich sie in anderen Restaurants selten erlebt habe. Da kann der Gast wählen zwischen Großgarnelen, die mit viel Knoblauch im Ofen gebacken wurden, oder vom Grill mit einem großen Salat. Weitere Varianten sind die Garnelen mit Tomatensauce, mit viel grünem Pfeffer oder in der Kombination mit Krabben und einer angenehmen Hummer-Sahne-Sauce. Die scheint die Küche vorbereitet zu haben, denn sie ist bei den Gästen besonders beliebt, beim "Salmone cardinale", beim Lachs. Kritik übe ich nur beim Schweinefilet, das sowohl mit Schinken und Salbei in Weißweinsauce, als auch mit grünem Pfeffer oder Gorgonzolasauce serviert wird. Da wurden mir dünne trockene Scheiben aufgetischt, wo ich ein saftiges Stück Filet erwartet hätte, von dem man mit Lust herunterschneidet. Das ist meine Empfehlung und vielleicht ein kleiner Wink für die Zukunft.

Ein extrem außergewöhnliches Kuchenbüffet

Weil direkt am Spreebogen viele Kinder zu Hause sind, bietet das Casa Matti eine eigene Kinderkarte, natürlich mit Spaghetti oder einem panierten Schnitzel, auch eine Pizza Maxi und als Belohnung fürs "Aufessen" eine große Eispalette, ebenso mit Halbgefrorenem und Cassata. Wie es sich für den Italiener an der Ecke gehört, sind die Preise moderat. Die hausgemachte Pastaliste beginnt bei sieben Euro und in der Preislage liegen auch die Vorspeisen. Das besonders gute Preis-Leistungs-Verhältnis zeigt sich bei der kleinen Weinkarte, wo ordentliche Pinot Grigios, Chardonnays sowie ein paar Rote, alle um die 20 Euro, aufgeführt sind.

Der Service ist herzlich, wie man es erwartet, nicht unbedingt übertrieben formvollendet wie in einem Drei-Sterne-Tempel, aber äußerst angenehm. Für Gäste, die mal eben nur zu Kaffee und Kuchen kommen, gibt es ein extrem außergewöhnliches Kuchenbüffet mit italienischen Torten. Wie eine Kombination aus Chantilly- und Schokoladencreme, zwischen Schokobiskuitböden und Amarena Kirschen oder eine "Torta della Nonna", das ist Kuchen mit Pinienkernen, Zitronencremefüllung und Mandeln.

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