Ganz ohne Frage ist das Bocca di Bacco von Ambiente und Tischkultur eines der schönsten Restaurants der Stadt. Hinzu kommt klinische Sauberkeit und beim Service ein ganz besonders herzlicher Empfang. Häufig halten Restaurants, deren glitzerndes Äußeres Verlockung verspricht, nicht, was das Interieur-Design verspricht. Vor allem italienische Promi-Lokale, wie sie in jeder Großstadt als Stätten der Selbstdarstellung zu finden sind, schwächeln oft bei der Küchenleistung.
Das Bocca di Bacco an der Friedrichstraße hat mich bei meinem aktuellen Besuch nach jahrelanger Enthaltsamkeit weitgehend überzeugt. Werden in Berlin zur Berlinale In-Lokale aufgezählt, in denen sich die Promis treffen, führen das Borchardt und der Grill Royal die Rangliste an, wird die schlimme Küche der Paris-Bar schöngeredet. Doch das Bocca di Bacco steht selten in der Wertung. Dabei sind Tom Cruise, George Clooney und Co auch hier inzwischen schon Stammgäste, wenn sie in Berlin sind. So auch jetzt zur Berlinale, bei der Clooney am Abend nach der Premiere seines Films „The Monuments Men“ vorbeischaute. Das Fazit vorweg genommen: Sowohl bei der Küchenleistung als auch beim Service hat sich das Restaurant qualitativ von Jahr zu Jahr gesteigert. Das heißt aber nicht, dass ich alles mag, was hier auf den Tisch kommt.
Der Steinbutt ist nicht totgebraten
Die Speisekarte sowohl am Mittag wie zum Dinner ist übersichtlich geblieben. Neben den Standards wie dem marinierten Rindercarpaccio, Rucola-Salat oder Mozzarella mit Datteltomaten und Basilikum, Parmaschinken mit Artischocken-Parmesan-Salat oder Vitello Tonnato gibt es auch ungewöhnlich kleine Köstlichkeiten wie eine gebackene Riesengarnele mit Mandeln und roten Zwiebeln oder Thunfisch in Blutorangen mariniert, einmal köstlich im Pistazienmantel.
Während sich das Suppen-Angebot auf Fischsuppe mit Crostino und toskanische Hülsenfrüchte-Suppe beschränkt, stehen Pasta und Risotto in voller Breite auf der Karte. Meine Empfehlung sind die mit Jakobsmuschel gefüllten Ravioli mit richtig knackigem Wirsingkohl oder Spaghettini mit frischen Venusmuscheln. Bei den Hauptgängen belässt es die Küche bei vier Mal Fisch und fünf Mal Fleisch. Das ist wesentlich gastfreundlicher als die gewaltigen Karten mit endlosen Angeboten, die die Küche in dieser Breite aber nie perfekt ausführen kann.
Mein Steinbutt war butterzart, aber nicht totgebraten. Richtig knackig sind auch die gebackenen Riesengarnelen mit schwarzem Sesam und Orangen-Vanillesauce. Es bleibt freilich nicht aus, dass es auch Gerichte gibt, die mir überhaupt nicht gefallen. Hier war es der geschmorte Tintenfisch, der weder Röstaromen (durch Anbraten) noch die Gaumenschmeichler durch langsames Schmoren hatte. Das Gericht schmeckte ausschließlich wie eine eilig angerichtete Bouillabaisse.
Pfeffersteak am Tisch flambiert
Zurück zu den Köstlichkeiten: Das Kalbsfilet von erlesener Qualität – keine Spur von oft erlebter Faserigkeit – bekam Power durch eine Knochenmarkkruste mit Schalotten in Balsamico. Auch das Gericht mit der Entenbrust wurde geschickt variiert. Mit Büffelricotta-Creme und Trüffelhonig kommt es zu einem unerwarteten Zusammenspiel der Aromen. Wenn es Seezungen gibt (leider nicht täglich auf der Karte) sind die von vorzüglicher Qualität, perfekt angerichtet und von bissfestem Fleisch. Der Vorzug, Fisch und Meeresfrüchte nicht tot zu braten, trifft übrigens auch auf den Loup de Mer und den Schwertfisch zu.
Nun ist es nicht so, dass die Küche, die in der Anfangsphase deutliche Schwächen hatte und sich dann erheblich steigern konnte, nicht auch ein paar außergewöhnliche Hingucker präsentieren kann. Das Pfeffersteak vom Rind wird am Tisch flambiert, was den Gästen am Nebentisch Erinnerungsfotos wert war. Beim Dessert begrenzt sich die Küche auf Standards, es sind die üblichen italienischen Verdächtigen: Crème Brûlée mit Zitronengras, Schokoladentörtchen, Rotweinbirne mit Vanilleeis oder hausgemachte Sorbets sind gewiss appetitliche Abschlüsse, aber müssen nicht unbedingt ausgeführt werden.
Bis zur Parade der halben Flaschen
Die Weine aus dem begehbaren Weinklimaraum im Restaurant sind kundenfreundlich kalkuliert. Aus 200 italienischen Lagen wählten wir einen angenehmen trockenen Weißen mit Blütenduft aus den sizilianischen Weinbergen. Für der Businesslunch oder Alleinspeisende stehen genügend halbe Flaschen bereit. Lobenswert. Die Parade der halben Flaschen bescherte mir, der doch eher Bordeaux zugeneigt ist, ein absolutes Highlight, der Sassicaia, Jahrgang 2004, war ganz vorzüglich, allerdings mit 98 Euro ordentlich kalkuliert.
Nach einem Besuch vor etlichen Jahren hatte ich im Restaurant die enge Bestuhlung kritisiert, so dass an Tischen vertrauliche Gespräche nicht möglich waren. Auch das ist heute völlig anders und trägt dazu bei, ebenso wie der gut geschulte Service und die Küche, die den Gast verwöhnt, das Restaurant aus Überzeugung empfehlen zu können. „Gib jedem Diner die Chance, das schönste in deinem Leben zu werden.“ Das leicht abgewandelte Zitat von Oscar Wilde gibt die Marschrichtung für den Edel-Italiener der Berliner Genussgemeinde vor. Kompliment für diese Entwicklung.
Bocca di Bacco Friedrichstraße 167/168, Mitte, Mo.-Sbd. 12-24 Uhr, So. 18-24 Uhr, Tel.: 20 67 28 28, www.boccadibacco.de





