Ich habe wieder reichlich Post bekommen und beantwortet. Die meisten der angesprochenen Themen hatte ich, wie es seit Gerhard Schröder so schön heißt, nicht „auf der Agenda“ und nicht „im Fokus“. Man kann es auch einfacher sagen: Mit diesen Fragen habe ich nicht gerechnet.

Ein Leser mahnt nachdrücklich die Erklärung der Vergleichspartikel wie und als an. Diese Regel hielt ich bisher für unkompliziert und weit verbreitet. In aller Kürze: so groß wie, aber größer als. Nachdem ich am Wochenende jedoch wieder einmal das fränkische Sprachwunder Lothar Matthäus auf Sky sagen hörte, Bayern sei besser „wie“ Dortmund, und eines dieser Skimädchen mit den weißen Pudelmützen in der ARD den bemerkenswerten Wetterbericht abgab, heute sei es wärmer „wie“ gestern, sehe ich ein, dass wir diese Sprachproblematik vielleicht doch auf die Agenda 2018 („Dinge, die zu tun sind“) setzen sollten. Im Hinblick auf Lothar Matthäus habe ich aber wenig Hoffnung auf Besserung.

Peter Schmachthagen
Peter Schmachthagen© Klaus Bodig

Zur Erörterung der geografischen Namen fragt eine Leserin: „Können Sie mir verraten, warum das mal so und mal so ausgesprochen wird: Itzehoe und Oldesloe wie o, Laboe wie ö?“ Im Allgemeinen spricht man in Namen ein „oe“ wie den Buchstaben „ö“ aus. Johann Wolfgang von Goethe war weder „Herr Gothe“ noch „Herr Go-ethe“, sondern „Herr Göthe“. In bestimmten norddeutschen Namen ist das „e“ jedoch kein Umlautzeichen, sondern ein stimmloses Längenzeichen, das zu einem langen, geschlossenen „o“ [o:] führt: Soest, Coesfeld, Oldesloe und Itzehoe.

Hängt man an das Wort ein -er an, verschwindet das Längen-e: Itzeho-er, was wir, bitte, bitte, nicht als „-hö-er“, sondern als -ho-er aussprechen mögen. Wir wissen das. Schiller wusste es nicht, oder er suchte verzweifelt nach einem Reimwort. In „Wallensteins Lager“ lesen wir: Was? der Blitz!/ Das ist ja die Gustel aus Blasewitz!/ I freilich, und Er ist wohl gar, Mußjö,/ Der lange Peter aus Itzehö?

Vielleicht hätte Schiller den langen Peter besser aus Laboe [Labö] kommen lassen sollen, aber dann hätte das Versmaß nicht gestimmt. Das „e“ in Laboe ist kein Längen-, sondern ein Umlautzeichen, denn die Landschaft Probstei (mit „b“) an der Kieler Förde gehörte während der Namensbildung nicht zum germanischen, sondern zum slawischen Sprachraum.

Eine andere Leserin will wissen: „Warum sind die meisten deutschen Flüsse weiblich: die Oder, die Neiße, die Mosel, die Donau etc.?“ Ja, und die Spree, die Havel und die Saale. Indes gibt es in Deutschland auch männliche Flüsse: der Rhein, der Main, der Neckar, der Inn. Flüsse bekamen in germanischer Zeit häufig einen (heute meist wieder geschwundenen) Zusatz, der auf ein fließendes Gewässer hindeutete: aha (Fluss). Fluss-Endungen wie -ach (Schwarz-ach), -beek (Ammers-bek) oder -au (Krück-au) waren Feminina, und andere Flüsse glichen sich dieser Weiblichkeit an (die Elbe).

Allerdings hatten die Römer bereits deutsche Flüsse benannt, als die Germanen noch durch ihre Wälder schlichen. Der Rhein war der Rhenus, der Inn der Aenus, der Main der Moenus und der Lech der Licus. Alle diese Namen waren auf gut Latein männlich, und sie sind bis heute männlich geblieben.

Hingegen gibt es auch lateinische Maskulina, die später eine Geschlechtsumwandlung ins Weibliche vorgenommen haben. Aus dem männlichen Saravus ist die heute weibliche Saar geworden und aus dem männlichen Danubius die weibliche Donau, obwohl das „-au“ in Donau nichts mit der Au, dem Fluss, zu tun hat.

Nach unserem Gefühl muss die Donau ganz einfach weiblich sein! Man stelle sich vor, wir sollten „An dem schönen blauen Donau“ sagen – Johann Strauß wären die Saiten von der Geige gesprungen, und die Wiener Philharmoniker würden sich weigern, am Neujahrsmorgen ihr beschwingtes Konzert zum Jahresauftakt zu geben.

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