Wissen Sie, was ein Hoodie ist? Wie bitte, Sie kennen den oder das Hoodie nicht? Immerhin hat es das Wort in den neuen Duden geschafft. Ich muss bekennen, dass auch ich den Begriff zum ersten Mal in der Pressemitteilung zum Erscheinen der 27. Auflage des Rechtschreibdudens las. Man möge mir das nachsehen. Offenbar habe ich mit 76 Jahren ein wenig den Anschluss an die aktuelle Kleiderordnung verloren. Offenbar handelt es sich um einen Kapuzenpullover, den deutsch Kapuzenpullover zu nennen den Verkauf („Sale“) und die Verbreitung („Marketing“) bei der Jugend stark beeinträchtigen würde. Anglizismen versprechen eben ein besseres Geschäft, sind „cool“, sodass wir die Hoodies massenhaft als Dienstkleidung auf den Schulhöfen, bei den Ultras im Stadion und auch als Teilvermummung bei angemeldeten und unangemeldeten Ansammlungen sehen. Der Duden bietet noch „Sweatshirt“ (weit geschnittener Pullover) als Erklärung an. Aber es ergibt wohl wenig Sinn, den einen Anglizismus durch einen anderen Anglizismus zu ersetzen.

Jumpsuit (einteiliger Hosenanzug), Undercut (Frisur, bei der der untere Kopfbereich rasiert ist) oder Urban Gardening (Gartenbau innerhalb von Städten) sind weitere Anglizismen, die jetzt Duden-geadelt wurden, die man, wie die Übersetzungen in den Klammern zeigen, jedoch auch ganz gut auf Deutsch hätte ausdrücken können. Es gibt Leute, Vereine und Sprachgesellschaften, bei denen schrillen bei jedem weiteren englischen Wort, das in Deutschland gelandet ist, die Alarmglocken. Doch das meiste, was den Sprung über den Ärmelkanal geschafft hat, wird ohne große Schwierigkeiten integriert. Ich überlege, wie ich T-Shirt auf Deutsch ausdrücken sollte. Wenn Mutter ihre achtjährige Tochter fragte: „Willst du heute das rote oder das grüne kurzärmelige Oberteil aus Trikot anziehen?“, würde die Kleine quengeln: „Ich will aber ein T-Shirt tragen!“ Auch das Steckenpferd wird das Mädchen nicht mehr zuordnen können und an ein Holzspielzeug vom Grabbeltisch im Supermarkt denken, während die Frage nach ihren Hobbys sofort zu verstehen ist. Ganz schwierig wird es beim Backfisch, wie zu Großmutters Zeiten die jungen Mädchen genannt wurden. Falls man heute einen Teenager als Backfisch bezeichnete, würde der sich bestenfalls mit einem Gericht auf der Speisekarte der Fischbratküche verglichen fühlen.

Bei aller Sorge über das Englische oder Denglische im Wortschatz dürfen wir nicht übersehen, dass das Deutsche viel mehr im Inneren durch das Deutsche selbst gefährdet ist, durch Ideologen, Päd- agogen, Sprachpolizisten, Feministinnen und Drückerkolonnen der angeblich politisch korrekten Formulierungen, die einen meist kabarettreifen, aber überaus störenden Einfluss ausüben. Zum Beispiel geht es um die sogenannte geschlechter- gerechte Sprache, die den Unterschied zwischen grammatischem und natürlichem Geschlecht ignoriert und dabei mit der Zahl der Geschlechter, wie wir sie aus der Arche Noah und Brehms Tierleben kennen, nicht zufrieden ist. Das generische Maskulinum, das Indefinitpronomen man, der Binnenversal („FußgängerInnen“), Paarformeln („Einwohner und Einwohnerinnen“), Sternchen („Schüler*innen“), x-Geschlecht („Professor-x“) und Partizipialausdrücke („Geflüchtete, zu Fuß Gehende“) werden präsentiert und nicht selten mit Hass verteidigt. Allerdings spricht sich eine Mehrheit der Erwachsenen klar gegen eine genderverbogene Sprache aus.

Peter Schmachthagen schreibt wöchentlich über die Tücken der deutschen Sprache
Peter Schmachthagen schreibt wöchentlich über die Tücken der deutschen Sprache © Klaus Bodig

Schon länger schränkt die Political Correctness, die von den Betroffenen nicht nur gewünschte, sondern in der Praxis sogar oktroyierte Übernahme der von ihnen gewählten Bezeichnungen, die Freiheit des Formulierens erheblich ein. Neuerdings steht sogar das Verb füttern auf dem Index, weil in Bezug auf pflegebedürftige Personen eine Assoziation mit der Nahrungsaufnahme von Tieren entstehen könnte.

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