So, Freunde, September. Jetzt ist Ende Gelände mit Ferien, Urlaub und Heititei, jetzt beginnt wieder der Ernst des Lebens. Seit ich vor wenigen Tagen unseren Kalender in der Küche umgeblättert habe, ist mir das schmerzhaft bewusst geworden: Denn am 23. dieses Monats ist doch tatsächlich Herbstanfang. Ja. Herbst. So richtig mit Regen, gelben Blättern an den Bäumen und Tee trinken und so. Schwer vorstellbar im Moment.

Zumal ja jetzt kürzlich bekannt wurde, dass es in Berlin und Brandenburg in den Monaten von Juni bis August bundesweit am wärmsten war. Ja, dieser Berliner Sommer war schon etwas besonderes. Es war ein Sommer der Extreme – und ein Sommer wertvoller Lektionen. Acht Dinge, die man in diesem Jahr als Berliner gelernt hat:

1. Es geht immer noch heißer. 27 Grad? 29 Grad? 31 Grad? Lächerlich! Temperaturen für Milchbubis und Warmduscher. Nur wer bei 37 Grad noch draußen war, war bei diesem Sommer 2018 wirklich mit dabei. Wir wurden härter gekocht als ein Frühstücksei im Billighotel, knuspriger gebraten als die Hühner bei Risa Chicken und hatten am Ende einen schöneren Teint als ein Touri nach drei Wochen Domrep.

2. Allerdings: Bei besagten 37 Grad auf der A100 vor und auf der Rudolf-Wissel-Brücke im Stau zu stehen, beschert einem einen noch größeren Berlin-Hass-Moment, als im Regen an der Beusselstraße auf den nicht kommen wollenden TXL-Bus zu warten. Glückwunsch, BVG. Ihr seid rehabilitiert.

3. Apropos BVG: Vor einiger Zeit schrieb ich, wie schrecklich kalt ich es in den klimatisierten Trams finde – zumal ich mir dort Ende Mai eine Sommergrippe zugezogen hatte. Was war ich doch dumm und verblendet! Eine bessere Abkühlung als in der M10 habe ich jetzt wochenlang in ganz Berlin nicht gefunden. Am liebsten hätte ich zeitweise meinen Wohnsitz in die Straßenbahn verlagert. Schade nur, dass es noch keine entsprechende Tickettaste auf den Automaten dafür gibt.

4. Wespen nerven. Und derjenige, der die Viecher einst unter Naturschutz gestellt hat, hat anscheinend noch nie draußen gefrühstückt und versucht, in einem heißen August unter freiem Himmel ein Marmeladenbrötchen zu essen. Wer jetzt kommt mit: Aber die sind wichtig fürs Ökosystem... Nein. Und sie bestäuben doch... Nein. Außerdem fressen sie Schädlinge... Nein. Wespen sind doof. Ende der Diskussion.

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    5. Man kann locker auch zwei oder mehr Eis am Tag essen. Und abends zwei oder mehr kühle Radler trinken. Wer etwas anderes behauptet, hat noch nie einen Tag am Wannsee verbracht oder einen Sonnenuntergang auf dem Teufelsberg erlebt. Oder auf einer der vielen Berliner Brücken. Oder an der Spree. Oder auf der eigenen Terrasse. Oder auf dem Balkon.

    6. Ein Sommermärchen geht auch ohne Fußball-WM. Fünf heiße Monate – April bis August – schwelgten wir zwischen Mittelmeer-Flair und tropischen Nächten. Das Vorrunden-Aus der deutschen Nationalmannschaft hat der allgemeinen Gute-Laune-Kurve nur einen kleinen Knick beschert. Außerdem: Im Dunkeln Tischtennis zu spielen macht sowieso viel mehr Spaß als Public Viewing unter sengender Sonne. Und man braucht keine bescheuerte schwarz-rot-goldene Verkleidung dafür.

    7. Nächsten Sommer bleiben wir unbedingt wieder in Berlin. Die Straßen sind leerer, es gibt viele freie Parkplätze und es herrscht kaum Gedrängel in U- und S-Bahnen. Und auf dem Spielplatz gibt es keine Warteschlange vor der Schaukel. Dafür ist der Sand dort mindestens so heiß wie der am Strand auf Gran Canaria.

    8. Hitze macht lustig. Beziehungsweise völlig gaga. Und ist deshalb eine perfekte Erklärung für alle Berliner Absurditäten, die die Stadt regelmäßig ereilen. Ich sage nur: Zickzack-Radweg in Zehlendorf. Kann keiner was dafür, die Sonne war schuld. Oder nicht? Die Frage ist jetzt nur, welche Ausrede wir dann im Herbst für so etwas finden...

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