Es klingt fast ein wenig seelsorgerisches Verständnis mit, wenn Donald Trump nach Gesprächen mit seinem Kreml-Bro über eben diese Gespräche berichtet. 

Am Mittwochmittag hat der US-Präsident nach eigenen Angaben 75 Minuten mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin am Telefon verbracht. Selbstredend war es „ein gutes Gespräch”, bilanziert Trump, um dann sehr kaltes Wasser in den Wein zu gießen, „aber keines das zu einem sofortigen Frieden führen wird.” 

Wer hätte das gedacht, nachdem die Ukraine in einem militärhistorischen Husarenstück weit im russischen Hinterland mit ein paar Dutzend Billigdrohnen milliardenschwere Atom-Bomber auf ihren Parkplätzen füsiliert hat? 

Seltsame Beziehung, die immer seltsamer wird: Donald Trump und Wladimir Putin.
Seltsame Beziehung, die immer seltsamer wird: Donald Trump und Wladimir Putin.© AFP | SAUL LOEB

Dann geht es weiter, ebenfalls fast verständnisvoll. Putin habe „sehr deutlich” gemacht, dass Russland auf den ukrainischen Sabotage-Akt antworten werde. 

Dann reißt, zumindest in Trumps Schilderung auf seinem Portal „Truth Social” der Ukraine-Faden ab - es geht, etwas verquast, um den Iran und Trumps stockende Versuche, Teheran zu einem Deal zu bewegen, der eine Mullah-Atombombe verhindert und damit einen militärischen Schlag gegen die iranischen Atomanlagen. Nur eins ist wichtig: Trump will Putin als Sozius, um den Iran zu bewegen. Putin, was Wunder, macht da gerne mit.

Typisch Trump: Anstatt weltweit zu annoncieren, was sich jede Marktfrau in Nishni Nowgorod denken kann, hätte man von einem Staatsmann erwarten dürfen, ja, müssen, dass er den Kreml, der den Krieg gegen den Nachbarn vom Zaun gebrochen hat und seit Wochen bevorzugt Jagd auf Zivilisten macht, deutlich zur Mäßigung aufruft. 

Waffenruhe in der Ukraine: Russland macht zwei Vorschläge

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    Wenn nicht zum Verzicht auf einen Gegenschlag - damit der ohnehin von Tretminen übersäte Weg zu Friedensverhandlungen nicht vollends unbegehbar wird. 

    Trump kann das nicht. Er will das nicht. Sich wirklich einmischen, klare Kante zeigen. Nicht bei Putin. Bei Selenskyj schon. 

    Den Ukrainer kujonierte Trump über Wochen, bis er sich politisch nackt auszog und alle Bedingungen für die Aufnahme von Verhandlungen mit Moskau erfüllte. Mit welchem Ergebnis? Noch mehr Tote in Wohnhäusern zwischen Kiew und Cherson. 

    President Donald Trump during his meeting with Ukrainian President Volodymyr Zelenskyy in the Oval Office in Washington, Feb, 28, 2025. (Doug Mills/The New York Times)
    Bekam im Februar von einem außer Kontrolle geratenen Trump die Ohren lang gezogen: der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj.© DOUG MILLS/The NewYorkTimes/Redux/laif | DOUG MILLS/The NewYorkTimes/Redu

    Putin, der die Chuzpe besitzt, die Gegenseite nach dem Drohnen-Geniestreich als „Terroristen” zu bezeichnen, mit denen er nicht verhandeln werde, kommt bei Trump jedes Mal davon. 

    Die jüngsten Forderungen des Kreml an Kiew gleichen dem Entwurf einer Kapitulationserklärung - sie sind schlicht unannehmbar. 

    Trump hätte das seinem Kollegen klipp und klar sagen müssen. Stattdessen transportiert er unkommentiert dessen Ankündigung für eine neue Eskalationstufe. Was für ein Trauerspiel.