Zusammenfassung

  • Am Sonntag hat der ukrainische Geheimdienst nach eigenen Angaben 40 russische Kampf- und Aufklärungsflugzeuge zerstört.
  • Bei der seit Langem geplanten Operation Spinnennetz haben Drohnen Militärflugplätze auf russischem Gebiet angegriffen.
  • Russland hat seinerseits mit Raketen- und Drohnenangriffen reagiert.

Operation Spinnennetz: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj feiert den Überraschungsangriff auf mehrere Militärflughäfen tief im russischen Hinterland als „absolut brillanten Erfolg“.  Die Operation habe „ein Jahr, sechs Monate und neun Tage vom Planungsbeginn bis zur effektiven Umsetzung“ gedauert, so Selenskyj. Den angerichteten Schaden bezifferte der ukrainische Geheimdienst SBU mit über sechs Milliarden Euro. 12 Kampf- und Aufklärungsflugzeuge seien zerstört worden. Überprüfbar sind derartige Abgaben nicht.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Den Drohnenangriff selbst bestätigte inzwischen das russische Verteidigungsministerium. Es habe „Terroranschläge“ auf Militärflughäfen in den Regionen Iwanowo, Rjasan, Amur, Murmansk und Irkutsk gegeben. „Einige“ Flugzeuge seien in Brand geraten, relativiert man in Moskau die Folgen. Wie aber wird Russlands Reaktion sein? Droht eine Eskalation des Krieges, vielleicht sogar ein Atomschlag gegen die Ukraine und die westlichen Verbündeten?

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Russland hat mit Raketen und Drohnen auf die Angriffe der Ukraine geantwortet

Von Zeit zu Zeit droht Moskau mit Atomwaffen, ein tatsächlicher Einsatz ist aber sehr unwahrscheinlich. Die jüngst geänderte Nuklearstrategie Russlands würde theoretisch den Einsatz gegenüber Staaten zulassen, „die Ressourcen unter ihrer Kontrolle zur Vorbereitung und Durchführung einer Aggression gegen die Russische Föderation zur Verfügung stellen“. Allerdings wäre auch in der neuen Doktrin die Vorbedingung für einen Nuklearschlag Angriffe auf die Russische Föderation, „die eine kritische Bedrohung für ihre Souveränität und (oder) territoriale Integrität darstellen“. Durch den Drohnenangriff ist diese Vorbedingung sicher nicht gegeben.

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Könnten Geheimoperationen wie die am Wochenende Russland destabilisieren, vielleicht sogar zum Aufgeben zwingen? Gleichfalls sehr unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist, dass Russland den Krieg in der Ukraine mit unverminderter, und vielleicht sogar stärkerer Härte fortführen wird, zumal die russische Armee langsam, aber stetig Geländegewinne macht.

Die unmittelbare Reaktion: neue, schwere Drohnen- und Raketenangriffe in der Nacht zum Montag. In der südostukrainischen Region Saporischschja wurden nach ukrainischen Angaben fünf Menschen getötet. In der Region Charkiw im Nordosten der Ukraine sind nach Behördenangaben sechs Zivilisten verletzt worden. Unter den Betroffenen seien auch zwei Kinder, teilte Militärgouverneur Oleh Synjehubow mit. In der zentralukrainischen Region Dnipropetrowsk waren die Städte Nikopol und Marhanez am Fluss Dnipro gegenüber dem Kernkraftwerk Saporischschja Ziel russischer Angriffe. „Drei Menschen im Alter von 68, 51 und 72 Jahren wurden verletzt“, so Militärgouverneur Serhij Lyssak.

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Im UN-Sicherheitsrat hatte Russlands UN-Botschafter Wassili Nebensja die Bedingungen des Kreml für ein Ende der Kampfhandlungen benannt. Würden sie nicht erfüllt, dann seien Moskaus Streitkräfte in der Lage, die Kampfhandlungen so lange wie nötig fortzusetzen. Der jüngste Drohnenangriff würde die Verhandlungen eher erschweren, zitiert das Portal news.ru Alexej Tschepa, den stellvertretenden Vorsitzenden des Ausschusses für internationale Angelegenheiten im russischen Parlament: „Es handelt sich um einen Erpressungs- und Drohungsversuch. Und damit verbunden ein Versuch, den Verhandlungsprozess zu beeinflussen. Dies wird natürlich Auswirkungen auf die Verhandlungen haben.“

Könnten Geheimoperationen wie die am Wochenende Russland destabilisieren, vielleicht sogar zum Aufgeben zwinge
Könnten Geheimoperationen wie die am Wochenende Russland destabilisieren, vielleicht sogar zum Aufgeben zwinge© AFP | Gavriil Grigorov

Putin bekommt ein gewaltiges Problem

Innenpolitisch allerdings hat Wladimir Putin nun ein Problem. Viele Menschen in Russland fragen sich: Keine westlichen High-Tech-Raketen waren im Spiel, sondern Billigdrohnen, die per LKW an den Einsatzort transportiert worden sind. Warum konnten die Sicherheitskräfte das nicht verhindern? Die Moskauer Zeitung „Moskowski Komsomolez“ kommentiert: „Der 1. Juni wurde zu einem schwarzen Tag für Russlands Langstrecken- und Militärtransportflieger. (...) Es stehen ernsthafte Ermittlungen innerhalb des Militärs und anderer im vierten Kriegsjahr für strategische Objekte verantwortliche Sicherheitsorgane bevor. Die Militärstaatsanwaltschaft wird in den nächsten Tagen sicher zu tun haben.“

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Man beeilt sich jetzt mit Erfolgsmeldungen. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur TASS seien einige mutmaßliche Beteiligte bereits festgenommen worden. Es handle sich wohl um Lastwagenfahrer, die nicht wussten, was sich in ihren Fahrzeugen befand, vermuten Telegram-Kanäle. In der Region Woronesch wurden nach russischen Angaben 16 Drohnen abgeschossen. Drohnentrümmer hätten Stromleitungen durchtrennt, die dann auf die Autobahn M-4 gestürzt seien, erklärte Regionalgouverneur Alexander Gussew. Ein kleiner Abschnitt der Autobahn, die die Städte Moskau, Woronesch, Rostow am Don und Krasnodar verbindet, sei gesperrt worden.

Insgesamt habe die russische Luftabwehr 162 ukrainische Drohnen in der Nacht zum Montag abgeschossen. Und Russlands Geheimdienst FSB hat laut einem Medienbericht einen Brandanschlag auf den Zugverkehr in der ostrussischen Region Primorje vereitelt. „Es wurde festgestellt, dass zwei 19-jährige Einwohner der Region Primorje auf Befehl ukrainischer Geheimdienste und in Erwartung einer finanziellen Belohnung Brandstiftungen an gleisseitigen Relaisschränken begingen“, zitiert die russische Nachrichtenagentur RIA Novosti den Geheimdienst.