Der russische Kreml-Kritiker Wladimir Kara-Mursa tritt am Dienstagabend zum ersten Mal öffentlich in Berlin auf. Das teilte die Organisation Free Russia Foundation über ihren Telegram-Kanal mit. Die Organisation macht zum einen deportierte ukrainische Zivilisten ausfindig, zum anderen setzt sie sich für ein freies und demokratisches Russland ein. Anfang August organisierte die Free Russia Foundation auch den Auftritt des freigekommenen russischen Oppositionspolitikers Ilja Jaschin im Berliner Mauerpark.

Kara-Mursa soll am Dienstag um 19 Uhr auftreten. Den Ort des Auftritts halten die Veranstalter bislang noch geheim. Der Ort „wird später bekannt gegeben“, heißt es. Bei Jaschin meldeten sie die Veranstaltung als Kundgebung im Mauerpark an. Bei der Berliner Polizei ist bislang aber noch keine solche Versammlung angezeigt worden, wie ein Polizeisprecher auf Nachfrage bestätigte. Kara-Mursa will bei dem Auftritt seine Gedanken teilen und Fragen aus dem Publikum beantworten.

Der 42-Jährige gehörte wie Jashin zu den 26 Gefangenen, die Anfang August im Zuge des historischen Gefangenenaustauschs zwischen Russland und dem Westen freigelassen wurden. Dabei wechselte auch der „Tiergartenmörder“ Wadim Krassikow die Seiten.

Kara-Mursa studierte Geschichte in Cambridge, England, arbeitete als Journalist und später als Oppositionspolitiker in Russland sowie für eine Stiftung des Putin-Gegners Michail Chodorkowski. Kara-Mursa gilt neben dem verstorbenen Alexej Nawalny zu den prominentesten Kritikern des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Kara-Mursa und Nawalny sollen sich nahe gestanden haben. Kara-Mursa überlebte zwei mutmaßliche Anschläge. Im Mai 2015 wurde er mit Anzeichen einer schweren Vergiftung ins Krankenhaus eingeliefert und musste ins künstliche Koma versetzt werden. Zwei Jahre später, im Jahr 2017, wurde er erneut Opfer einer Giftattacke. In Blutanalysen fand man später verschiedene Giftstoffe, darunter einen erhöhten Quecksilber-Wert. Die russischen Behörden streiten jede Beteiligung an mutmaßlichen Anschlägen ab.

Im April 2023 wurde Kara-Mursa zu einer Haftstrafe von 25 Jahren in einem Straflager verurteilt. Ihm wurde unter anderem Hochverrat vorgeworfen. Es war bis dato eine der härtesten Strafen gegen einen russischen Oppositionellen. Die Gerichtsverhandlung verlief nicht öffentlich, das Urteil sorgte weltweit für Kritik. Die Mutter des 42-Jährigen sprach Anfang August bei der Veranstaltung mit Jashin. Sie sagte damals: „Im April 2023 begann meine persönliche Hölle, die nun endete“. Damit meinte sie die Freilassung ihres Sohnes.