2000 zusätzliche Ausbildungsplätze sollen in Berlin bis 2025 entstehen. Dieses Ziel hat sich das Bündnis für Ausbildung gesetzt, das am Montag im Roten Rathaus zusammengekommen ist. Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner (CDU), Arbeitssenatorin Cansel Kiziltepe und Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (beide SPD) trafen sich mit Vertretern aus Wirtschaftsverbänden, Gewerkschaften und der Agentur für Arbeit.
Das wichtigste Ergebnis der Sitzung verkündete Giffey. Nachdem lange unklar blieb, auf welcher Datengrundlage sich die 2000 zusätzlichen Stellen berechnen, herrscht nun Gewissheit. Stichtag für die Berechnung ist der 31. Dezember 2023, das war schon vorher bekannt. Neu ist die Zahl, wie viele junge Menschen in Berlin zu diesem Datum in Ausbildung waren - und zwar genau 32.535. Damit ist nun klar, welches Ziel sich das Bündnis gesetzt hat: Bis zum 31. Dezember 2025 sollen 34.535 Berlinerinnen und Berliner in Ausbildung sein.
Was passiert, wenn Berlin das Ziel verfehlt
Wird dieses Ziel verfehlt, müssen Betriebe, die nicht ausbilden, in Zukunft wohl zahlen. Geplant ist ein Gesetz zur Ausbildungsplatzumlage. Wie viel die Betriebe dann zahlen müssen, die keine Azubi-Stellen anbieten, steht noch nicht fest. Klar ist: Die Umlage gilt als Projekt der Sozialdemokraten. Auch Senatorin Kiziltepe ist eine Anhängerin der Idee. Am Montag sagte sie: „Wer nicht ausbildet, darf sich auch nicht über Fachkräftemangel beklagen.“ Die in Wirtschaftsfragen liberalere CDU steht ihr traditionell skeptisch gegenüber. Diese Rollenverteildung dürfte die etwas ungewöhnliche Konstruktion erklären, das Gesetz vom Erfolg des Ausbildungsbündnisses abhängig zu machen.
Ob die 2000 zusätzlichen Stellen erreicht worden sind, das wird aber zum Stichtag im Dezember noch nicht final geklärt sein. Die letztgültigen Daten werde man erst im März oder April 2026 haben, betonte Giffey am Montag. Damit bleibt fraglich, ob überhaupt genügend Zeit bleibt, das Gesetz zur Ausbildungsplatzumlage einzuführen. Hintergrund ist: 2026 stehen in Berlin wieder Landtagswahlen an.
Aktuelle Zahlen: Ziel wird immer schwerer zu erreichen
Aktuell rücken die 2000 zusätzlichen Stellen in immer weitere Ferne. Ende Februar hatte die Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin die Ausbildungsbilanz für 2023 vorgestellt. Und diese aktuellen Zahlen verstärken den Handlungsdruck für Politik und Wirtschaft noch einmal. Denn statt der anvisierten zusätzlichen Stellen ging die Zahl der Ausbildungsverträge im Vergleich zum Vorjahr sogar zurück: Zum Jahresabschluss 2023 waren rund 350 weniger Menschen in Ausbildung als noch 2022. Dabei ging es gut los: Zu Jahresbeginn wurden zunächst mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen als im Vorjahreszeitraum. Ein Problem war aber, dass in der Folge die Abbrecherquote zu hoch war, knapp 16 Prozent der Verträge wurden wieder aufgelöst. Eine Ausbildungsumlage lehnte die IHK ab, ein Vertreter der IHK spricht mit Blick auf die Pläne von einem „Damoklesschwert“, das nun über der Wirtschaft hänge.
Kai Wegner betonte am Montag, es sei wichtig, eine größere Wertschätzung gegenüber der dualen Ausbildung zu vermitteln „Ein Meister ist genauso wichtig wie ein Master“, sagte der Regierende Bürgermeister. Carola Zarth, Präsidentin der Handwerkskammer, stimmte am Montag zu. Das sei eine Frage der Gleichwertigkeit. Nicht nur die Wirtschaft oder die Politik, sondern die Gesellschaft insgesamt sei dafür verantwortlich, dass sich genügend junge Menschen für die Ausbildung entscheiden.



