Nachdem die Anhänger der Letzten Generation das Zirkus-Zelt in Pankow verlassen mussten, hat die Gruppierung einen neuen Unterschlupf in Berlin gefunden. Nach Informationen der Berliner Morgenpost nutzen die Mitglieder künftig Räumlichkeiten der evangelischen Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde in Berlin-Schöneberg. Die Kirche und das Gemeindehaus liegen am Straßenstrich an der Kurfürstenstraße und sollen der Letzten Generation als Rückzugsort und zur Ausgabe von Essen dienen.

Alexander Rose von der Letzten Generation bestätigte den Umzug nach Berlin-Schöneberg. „Wir dürfen Räume im Gemeindehaus und in der Kirche als Schutzraum nutzen“, sagte er auf Nachfrage der Berliner Morgenpost. Protesttrainings sollen dort keine stattfinden – dazu aber später mehr, auch geschlafen werden soll dort nicht, so Rose. Zur Höhe und Dauer der Miete wollte der Aktivist keine Angaben machen. Der Pfarrer der Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde, Burkhard Bornemann, hat bestätigt, dass die Aktivisten Räumlichkeiten nutzen dürfen. Die Leitung der Gemeinde habe „einstimmig beschlossen“, der Gruppe „Schutzräume“ zur Verfügung zu stellen.

Mietvertrag im Zirkus-Zelt zum 13. November gekündigt

Die Zwölf-Apostel-Kirche in Berlin-Schöneberg.
Die Zwölf-Apostel-Kirche in Berlin-Schöneberg.© FUNKE Foto Services | Reto Klar

Bornemann betont allerdings, dass es keinen Mietvertrag mit der Letzten Generation gibt, „und die Mitglieder der Gruppe übernachten auch nicht in unseren Räumen“. Dementsprechend bittet die Gemeinde die Aktivisten für die Nutzung des Gartens und einiger Räume im Gemeindehaus der Zwölf-Apostel-Gemeinde nicht zur Kasse. An einigen Tagen würde ein gemeinsamer Brunch abgehalten, bei denen Kirchen- und Gemeindemitglieder die Möglichkeit zur Begegnung hätten.

Um ihre Protestwelle in dieser Stadt aufrecht erhalten zu können, benötigt die Letzte Generation eine Art Hauptquartier. Eigentlich wollten sich die Anhänger bis mindestens Ende November im ehemaligen Sport- und Erholungszentrum (SEZ) an der Landsberger Allee einrichten. Nachdem sie im September aber eine Vielzahl an Matratzen abluden und so das Misstrauen des Vermieters weckten, wurde der Mietvertrag mit der KUEÖ gGmbH, das operative Instrument der Letzten Generation, aufgekündigt.

Zwischenzeitlich schlug die Letzte Generation ihre Essensausgabe ohne Genehmigungen im Anton-Saefkow-Park in Pankow und am Platz der Luftbrücke in Tempelhof auf. Zuletzt kamen die Anhänger in einem Zelt vom Zirkus Mond in Prenzlauer Berg unter. Dort hatte der Zirkus-Geschäftsführer Max Mohr aber nach Medienberichten Bedenken geäußert, dass die Debatte um die Vermietung etwa negative Auswirkungen auf den Zirkus haben könnte. Er nannte in diesem Zusammenhang etwa Gegner der Letzten Generation, die den Betrieb stören könnten. Nach einer Schonfrist von rund zwei Wochen wurde das Mietverhältnis zum 13. November aufgekündigt.

Protesttrainings im Mehrgenerationenhaus Gneisenaustraße

Während das Gemeindehaus künftig als Rückzugsort dienen soll, bereiten sich die Anhänger seit Monaten immer wieder im Mehrgenerationenhaus Gneisenaustraße in Kreuzberg auf ihre Proteste vor. In mehrstündigen Sitzungen schulen sich die Anhänger gegenseitig für ihre Blockaden auf den Straßen. Pikant dabei ist: Das Mehrgenerationenhaus wird seit Januar 2021 von Bund und Land gefördert.

Im Rahmen des Bundesprogramms Mehrgenerationenhaus des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend erhält die Einrichtung bis zum 31. Dezember 2028 eine jährliche Förderung von bis zu 40.000 Euro. Da eine Kofinanzierung durch das Land als Voraussetzung für den nicht-rückzahlbaren Zuschuss gilt, erhält das Mehrgenerationenhaus auch eine Zuwendung vom Land Berlin. Im Haushaltsplan des Landes für 2024/25 sind insgesamt 80.000 Euro dafür eingestellt. Für das Jahr 2023 erhielt das Mehrgenerationenhaus 29.500 Euro. Das Bundesprogramm zielt unter anderen darauf ab, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern - der Letzten Generation wurde hingegen in der Vergangenheit immer wieder das Gegenteil vorgeworfen: die Spaltung der Gesellschaft.