Ketchuprot leuchtet der Eingang von Deutschlands einzigem Currywurst-Museum. „Mit unserem Design haben wir schon mehrere Preise gewonnen“, freut sich Bianca Wohlfromm, Projektleiterin des Museums in der Schützenstraße in Mitte.
Das knallige Rot empfängt die Besucher bereits am Eingangstresen und zieht sich durch die etwa 650 Quadratmeter großen Räume sowohl als Bodenfarbe als auch in Form von Sitzinseln und von der Decke hängenden Riesentropfen. Mehrere Hundert Exponate in Vitrinen, aber auch zum Anfassen, Riechen und Schmecken vermitteln den Besuchern die Welt von Berlins weltbekanntem „Iconic Dish“.
„Wir wollen die gesamte Welt der Currywurst für Jung und Alt präsentieren“, erklärt die 32-jährige Projektleiterin. Alle erklärenden Texte stehen auch auf Englisch auf den Tafeln. „Aufgrund unserer Lage nur zweihundert Meter vom Checkpoint Charlie entfernt machen ausländische Gäste einen bedeutenden Anteil unserer rund 75.000 Gäste pro Jahr aus“, erklärt Bianca Wohlfromm.
Berlinkarte mit den Standorten von rund 170 Buden
Besonders stolz ist die diplomierte Marketing-Kauffrau über die Gewürzkammer, in der Informationen über Dutzende Gewürze und Kräuter in Schubkästen auf die Besucher warten. Aber man kann auch selbst aktiv werden: In der Mitte der Gewürzkammer steht eine Riechorgel, bei der geraten werden kann, um welche Gewürze oder Kräuter es sich handelt. Nebenbei erfährt man, dass die Gewürznelke entzündungshemmend und hustenlösend ist oder Piment appetitanregend.
Weiterer Blickfang ist eine Berlinkarte mit den Standorten von rund 170 Buden oder Verkaufsstellen, die Namen Curry 36, Konnopke oder Krasselt stehen auf Gabeln. In kleinen Guckkästen werden mit Dias und kurzen Filmen die bekannten Größen der Berliner Currywurst-Kultur vorgestellt.
Hymnen von Herbert Grönemeyer und Helge Schneider
Ein ganzer Themenraum ist Herta Heuwer gewidmet, die am 4. September 1949 in ihrem Imbiss am Stuttgarter Platz die Currywurst erfunden haben soll. Beim Experimentieren mit Currypulver, das sie von britischen Besatzungssoldaten erhalten haben soll, weiteren Gewürzen und Tomatenmark will sie die „Chillup-Sauce“ mit Currypulver erfunden haben, deren Namen sie sich gesetzlich schützen ließ.
Das Rezept nahm sie nach Informationen von Bianca Wohlfromm mit ins Grab. Auf Monitoren laufen unterhaltsame „Abendschau“-Interviews mit der Grande Dame der Currywurst, Ausschnitte von Rateshows in denen sie auftrat, etwa mit einem jugendlichen Harald Schmidt und einer jungen Elke Heidenreich. Und natürlich dürfen auch die Hymnen von Musikern wie Herbert Grönemeyer oder auch Helge Schneider nicht fehlen.
Es gibt viele Geschichten rund um die heiße Brühwurst
Auf der Rückseite des Themenraums werden, alles museumspolitisch korrekt, andere Städte und Gegenden wie Hamburg oder auch das Ruhrgebiet erwähnt, die ebenfalls die Erfindung der Currywurst für sich reklamieren. Interessant sind auch die vielen Geschichten rund um die heiße Brühwurst, etwa die Historie des schnellen Imbiss’. Bereits vor mehr als fünftausend Jahren sollen mittelamerikanische Völker Popcorn aus Maiskörnern gemacht haben, die Wurst wird zweitausend Jahre später bei Homer erwähnt, die erste Wurstbraterei Anfang des 12. Jahrhunderts in Regensburg.
Auch den Utensilien zum schnellen, mobilen Genuss wird musealer Raum gewidmet, beispielsweise dem Pappteller. Der wurde 1867 erfunden und trat seither seinen Siegeszug als Unterlage für unzähliges Fast Food an. Durchgesetzt haben sich ovale und rechteckige Formen. „Heutzutage gibt es ja sogar Modelle aus Porzellan, die in Edel-Imbissen verwendet und in Geschäften angeboten werden.“
Eine Vitrine zeigt Dutzende Beispiele von Piekern aus Plastik, Holz und Metall. Sogar als Mode-Accessoire sind sie erhältlich, etwa als nützliche Krawattennadel.
An der roten Sitzinsel dreht sich alles um das Thema Ketchup. Neben Tomaten, Zwiebeln und Salz kommen in die beliebte Soße unter Umständen Dutzende weitere Zutaten. Die Soße macht den besonderen Kick aus und fließt von sämig-dick bis dünnflüssig, von kalt bis warm über die Würste. „Niemand verrät das Geheimnis seiner Soße“, musste die Museums-Projektleiterin erfahren.
Begehbare Currywurstbudeim Mittelpunkt der Schau
Gerüchte gibt es viele. „Apfelmus soll für die fruchtige Süße verwendet werden, andere sollen exotische Fruchtsäfte wie Mango- oder Pfirsich mit unterrühren, sogar Coca Cola soll herausgeschmeckt worden sein.“ Und natürlich Gewürznelke, Zimt, Kardamom, Piment, Bockshornklee und Dutzende weitere Gewürze.
Im Zentrum der Ausstellung steht eine weiße, begehbare Currywurstbude. „Ein Original. Hier bekommen die Besucher eine Vorstellung davon, wie eng es in der Bude zugeht, in der eine oder zwei Personen bis zu 1000 Currywürste pro Tag braten und rausgeben“, so Bianca Wohlfromm. Sie selbst isst, wie sie sagt, zwei bis drei Currywürste pro Monat. Damit liegt sie allerdings deutlich unter dem Berliner Durchschnitt.


