Sein Trainer Jürgen Brähmer fordert „einen deutlichen Sieg“, sein Manager Kalle Sauerland sieht in ihm „unser Zugpferd für die Zukunft“, und für das deutsche Profiboxen ist Tyron Zeuge als letzter amtierender Weltmeister sowieso ein Aushängeschild. Den 25-Jährigen lassen all diese Anforderungen vor der Verteidigung seines WBA-Titels im Supermittelgewicht an diesem Sonnabend (23.20 Uhr/Sat.1) in Wetzlar kalt. „Ich will nur guten Sport zeigen. Alles andere interessiert mich nicht“, sagt Zeuge vor dem Duell mit dem Briten Paul Smith (34).
Diese zur Schau gestellte Gleichgültigkeit kann durchaus als Selbstschutz gewertet werden, denn Zeuge ist keiner, der das Rampenlicht schätzt. Privates hält der in 21 Kämpfen unbesiegte Berliner gern privat. Hier macht der Profi eine seltene Ausnahme und spricht ganz offen über...
...seinen ersten Boxverein: „Das war Stahl Schöneweide in Berlin. Ich war sieben Jahre alt, als ich dort anfing. Mein Vater hat früher selbst geboxt, deshalb wollte ich auch mit dem Boxen anfangen. Ein Box-Verrückter, der alle Kämpfe guckt, bin ich aber nicht. Ich mag genauso gern Fußball schauen, mein Lieblingsklub ist Hertha BSC, oder Motorsport.“
Maske war das erste Vorbild
...seinen ersten Trainer: „Der hieß Jörg Schneider. Ein ganz entspannter, ruhiger Typ, der mir die Grundlagen des Boxens sehr geduldig näher gebracht hat. Ich versuche auch heute noch, ihn regelmäßig zu besuchen. Er schaut jeden meiner Kämpfe, saß natürlich auch schon live am Ring.“
...ein erstes Vorbild: „Das war tatsächlich Henry Maske. Ich mochte die Art, wie er geboxt hat, auch ich möchte so wenig wie möglich getroffen werden. Allerdings habe ich schon lange kein Vorbild mehr, sondern versuche, einfach nur ich selbst zu sein.“
...seinen ersten Profikampf: „Am 31. März 2012 in Kiel gegen den Weißrussen Jewgeni Bahdanouski. Natürlich war ich mächtig aufgeregt, aber die Nervosität war schnell verflogen, und dann hat es richtig Spaß gemacht, auch wenn es nicht mal eine Runde dauerte. Ich fand es cool, Profi zu sein und mit meinem Hobby Geld zu verdienen.“
Soße nach altem Rezept
...seine erste Kampfbörse: „Oh, ich habe keine Ahnung mehr, wie hoch die war. Ich weiß aber, dass ich ziemlich stolz war und es sehr cool fand, dass mir das Boxen Geld brachte. Um meine Finanzen kümmert sich meine Schwiegermama. Ich bin keiner, der sich irgendwelchen Luxus leistet. Weder von meiner ersten Börse noch von meiner Gage nach dem ersten WM-Kampf habe ich mir etwas Besonderes gegönnt. Ich belohne mich mit einem guten Essen. Ich darf mir nach Kämpfen etwas wünschen, das meine Freundin für mich kocht.“
...seine erste Currywurst: „Der Ruf, dass ich am Tag nach einem Kampf Currywurst essen gehe, eilt mir voraus. Meine erste Currywurst habe ich in Berlin an einer kleinen Bude gegessen, die zwei alte Damen betrieben. Da war ich noch ein kleiner Junge. Die Soße, die dort benutzt wurde, die bieten heute meine Kumpels in ihrem Laden „Ketchup 35“ in Neukölln auch an, und darauf schwöre ich. Das ist die beste Soße der Welt. Dazu ein Bierchen, und der Tag ist perfekt!“
...seinen ersten Alkoholrausch: „War viel zu früh! Im Ernst: In der Jugend habe ich schon mal zu viel getrunken, heute als Leistungssportler wäre das Gift, so etwas mag der Körper gar nicht. Ich gebe aber zu, dass ich gern Bier trinke. Und als Berliner ist natürlich Berliner Kindl mein Favorit.“
Autocrashs mit Mäusen
...sein erstes Haustier: „Meine Eltern haben Schlangen gehalten, als ich klein war. Meine ersten Haustiere waren Mäuse. Davon hatte ich eine Menge, aber die sind reihenweise gestorben. Manche, weil sie an die Schlangen verfüttert wurden, andere, weil ich zu wild mit ihnen gespielt habe. Ich habe die in Autos gesetzt und Unfälle damit gebaut. Heute habe ich einen Hund. Welche Rasse? Natürlich ein Boxer.“
...sein erstes Auto: „Das war ein Peugeot 201, so ein kleiner Dreitürer. Den habe ich mir eine Woche nach der bestandenen Führerscheinprüfung gekauft. Mein nächstes Auto wird ein Ford S-Max, den ich von den Schwiegereltern übernehme. Ein großer Autofreak bin ich nicht, lieber mag ich Motorräder.“
...seine erste Niederlage: „Die war bei den Amateuren. Auch wenn es heißt, dass man aus Niederlagen viel lernen kann, hoffe ich doch, dass meine erste Niederlage bei den Profis auf sich warten lässt – oder am besten niemals kommt.“


