Der „Midtown Grill“ im „Marriott“ Hotel nahe dem Potsdamer Platz ist seit vielen Jahren eine Institution. Hier konnte man einst stolze 700-Gramm-Steaks bestellen und wurde dann sogar noch fotografiert. Jetzt hat das Restaurant zusammen mit Teilen des Erdgeschosses eine Renovierung bekommen, sowohl im sehr gelungenen Design, welches das Restaurant heller und freundlicher macht, wie auf der Karte.

Sonnabend

Genießen in Berlin

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Von der ebenfalls bereits renovierten Bar in der Lobby, wo noch Bauarbeiten hinter Sichtwänden laufen, geht es direkt in das großzügige Restaurant mit der offenen Showküche. Das Konzept orientiert sich jetzt stark an New Yorker Steakhäusern, und so gibt es nicht nur Steak, Steak und Steak, sondern auch ein starkes Seafood-Angebot.

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Midtown Grill
Christian Michel ist Executive Chef im „Marriott International“ am Potsdamer Platz und im dortigen „Midtown Grill“.© Marriott International | Steffen Sinzinger

Executive Chef Christian Michel legt besonderen Wert auf Qualität, aber auch Nachhaltigkeit. Der Lachs kommt von den Färöer Inseln, die Wildgarnelen aus dem Atlantik, das Schweinefleisch aus Spanien aus fairer Aufzucht ohne Antibiotika. In Reifeschränken in der „Fleischerei“ reifen riesige Rinderseiten, teils aus der Region, überschüssige Produkte würden häufig zu Hackfleisch verarbeitet oder in der „Chronobar“ sowie bei Meetings und Events verwendet. Wenig Müll, „low waste“, ist ein Muss. Ein mit Holzkohle betriebener X-Oven mit herausziehbaren Grillschubladen sorgt dafür, dass mehrere Gerichte bei variierenden Temperaturen gleichzeitig gegart werden können.

Eine Wucht zum Auftakt: Der Midtown Seafood Tower

Midtown Grill
Der Midtown Seafood Tower im "Midtown Grill" bietet absolute Köstlichkeiten und reicht für zwei Personen.© Marriott International | Dennis Scholz

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Bei einem Pressedinner führten Michel und seine Crew ihre Neuerungen vor. Köstlich schon mal das als Fingerfood gereichte Tatar zwischen zwei Sauerbrotteig-Chips, das genau richtig abgestimmt war. Analog zu New Yorker Steakhäusern gibt es jetzt ein opulentes Angebot an Meeresfrüchten. Überragend gut war der Midtown Seafood Tower, eine Etagère mit einem puristischen halben Hummer, Austern, süß-zarten Wildfanggarnelen, schlotzigem Thunfisch-Tatar, Königskrabbencocktail, einem geschmacklich nicht zu übertreffenden frisch-säuerlichen Meeresfrüchtesalat und Saiblingskaviar. Alles ausnehmend gut. Das Ganze reicht auch für zwei Personen, die 90 Euro sind da gut angelegt.

Midtown Grill
Ertrank etwas in der Sauce: Gegrillter Oktopus mit Sellerie, Fenchelsalat und Orangen-Madeira-Sauce im „Midtown Grill“. © Berliner Morgenpost | Alexander Uhl

So weit, so vielversprechend. Ab diesem Punkt schlichen sich aber immer wieder kleinere Fehlgriffe ein, auch beim Plating, das aber nicht viel mit dem zu tun hat, wie die Gänge wohl einem einzelnen Gast serviert werden, das muss man der Fairness halber sagen. Das begann mit dem perfekt gegarten, zarten Oktopus, der allerdings in einer tiefen Platte angerichtet wurde, in der die Orangen-Madeira-Sauce etwas zu reichlich angegossen war. Dazwischen ragte das Selleriepüree wie die Insel Lummerland mit ihren zwei Bergen aus dem Saucen-Ozean. Auch die Fenchelringe ließen in der Art der Drapierung etwas Feingefühl, geschweige denn eine Pinzette missen (20 Euro). Geschmacklich aber absolut lohnend, perfekt in der Konsistenz und aromatisch fein abgestimmt.

Die kalt servierten und bissfesten Holzkohle-Karotten mit aufgeschlagener Ricotta, karamellisierten Walnüssen und Chimichurri sorgten am Tisch für Zuspruch, sofern man auch alle Komponenten auf die Gabel nimmt, um ein rundes Geschmackserlebnis zu haben (13 Euro).

Midtown Grill
Holzkohle-Karotten, aufgeschlagener Ricotta, karamellisierte Walnüsse, Chimichurri.© Berliner Morgenpost | Alexander Uhl

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Der Sunday Roast konnte nicht überzeugen

Nach den großen Vorspeise-Platten kamen einzeln servierte Gänge, allerdings in kleinen Portionen, als sogenannte „Steak-Flights“, ein kluger Schachzug bei dem ganzen Eiweiß. Die Fotos sind allerdings deshalb auch etwas irreführend, denn auch hier sehen die normalerweise servierten Portionen natürlich anders aus, auch das sei der Fairness halber erwähnt. Zunächst ein NY Strip Steak vom Black Angus aus den USA (300 Gramm, 52 Euro), hier serviert mit grünem Spargel, (7 Euro), Sauce Bearnaise und Rotweinjus.

Midtown Grill
Kommt normalerweise als größere Portion: NY Strip Steak vom Black Angus aus den USA mit grünem Spargel, Sauce Bearnaise und Rotweinjus.© Berliner Morgenpost | Alexander Uhl

Sämtliche Steaks werden über Holzkohle gegrillt, in diesem Fall war es teils dem Feuer wohl etwas nahe gekommen, was leicht angekohlte Aromen mit hineinbrachte. Die Qualität stand aber ansonsten außer Frage. Die Bearnaise hatte ein leichtes Blauschimmel-Käsearoma, das sich niemand zu erklären wusste, auch nicht der Küchenchef, die Jus war dafür geschmacklich gut und zeigte gehobenen Standard.

Midtown Grill
Konnte nicht überzeugen: Sunday Roast mit Crème-Spinat und Pfeffergravy.© Berliner Morgenpost | Alexander Uhl

Eher unangenehm fiel der neu eingeführte und beworbene Sunday Roast auf. 30 Tage lang im Haus trockengereifter Rib Roast vom Schwarzbunten aus Norddeutschland mit Crème-Spinat und einer vornehm „Pfeffergravy“ genannten, aber dennoch ganz klassischen Sauce mit grünem Pfeffer, seit vielen Jahrzehnten ein beliebter Begleiter für Rindfleisch. Dem Fleisch fehlten trotz des Namens sämtliche Röststoffe, es war durchgängig rosa, ziemlich durchwachsen, wirkte teils fest und sehnig und geschmacklich wie gekocht. Es erinnerte eher an einen Tafelspitz als an ein Steak. Von einem „Roast“ war jedenfalls nichts zu spüren. Die Sauce war kräftig genug, um hier Akzente zu setzen, übertönte das Fleisch aber auch gekonnt. Ansonsten machte die auf der Karte angepriesene „Signature-Wochenendtradition“ auch mit dem gelungenen Creme-Spinat nur wenig Spaß und blieb auf manchen Tellern halb gegessen liegen (39 Euro inklusive einem Glas Wein).

Es gibt auch vegetarische Alternativen

Das für Vegetarier sicherlich interessante Pistazienrisotto mit wildem Brokkoli, grünem Spargel und Ricotta war angenehm im Biss, sonst aber geschmacklich ebenfalls recht unauffällig, der typische Pistaziengeschmack bildete sich erst beim Erkalten des Risotto aus (26 Euro).

MIdtown Grill
Aromenwucht: Die Rösti-Sticks mit Parmesan und Trüffel im „Midtown Grill“.© Berliner Morgenpost | Alexander Uhl

Ein geschmackliches Highlight dagegen die Rösti-Sticks mit Parmesan und Trüffel (als Beilage für 9 Euro). Das hatte richtig aromatischen Wumms, war aber auch sehr fettig, sodass der Frittiergeschmack etwas überwog. Eine kurze Ruhepause auf Küchenkrepp bei der Reise zwischen Fritteuse und Schälchen hätte den ohnehin schon hohen Suchtfaktor noch mal steigern können. Trotzdem eine Kreation, bei der man sich zwingen muss, mit dem Essen aufzuhören.

Mit dem Wagyu kommt das Vergnügen zurück auf den Teller

Midtown Grill
Der König der Steaks: Wagyu Picanha aus Bayern mit Austernpilzen und Midtown Steakhouse-Sauce im "Midtown Grill".© Berliner Morgenpost | Alexander Uhl

Schließlich noch das Luxusfleisch schlechthin: Wagyu, hier Picanha, also aus dem Tafelspitz-Stück geschnitten. Es stammt von Sepp Krätz von der Deutschen Wagyu Akademie in Bayern (35 Euro je 100 Gramm). Perfekt gegrillt kam hier das Vergnügen auf den Teller zurück. Begleitet wurde es von der Midtown Steaksauce, die aber bei einem solchen Fleisch wirklich überflüssig ist, kann sie mit ihren süß-rauchigen Aromen, die an Cola erinnerten, zumindest hier doch nur überdecken und nicht unbedingt begleiten. Für ein „normales“ Steak wäre sie aber sehr gut geeignet gewesen. Die Austernpilze daneben waren zu Stroh zusammengebraten und recht knusprig geraten, geschmacklich aber in Ordnung.

Auch hier gab es eine vegetarische Alternative dazu: Süßkartoffel, Mais, Koriander-Avocado-Püree, Fenchelsalat, Cashewnüsse, Tomatensugo. Das hatte Schärfe, Salz, leichte Süße und ist sicherlich als Hauptgang auch in einem Steakhaus geeignet, wenn auch das Eigenaroma der Süßkartoffel nicht ganz zur Geltung kam.

Köstliche Desserts und gut agierender Service

Midtown Grill
"Rote Grütze": Weiße Schokoladen-Panna-Cotta, geröstete Kokosnuss.© Berliner Morgenpost | Alexander Uhl

Bei den Desserts konnte die Patisserie des Hauses einmal richtig auftrumpfen. Die kleinen New York Cheesecakes mit Blaubeeren waren mit ihrer zitrischen Frische schlicht umwerfend, die weiße Schokoladen-Panna-Cotta mit roter Grütze und gerösteter Kokosnuss außerdem ein wirklich hübscher Einfall, dieses Mal auch im Anrichten (je 7 Euro).

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Die Weinkarte mäandert von Deutschland über Italien und Frankreich bis nach Spanien, Südafrika, Neuseeland und Argentinien und liegt preislich zwischen 39 Euro bis hin zu 102 Euro für eine Flasche. Viele Weine sind offen und starten bei 14 Euro das Glas (0,2 l). Nicht unerwähnt bleiben sollte der professionell und stets freundlich agierende Service, der mit viel Charme und gekonnt das halbvolle Restaurant und die an diesem Abend etwas besonderen Gäste managte.

Bleibt festzuhalten, dass das Erlebnis im neuen „Midtown Grill“ bislang medium-rare ist. Vor allem das Seafood überzeugt großflächig, bei manchen Gerichten bedarf es aber nach eigener Auffassung noch etwas mehr an Feingefühl, um ein den Preisen angemessenes Ergebnis auf dem Teller zu bieten.

Ebertstr. 3, 10117 Berlin, täglich ab 6.30 Uhr (Frühstück), wochentags Lunch, Dinner täglich ab 17 Uhr, Tel. 030 / 220 00 54 11, Mail: midtowngrill.berlin@marriott.com, https://www.midtown-grill.de/