Eigentlich kommt man ja am „Weihenstephaner Lichterfelde“ nicht vorbei. Wer den S-Bahnhof am richtigen Ausgang verlässt, der fällt praktisch in den lauschigen Biergarten mit den alten Linden- und Eichenbäumen. Dennoch ist der SB-Bereich an diesem Sonntag trotz besten Ausflugswetters eher leer, immerhin im Bedienbereich haben sich zwei Dutzend Gäste niedergelassen. Es ist eine idyllische Szenerie in der Großstadt, an die nur die direkt hinter dem Zaun vorbeifahrenden S-Bahnen erinnert.

Sonnabend
Genießen in Berlin
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Das „Weihenstephaner Lichterfelde“ hieß früher mal „Maria & Josef“, benannt nach den Eltern des ersten Wirts. Eine große Plakette verkündet, dass man sich hier in einer echten Weihenstephaner Bier-Botschaft befinde. Neben dem Biergarten gibt es zwei urgemütliche Gasträume mit Geweihen und Holzscheiten. Die Karte ist erfreulich übersichtlich, nicht so überladen wie in anderen bayerischen Restaurants, wo schon mal eine halbe Stunde mit der Lektüre vergeht.
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Die Küche konzentriert sich auf Klassiker, lässt aber auch die Berliner Currywurst nicht aus, die am Nebentisch mit ansehnlicher Länge als „Alm-Currywurst“ mit Pommes und Curry-Sauce serviert wird (13,50 Euro). Das kostet auch ein Paar Weißwürste mit einer „Brez‘n“. Ansonsten fühlt man sich sofort vertraut mit den Gerichten: Obazda (12,50 Euro), Wurstsalat (13,50 Euro), Käsespätzle (16,50 Euro), Schweinebraten mit Krautsalat und Kartoffelkloß (20,90 Euro) oder auch Schnitzelteller „Jäger Art“ mit zwei gebratenen Schweineschnitzeln Natur mit Pilzrahm und Pommes frites (22,50 Euro). Einen guten Eindruck macht auch der an einen anderen Nebentisch gebrachte gebratene Leberkäse mit Spiegeleiern auf Kartoffel-Gurkensalat (18,50 Euro).
Der SB-Bereich bietet vor allem Semmeln mit diversen Füllungen: Bratwurst (6,50 Euro), Leberkäs (7,50 Euro) oder Brez‘n mit Wurstsalat (12,50 Euro), Obazda (10,50 Euro) oder auch Käsekrainer im Brötchen (7,50 Euro).

Die Entscheidung fällt nach reiflicher Überlegung für zwei Klassiker, die nicht ohne Risiko für die Küche (und damit letztendlich auch für den Gast) sind: Haxe auf Sauerkraut mit Weihenstephaner Schwarzbiersoße und Kartoffelstampf (20,90 Euro) sowie Backhendl mit Kartoffel-Gurken-Salat (17,50 Euro). Dazu zwei Weihenstephaner Festbiere „Brauereiabfüllung“ (0,3 l für 4,20, 0,5 l 6 Euro, die Maß 10,90 Euro). Daneben gibt es noch Hefeweizen, Helles, Kellerbier und ein bayrisches Dunkel. Weinliebhaber müssen auf namenlose Hausweine zurückgreifen.

Haxen sind nicht ohne Tücken, häufig ist die Kruste verbrannt bis verkohlt oder gummiartig und zäh, das Fleisch trocken und faserig, die Soße aus Pulver gezogen. Die erste Überraschung: Die Kruste ist krachend kross, nicht verbrannt, sondern genau richtig. Das Fleisch darunter präsentiert sich saftig und butterzart, es fällt regelrecht vom Knochen. Die nächste Überraschung: Das Sauerkraut ist eindeutig selbst gemacht, es ist nicht süß, sondern wirklich sauer abgeschmeckt, Nelken und Wacholder deuten auf die Hausmacher Herstellung hin. Der dritte Augenöffner: Das Kartoffelpüree ist ganz offensichtlich selbst gestampft, es hat einen wunderbar buttrigen Geschmack, kleine Stückchen zeugen vom Handwerk. Von gleicher Güte ist die in richtiger Menge bemessene dunkle Soße, da sucht man Convenience vergebens, wie auch die stets freundlich, zuverlässig und flink agierende Servicekraft im Dirndl bestätigt.
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Auch die Begleitung ist mit ihrem krossen und innen schmelzend zarten Backhendl sowie dem schlotzig erfrischenden Kartoffelsalat mehr als zufrieden. Die Portionen sind absolut auskömmlich und sättigend, ohne aber zu überfordern. Einziges winzig kleines Manko: Senf, Ketchup und Mayo gibt es aus kleinen Plastiktütchen. Das ist nicht nachhaltig, und der Bautz‘ner Senf kann weder in Sachen Authentizität noch Geschmack überzeugen. Das bleibt aber Jammern auf sehr hohem Niveau.
Weihenstephaner Lichterfelde, Hans-Sachs-Str. 5, 12205 Berlin, Mo-Fr., 15 bis 22 Uhr, Sa/So, 12 bis 22 Uhr, Tel: 030 756 331 02, www.weihenstephaner-lichterfelde.de/






