Marco Gianni flitzt durch den stylishen Gastraum, schaltet die Lampen auf den Tischen an, kontrolliert die Bar, nimmt sich Zeit für den ausgefallenen Motivwunsch des Fotografen im Untergeschoss, ist im Büro und in der Küche zugange. Die Popcorn-Maschine springt an, das Poppen ist das Zeichen, dass es losgehen kann in der Weinbar „Glasweise“ an der Taubenstraße in Mitte, denn jeder Tisch bekommt ein Tütchen.

Sonnabend

Genießen in Berlin

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Marco Gianni, einst Sommelier im „Bocca di Bacco“ hat das „Glasweise“ verlegt, von der Reichenberger Straße in Kreuzberg in die Nähe des Gendarmenmarkts. Dort wollte er immer schon hin, zumindest nach Mitte, doch damals, als er seine eigene Weinbar öffnete, hatte das zunächst nicht funktioniert. Jetzt ist der Traum jedoch in Erfüllung gegangen, direkt gegenüber von der „Brasserie am Gendarmenmarkt“, wo Gianni ausgesuchte Weine und Cocktails sowie kleine Gerichte serviert, ein perfektes Konzept für ein Morgenpost-Tasting.

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Tasting Glasweise Weinbar
Spritziger Auftakt: Grüner Veltliner „Carnuntum“ mit Edamame. © FUNKE Foto Services | Sergej Glanze

Der erste Wein ist ein 2023er Grüner Veltliner „Carnuntum“ vom Weingut Markowitsch in Österreich. Der ist ein typischer Vertreter seiner Art mit einem frischen Duft, in dem etwas roter Apfel mitschwingt und spritziger Säure auf der Zunge sowie einem sehr trocken wirkenden Nachhall, in dem etwas Gras und leicht bittere Kräuter mitschwingen.

Gianni serviert dazu typisches Barfood, allerdings typisch für Japan, wo sie in keinem Izakaya fehlen dürfen: Edamame, grüne Sojabohnen in der Schale, heiß und mit Meersalz überknuspert. Wer damit noch nicht zu tun hatte: Gegessen werden nur die Bohnen, die Schote selbst ist faserig und ungenießbar. Um an die Bohnen heranzukommen, kann man sie theoretisch aus der Schale fummeln, was aber in nassen Fingern mündet, oder es wie die Japaner machen: die Bohnen mit den Zähnen herauszutzeln, sodass man auch in den Genuss des Salzes kommt, ohne sich die Finger schmutzig zu machen. Der frische, fein salzige Geschmack der grünen Bohnen spielen perfekt dem Wein zu, Edamame und Grüner Veltliner sind offenbar echte Kumpels, die sich prächtig verstehen.

Tasting Glasweise Weinbar
Rosè und Aubergine: der Rosato von Omina Romana, begleitet von Parmigianine.© FUNKE Foto Services | Sergej Glanze

Es folgt ein ungewöhnlicher Rosé von Omina Romana aus Lazio, der Heimat von Marco Gianni. Ungewöhnlich ist der Rosato aus dem Jahr 2022, weil er aus der Merlot-Traube gewonnen wird, die eigentlich typisch für Bordeaux-Weine ist. Wer es noch nicht wusste: Rosés entstehen mitnichten aus der Vermischung von Rot- und Weißweinen, ein weit verbreiteter Irrglaube, sondern indem rote Trauben mit der Weißwein-Methode gekeltert werden, also so gut wie nicht auf den Schalen verbleiben.

Der Wein duftet ganz klar nach reifen Erdbeeren, eine hübsche Reminiszenz an den vergangenen Sommer, auch auf der Zunge meldet sie sich, vor allem im Nachhall ist sie sehr präsent. Begleitet wird das von „Parmigianine”, das sind panierte Auberginen-Bällchen, gefüllt mit Tomate und Mozzarella. Das ist Italien pur, die Bällchen sind heiß, wunderbar kauig mit dem klassischen Frittieraroma, dem man nie widerstehen kann. Sie setzen der Erdbeere des Weins Salz und Bitterstoffe entgegen, der Rosé bekommt dazu wiederum die Säure, lässt von den Erdbeeren etwas ab und wird ernster. Die Bällchen neutralisieren dazu wieder, ein schönes Wechselspiel.

Tasting Glasweise Weinbar
Alkoholfreier Riesling mit Ingwer und Bitterorangenschale, dazu gegrillte Hähnchenspieße mit Erdnussdip.© FUNKE Foto Services | Sergej Glanze

Ebenfalls ungewöhnlich ist das dritte Getränk. Es handelt sich um einen Riesling-“Sekt“ von Valkenberg aus Rheinhessen. Allerdings ist dieser alkoholfrei. Weniger Alkohol zu trinken oder sogar ganz darauf zu verzichten, ist seit Jahren ein Trend. Leider ist aber Alkohol auch ein Geschmacksträger, ebenso wie Fett, und so fehlt vielen alkoholfreien Weinvarianten der geschmackliche „Bumms“, so mancher schmeckt wie Traubensaft. Hier haben die Winzer das geschickt gelöst, indem sie den alkoholfreien Sekt mit Auszügen von Ingwer und Bitterorangenschale versetzt haben. Das klingt wie Limonade, hat aber damit nichts zu tun. Ingwer und Orange sind natürlich in Nase und Mund präsent, bilden aber eine angenehme Kombination mit nur leichter Süße und Frucht und Holz im Nachhall. Das ist auch ohne Alkohol tief und würzig und eine echte Alternative.

Begleitet wird das von einer Art Saté-Spießen, also gegrillten Hähnchenspießen mit Erdnussdip. Die sind salzig und zart, die Soße bringt Süße hinzu. Der Sekt passt mit seinen Ingwer-Aromen perfekt zu diesem asiatischen Ausflug, bei dem der Ernduss-Dip jetzt auch noch zitronige Noten addiert, so dass sich alles perfekt zusammenfügt.

Tasting Glasweise Weinbar
Roter Vermouth von Giuseppe Giusti und 48 Monate gereifter Parmesan mit Aceto Balsamico: ein aromatisches Highlight. © FUNKE Foto Services | Sergej Glanze

Außergewöhnlich geht es weiter. Roten Vermouth kennen die meisten nur von einer Marke: Martini. Als Martini Rosso ist er ein Aperitif, der eher süß und schlabberig daherkommt. Fortgeschrittene Barkeeper setzen für ihre Kreationen eher auf „Antica Formula“. Doch Gianni geht noch einen Schritt weiter. Er serviert einen roten Vermouth von Giuseppe Giusti. Die Firma ist vor allem für ihren Aceto Balsamico di Modena bekannt, doch es gibt auch diesen mit 19 Kräutern versetzten Wein, dem zudem „Saba“ beigegeben wird, das ist der Balsamessig vor der Fassreifung. Danach lagert der Vermouth vier Monate in einem Holzfass, in dem vorher der Essig reifte.

Das Ergebnis ist schlicht überwältigend. Schon in der Nase melden sich Düfte von Kirsche und Kräutern, das ist unfassbar komplex. Im Mund flutet dann die Kirsche die Sinne, dazu kommen Holz, etwas Bitterkeit vom Wermutkraut, viel Tiefgründigkeit. Das beschäftigt, das macht wach, belebt und ist sehr dicht.

Dazu kann man nur etwas servieren, was dem auch etwas entgegenzusetzen hat. Gianni löst das ganz schlicht, aber auch mit viel Finesse. Er bringt vier Jahre gereiften Parmigiano Reggiano, beträufelt natürlich mit altem Aceto Balsamico „Banda Rossa“ von Giusti. Der powert jetzt mit Salz, die Struktur ist durch das Alter leicht kristallin, der Balsamico gibt Süße dazu, aber kaum Säure. Der Vermouth wird dazu ebenfalls süßer, bleibt aber sehr dicht und unglaublich gut. Das ist nichts für Anfänger in seiner Stärke und Komplexität, aber wer sich darauf einlässt, bekommt viel zu schmecken und viel Gesprächsstoff.

Tasting Glasweise Weinbar
Macarons begleiten den Beaujolais aus dem Burgund. © FUNKE Foto Services | Sergej Glanze

Ganz entspannt wird dafür der Abschluss des Morgenpost-Tastings: Gianni serviert keinen Süßwein, sondern einen 2022er Beaujolais-Villages von der Maison Joseph Drouhin aus dem Burgund. Auch der hat diese typischen Beaujolais-Aromen, ist leicht und verspielt auf der Zunge, etwas luftig, vor allem im Vergleich zu seinem Vorgänger mit etwas Kirsche und frischer Säure. Dazu kommt ein Trendgebäck: Macarons, mandelig, cremig und süß mit Kaffeegeschmack der eine, mit Haselnuss der andere. Jetzt wird der Wein erst richtig schön, nimmt die Süße mit, stützt sich auf sie und wird ganz samtig, ein toller Ausklang im „Glasweise“ in Mitte.

So können Sie das Morgenpost-Tasting reservieren:

Drei Weine, einen Vermouth und einen alkoholfreien Riesling gibt es vom 10. bis zum 30. Dezember Di., Mi. und Do. ab 17 Uhr, Fr./Sa. ab 18 Uhr, in der Weinbar „Glasweise“, Taubenstraße 20, 10117 Berlin-Mitte für 55,90 Euro pro Person. Reservierungen unter: Tel. 030 / 34 39 15 52, per Mail: info@glasweiseweinbar.de oder online auf https://glasweiseweinbar.de/ und nur, so lange die Plätze reichen.

Gewinnen Sie einmal zwei Morgenpost-Tastings!

Wir verlosen 1 x 2 Morgenpost-Tastings in der „Glasweise Weinbar Mitte“. Kennwort: Morgenpost-Tasting. Bitte nehmen Sie am Samstag, 7.12.24 oder Sonntag, 8.12.24 unter Tel. 01378 / 904529 teil. Die Hotline ist bis Sonntag, 8.12.2024, 23.59 Uhr geschaltet. (Dieser Anruf kostet 50 Cent aus allen deutschen Netzen).

Teilnahmeberechtigt sind Abonnenten der FUNKE Medien Berlin GmbH ab 18 Jahre. Mitarbeiter von Unternehmen der FUNKE Mediengruppe sowie deren Familienangehörige sind von der Teilnahme ausgeschlossen. Der Rechtsweg und die Barauszahlung sowie Ersatzansprüche sind ausgeschlossen.

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