Etwas versteckt liegt das Hotel „SO/ Berlin – Das Stue“ im Diplomatenviertel in Tiergarten. Die ehemalige Königlich Dänische Gesandtschaft wurde zu einem Luxushotel umgebaut und mit modernen Anbauten versehen. Das Besondere an dem Hotel ist nicht nur sein „hyggeliger“ Charme, sondern dass es auch direkt an den Zoo Berlin grenzt, an das Gelände, wo unter anderem die Kängurus beheimatet sind.

Sonnabend
Genießen in Berlin
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Hier, im Restaurant „The Casual“, empfangen Küchenchef Alessio Landi und Restaurantleiter Michael Dankwart in moderner, aber zwangloser Atmosphäre die Morgenpost-Leserinnen und -Leser im Januar zum Morgenpost-Menü. Landi, der aus Neapel stammt, hat dafür fünf italienische Gänge kreiert, in denen die puren Aromen der einzelnen Komponenten im Vordergrund stehen.

Den Auftakt bildet ein Rindercarpaccio mit Pilzen und fermentiertem Senf. „Carpaccio ist in Italien normalerweise sehr schlicht. Essig, Zitrone, Öl und Pfeffer“, erläutert Landi. Er hat seine Version mit Pilzen kombiniert, weil die gerade Saison haben. Verfeinert hat er es mit Senfkörnern, die im Haus zwei Wochen lang fermentiert werden. „Die geben den Crunch und die Säure für ein echtes Carpaccio hinzu“, so Landi, der betont, dass bei ihm in der Küche keine Fertigprodukte verwendet würden. „Wir kaufen nichts ein“, sagt er stolz.
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Dankwart schenkt dazu einen 2019er Petit Blanc vom Weingut Langen Erben an der Mosel aus. „Bei mir ist der Berliner Hintergrund unverkennbar“, sagt Dankwart mit tatsächlich unverkennbarem Akzent, „aber der junge Mann in der Küche kommt aus Neapel, deshalb haben wir uns für eine deutsch-italienische Kombination bei den Getränken entschieden.“ Der Wein ist eine ungewöhnliche Cuvée aus Riesling, Weißburgunder und Müller Thurgau. Da ist viel Holz und Crème in der Nase, was sich auf der Zunge fortsetzt. Dann schiebt der Wein ordentlich Säure nach vorne, aber ohne spitz zu werden, die Crémigkeit fängt das auf, bevor jetzt Zitrus einsetzt und lange nachhallt. Beim zweiten Schluck kommt auch etwas Süße hinzu.
Vom Teller steigen derweil Pilzdüfte auf, die sind zart und bringen dem Rindfleisch zusätzlich Umami und ölige Noten. Das Fleisch ist hauchdünn geschnitten und schmilzt auf der Zunge, die fermentierten Senfkörner bringen die versprochene Säure, etwas Schärfe und einen ploppenden Effekt dazu. Das sind ganz reine und pure Aromen, etwas Petersilienöl lockert das Ganze noch etwas auf.
Der Wein spielt dazu noch stärker auf der frischeren Seite, das Holz findet sich nur noch in der Nase, auf der Zunge dominiert die Cremigkeit, gefolgt von der Zitrusnote, die an Yuzu erinnert. Die Senfkörner bringen jetzt auch noch etwas Süße dazu. Das ist Carpaccio ganz anders als gewohnt, kein pappiges Öl, kein überbordender Parmesan, keine fettige Mayo, keine spitze Zitrone. Hier steht alles auf dem Teller für sich und bildet doch ein harmonisches Ganzes. Alles lässt sich einzeln und transparent herausschmecken.

Mit einer Linsensuppe geht es weiter, und zwar aus umbrischen Linsen. Dankwart fiel die Wahl für das begleitende Getränk nicht leicht. Entschieden hat er sich schließlich für ein Bier, allerdings nicht irgendeins. Es stammt von der kleinen Berliner Brauerei Berliner Berg und ist ein sogenanntes Berliner Rotes. „Das hat eigentlich eine urlange Tradition“, erklärt Dankwart. „Es handelt sich um ein Lagerbier mit etwas höherem Malzanteil.“ Gebraut hätte man hier ein klassisches Berliner Bier, wie es vor 150 Jahren in den Biergärten Usus war. Eigentlich wollte ihm die Brauerei das Bier im Fass liefern, er hat sie aber beschwatzt, das auf Flaschen zu ziehen, sodass es direkt am Tisch eingegossen werden kann.
Tatsächlich ist das rote Bier leicht malzig, süffig und etwas süß im Nachhall. Da sind kaum Bitterstoffe vom Hopfen, dafür wirkt es sehr fruchtig, blumig, erfrischend und sommerlich.
Die Linsensuppe ist für die deutsche Zunge erst einmal ungewohnt. Wer derbes Aroma, Schälchen mit Essig, Zucker und Senf erwartet, unterliegt einem Irrtum. Landi hat die Linsensuppe auf italienische Art gemacht, ohne Knacker oder Bauchfleisch. Das hier ist sehr fein im Geschmack, die Suppe wurde mit selbst hergestelltem Lorbeeröl versetzt, was auch vorherrschend auf der Zunge ist und ans Mittelmeer katapultiert. Das urdeutsche Gericht wird hier mediterran und sehr vielschichtig. Für Würze sorgen noch Frühlingszwiebeln.
Das Bier wird dazu fruchtiger und herber zugleich, sehr erfrischend im Zusammenspiel mit der Suppe. Zugleich macht es die Geschmackssinne wieder frei, sodass der Lorbeerduft sich wie beim ersten Bissen entfalten kann. Lassen Sie sich übrigens durch den riesigen Teller nicht täuschen, der wohl noch aus den Beständen des Sternevorgängers „Cinco by Paco Pérez“ stammt, das hier residierte. Die Suppenportion verschwindet etwas inmitten der riesigen „Fahne“, wie der Tellerrand fachmännisch genannt wird, klein ist sie aber beileibe nicht.

Nach diesem geschmacklich sehr transparenten Gang folgt jetzt ein mediterraner Kracher. Landi serviert Calamarata Pasta. „Ich stamme aus Neapel, und wir Italiener lieben Seafood“, sagt Landi. „Ich mag die Konsistenz im Oktopus-Ragout, es ist fast wie ein Fleischragout.“ Dazu bringt Dankwart einen klassischen Vernaccia di San Gimignano aus der Toskana. „Ein magischer Ort“, wie der Restaurantleiter versonnen hinzufügt. Hier ist es ein 2022er vom Weingut Teruzzi. Der hat in der Nase sehr viel Stein, der Duft erinnert an nassen Schiefer, der in der Sonne trocknet. Auf der Zunge kommen Exotik und Frucht zum Tragen. Birne, Steinobst oder sehr süßer roter Apfel melden sich.
Die Pasta setzt dann einen wuchtigen Akzent. Thymian, Estragon, dazu das Oktopus-Aroma, Tomatensugo, das ist herzhaft und doch fein und liefert den Moment, den man im kalten Deutschland bei italienischem Essen sehnsüchtig, aber meist vergeblich sucht, den Capri-Moment, bei dem das blaue Meer unter gleißender Sonne vor dem inneren Auge erscheint. Abgerundet wird das Ganze durch Dill und ist wirklich ganz stark zum Wohlfühlen. Der Wein bringt jetzt mehr Säure und Pfeffer, was es auch braucht, um sich da noch durchzusetzen. Wer sich übrigens Sorgen macht, dass er jetzt lange Tentakel auf dem Teller vorfindet, kann beruhigt sein, Landi hat den Oktopus zu Kügelchen geformt. Das ist Mittelmeer, wie es besser kaum sein kann.

Mit einer Hühnerbrust, Kohl und Rosmarinkartoffel kommt der Hauptgang. Die Hühnerbrust wird so lange gegart, bis am Knochen eine Temperatur von 68 Grad herrscht. Dann darf das Fleisch noch mal „entspannen“, bevor es unter dem Oberhitzegrill, einem sogenannten Salamander, finalisiert wird.
Dankwart kombiniert hier einen 2022er Primitivo von Fantini in Apulien. Der geriert sich wie ein Spätburgunder, mit viel Kirsche und Frucht in der Nase. Auch im Mund verbreitet er eher eine fruchtige Süße, wirkt erst leicht und frisch, um dann aber mit viel Muskelkraft nach vorne zu dringen. Da steckt viel Kraft drin. Kräuter, Salz und Gewürze schwingen jetzt mit.
Das Huhn ist außen kross und innen zart. Der Kohl mit seinem klassischen Aroma bringt Salz hinein und passt gut dazu, das ist sehr ausgewogen, klar in der Aromatik und nicht kompliziert. Der mediterrane Touch kommt hier durch den Rosmarin. Beim Wein schieben jetzt die Tannine nach vorne, die Kirsche ist immer noch da, aber der Wein stellt sich mehr auf die maskuline Seite, jetzt zeigt sich erst recht, dass er ein ganzer Kerl ist. Huhn, Kartoffeln, Kohl, Wein, das ist wieder eine sehr ausgewogene Mischung, leicht verständlich und mit Spaßfaktor.

Ein ganz besonderes Tiramisu, großer Klassiker in den meisten italienischen Restaurants, serviert Landi zum Abschluss. „Das ist meine Idee von Tiramisu“, sagt er dazu. Statt schwerer Sahne benutzt er fast ausschließlich Mascarpone-Creme, die Biskuit-Stäbchen, die das Fundament eines jeden „Zieh-mich-rüber“, so die deutsche Übersetzung, bilden, sind Savoiardi, natürlich selbst gemacht. Wieder betont er: „Ich stamme aus Neapel, das heißt, wir lieben es, Kaffee mit Haselnuss zu trinken.“ Das hat er reproduziert, indem er Haselnusscrème auf das Tiramisu getan hat. Kakao-Crumble komme noch oben drüber. Der Espresso wird direkt am Tisch angegossen, sodass der Biskuit sich nur am Rand vollsaugt. „Für mich ist das die beste Art“, so Landi weiter. „Ich mag es nicht, wenn der Kaffee gleich dazugegeben wird und sich alles vollsaugt. Das ist immer noch ein einfaches Tiramisu, aber sobald Sie es probieren, ist da der Kick. Das ist genau auf den Punkt.“
Der erste Biss überrascht, denn da der Kaffee nur den Rand durchtränkt hat, ist das Tiramisu erst einmal deutlich bitter. Das ist doch mal was ganz anderes, macht wach und räumt auf. Erst zur Mitte hin, wird es immer süßer, weil der Kaffee nicht bis dahin vorgedrungen ist. Dazu kommt das erdige Haselnuss-Aroma.
Die Begleitung ist kein Wein, sondern ein Cocktail namens „Italian Liquid by Dragos“ und enthält Kaffeelikör, roten Vermouth, Grappa und Milch. Dieser Drink ist ein Gigolo, ein Papagallo, um in Italien zu bleiben. Er geriert sich erst süß, stark und verführerisch und zeigt dann seine ganze Kraft. Da ist Bitterkeit dabei, Florales vom Antica Formula Vermouth und Süße. Der Grappa sorgt für die Umdrehungen. Das Tiramisu hält kraftvoll dagegen, sodass sich ein schönes Spiel aus Süße und Bitterkeit ergibt. Das ist Sommer im Januar, weckt Vorfreude auf den Frühling und das Dolce Vita. Alles zusammen ist leicht, liegt nicht schwer im Magen, bildet aber einen sehr zufriedenstellenden Abschluss für dieses Morgenpost-Menü.,
So können Sie das Morgenpost-Menü im „The Casual“ reservieren
Fünf Gänge, drei Weine, ein Bier und einen Cocktail gibt es vom 1. bis zum 31. Januar täglich ab 18 Uhr im Restaurant „The Casual“ im Hotel „SO/ Berlin Das Stue“, Drakestraße 1, 10787 Berlin für 79,90 Euro pro Person. Reservierungen unter Tel. 030/311 722 0 oder per Mail unter: restaurant@das-stue.com und nur, so lange die Plätze reichen.






