Wie kommt man vom Elektropop zu argentinischem Biorindfleisch und edlen Kreszenzen? Vielleicht indem man Individual-Anarchist ist. Wie Dieter Meier, der nicht nur mit der Elektro-Gruppe Yello bekannt wurde, sondern auch als documenta-Künstler, Filmmusikproduzent, Uhrendesigner, als Investor und nicht zuletzt als Gastronom. Laut Wikipedia gehört ihm eine argentinische Hacienda mit tausenden Rindern und ein Weingut.
Seit anderthalb Jahren bietet das im französischen Bistrostil eingerichtet „Ojo de Agua“ Meiers Fleisch und Weine aus Argentinien an. Wine & Beef Kontor heißt es im Untertitel, Filialen gibt es in Buenos Aires, Zürich und Frankfurt am Main. Elektro läuft hier nicht, eher Tango. Die sehr stilvoll mit Mosaikfliesenboden, weinroten Vorhängen und dunklen Holzpaneelen eingerichtete 40 Sitzplätze-Lokalität ist eher etwas für betuchte Gäste. Das erkennt man nicht nur an Kleidung, Uhren und Fahrzeugen der Klientel, sondern auch, wenn man die Getränkekarte liest. Die fünf oder 6,50 Euro pro Glas sind nicht etwa für 0,2l. Nein, so viel kosten 0,1l! Dafür lässt der perfekte Kellner aber auch problemlos drei Weine probieren. Alle fulminant. Genommen wurde ein Bio Cabernet Sauvignon.
Abends gibt es kleine feine Vorspeisen und bestes Estancia-Fleisch von Meiers Hacienda. Mittags wird unter der Woche ein Angebot gemacht, das in dieser Lage kaum abzulehnen ist. Für 12,90 Euro stehen eine Tagessuppe, ein Hauptgericht und ein Espresso auf der Karte. Etwa eine formidable, würzig-sämige Tomatensuppe mit Rosmarinzweig. Anschließend eines der besten Rindertartars der vergangenen Jahre. Auf frischem Bäckermann-Sauerteigbrot, dazu den Cabernet Sauvignon, schlicht ein Gedicht.
Ojo de Agua Ludwigkirchstraße 10A, Wilmersdorf, Tel. 88 62 56 14, täglich 11-15 und 18-23 Uhr, www.ojodeagua.de
fmr





