Ein Winterdienstfahrzeug kracht in einen voll beladenen Bus mit Passagieren, die zu ihrem Flugzeug gebracht werden sollten. Ein zweiter Bus, der sich direkt hinter dem ersten befindet, kann noch rechtzeitig stoppen. Auf einmal stürmen Menschen nach draußen, es sind Schreie zu hören – die Notfallübung am Flughafen Berlin Brandenburg Willy Brandt (BER) beginnt.
Als die Flughafenfeuerwehr eintrifft, liegen viele Menschen auf dem Boden, krümmen sich vor Schmerz, einige sind mit roter Farbe bemalt, um schwere Verletzungen zu verdeutlichen. Die Einsatzkräfte eilen mit Sirene und Blaulicht sofort herbei, merken aber schnell, dass Verstärkung nachgeordert werden muss. Es droht nämlich auch Flüssigkeit aus dem beschädigten Fahrzeug zu laufen.
Einige Zeit später sind 180 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Polizei damit beschäftigt, die knapp 120 Menschen zu versorgen und einzusammeln – einige sind vor lauter Panik weggerannt. Das anfängliche Chaos wirkt schnell unter Kontrolle, als die Verstärkung eintrifft. „Das hat aber nach meiner Wahrnehmung zu lange gedauert“, sagt Stephan Loge (SPD), Landrat des Landkreises Dahme-Spreewald. Als Leiter des Katastrophenschutzes hat er an dem Notfallkonzept mitgewirkt und schaut sich vor Ort an, ob das Geschriebene auch auf die Realität übertragbar ist. Er ist dafür mitverantwortlich, dass alles passt – von der Schnelligkeit der ersten Einsatzkräfte am Ort, über das Ordern weiterer Kräfte, die Verpflegung der Rettungskräfte und Verletzten, die Krankenhausbelegung bis zur Notfallseelsorge.
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Flughafen BER: Alle zwei Jahre gibt es eine große Notfallübung
„Sobald jemand den Notruf wählt, wird eine Alarmkette in Gang gesetzt und die Flughafenfeuerwehr rückt aus. Der Einsatzleiter macht sich ein Bild und wenn er merkt, dass er Verstärkung braucht, ruft er die Leitstelle in Cottbus an, die dann weitere Kräfte entsendet“, erklärt Stephan Loge. In diesem Fall war es ein Massenanfall mit Verletzten. Das habe anscheinend aber zu lange gedauert. 15 Minuten seien dafür vorgegeben, dann müssten die Rettungskräfte vor Ort sein. Ist ein Flugzeug involviert, bleiben den Einsatzkräften der Flughafenfeuerwehr sogar nur drei Minuten. „Dafür üben wir das ja hier. Im Nachgang werden wir schauen, woran es gelegen hat.“
Es ist die erste große Notfallübung nach den europäischen Maßstäben der Flugsicherung am BER. Alle zwei Jahre soll eine derart große Übung stattfinden, jedes Jahr eine kleinere. Die Komparsen werden dafür nur grob geschult, um das Szenario so realistisch wie möglich zu halten. Und die machen ihren Job gut: Einige pöbeln die Rettungskräfte an, sind wütend, weil sie ihren Urlaub nicht antreten können. Andere kommen den Helfern mit ihren Mobiltelefonen so nah, dass sie die Arbeit von Feuerwehr und Polizei behindern – ein Polizist hat Mühe eine Frau von einem der Verletzten fernzuhalten. Währenddessen muss der Fahrer des Winterdienstfahrzeugs sehr aufwendig von mehreren Einsatzkräften aus seiner Kabine mit einer Trage geborgen werden.
Notfallübung am BER: An einigen Stellschrauben müssen im Nachgang gedreht werden
„In erster Linie geht es hier um das Zusammenspiel aller Rettungskräfte“, sagt Andreas Klupsch, Leiter der Flughafenfeuerwehr. Bei den circa 60 Verletzten, von denen einige es schwer getroffen hat, kein einfaches Unterfangen. Auch Seelsorger werden schnell hinzugezogen. Aber auch Andreas Klupsch fällt etwas auf: „Das Konzept an sich geht auf, aber wieso stehen die Menschen noch hier?“ Er zeigt auf eine Traube Passagiere in einiger Entfernung vom Unfallgeschehen, die gar nicht verletzt ist. „Normalerweise müssten die schon längst abgeholt worden und ins Gebäude gebracht worden sein. Was ist, wenn wir fünf Grad haben und es regnet?“ Zum Glück sei es nur eine Übung, an den Stellschrauben werde jetzt gedreht.
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