Erstflug zum Flughafen

Jungfernflug: Mit Plan B zur BER-Eröffnung

Unser Reporter war an Bord der ersten Lufthansa-Maschine zum Flughafen BER. Und so war der Flug.

Der Lufthansa-Erstflug LH2020 kurz nach der Landung am neuen Hauptstadtairport BER.

Der Lufthansa-Erstflug LH2020 kurz nach der Landung am neuen Hauptstadtairport BER.

Foto: Michael Kappeler / dpa

München/Schönefeld. Bei LH2020 läuft alles nach Plan, bis Pilot Peter Etzrodt in seinem Cockpit um 13.20 Uhr zum Mikrofon greift. „Nach intensivem Austausch ist es leider nicht möglich, den geplanten Parallelanflug zu machen bei diesem Wetter“, sagt ein etwas zerknirscht klingender Kapitän des Lufthansa-Erstflugs zum neuen Hauptstadt-Airport BER. Passagiere, die einen Blick nach links und rechts durch die Fenster wagen, mögen sich wundern.

Hier über den Wolken ist gewissermaßen bestes Festtagswetter. Einige Tausende Meter weiter unter allerdings, ist die Stimmung wolkenverhangen. Etzrodt hat sich mit seinem aus Tegel anfliegenden Easyjet-Kollegen deshalb gegen das Eröffnungsmanöver, bei dem beide Maschinen zeitgleich auf den Landebahnen aufsetzen sollten, entschieden.

Zuvor an Gate G30 im Terminal zwei des Münchner Franz-Josef-Strauss-Airport hatte der erfahrene Flugkapitän noch von der geplanten Parallellandung geschwärmt. Etzrodt stand mit seiner Mütze und der Pilotenuniform vor Journalisten und Vielfliegern und beantwortete Fragen zum BER-Erstflug der Kranich-Airline. Vorstandschef Carsten Spohr lauschte aus der Entfernung. Ob seine Arbeit nun schwieriger sei, weil das ganze Land zugucke?

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Etzrodt lächelte. Wissen Sie, sagte er dann, das sei so ähnlich wie bei einem Tanzkurs. Den Walzer könne man mit seiner Frau wohl auch am besten im eigenen Wohnzimmer tanzen und nicht unter den Augen der ganzen Welt. „Aber ich sehe das als positive Herausforderung. Ich bin ganz optimistisch“, sagte Etzrodt, der gebürtiger Brandenburger ist und auch viele Jahre lang in Berlin wohnte.

Lufthansa-Maschine ist zu früh dran

Während des pünktlich um 12.50 Uhr in München gestarteten Flugs lässt sich der Pilot von dem wenig feierlichen Wetter in Schönefeld aber nicht die Laune verderben. Zwanzig Minuten vor der geplanten Landung meldet er sich wieder über die Bordlautsprecher.

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„Wir warten jetzt hier, bis der BER fertig ist“, sagt Etzrodt, um eine Sekunde später nachzuschieben, dass das natürlich nur ein Scherz gewesen sein. Vielleicht muss dass sein, wenn man bedenkt, dass der Hauptstadt-Flughafen ursprünglich mal im November 2011 seine Tore öffnen sollte. Der Pilot aber wollte seinen Passagieren eigentlich nur mitteilen, dass man etwas früh dran sein. Der BER erwarte die Maschine um 14 Uhr, deswegen kreise man jetzt hier über Fürstenwalde.

Matthias Lesch stört das wenig. Der Vielflieger hat in der elften Reise des Airbus A320 neo Platz genommen. Lesch, 39 Jahre alt, Werbefachmann aus Berlin, ist einer von 70 Fluggästen an Bord. Die Maschine ist coronabedingt nur zur Hälfte besetzt. Neben Statuskunden sitzen ein paar Vorstände in den ersten Reihen, auch Journalisten sind auf dem Erstflug zum BER dabei. Lesch ist vor der Corona-Krise mindestens einmal in der Woche auf der Kurzstrecke geflogen, hinzu kam pro Monat ein Langstreckenflug.

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Im vergangenen Jahr sammelte er so 300.000 Meilen an. Einen Teil davon hat er nun ausgegeben, um beim Erstflug zum BER dabei zu sein. „Schön, dass mitzuerleben“, sagt er. „Obwohl Tegel für mich günstiger lag.“ Lesch hat wie die anderen Passagiere auch ein braun-blau-weißes Lebkuchenherz erhalten. Neben einer kleinen Schachtel Lufthansa-Pralinen und etwas Wasser muss das reichen als Reiseproviant für den kurzen Flug zum BER.

Lufthansa will den CO2-Ausstoß des Erstflugs kompensieren

An Bord des Fliegers ist auch Claudia Michaelis, die vor Corona nach eigener Aussage 80 bis 100 Flugreisen jährlich unternahm. „Meine Eltern sind Berliner. Ich wollte deswegen unbedingt dabei sein, schon bei der ersten ursprünglich geplanten Eröffnung. Nun ist endlich soweit“, sagt Michaelis. Und auch Peter Hirner will sich den BER nun, nach jahrelanger Wartezeit, einmal anschauen. Auch Hirner ist normalerweise Vielflieger.

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Inlandsflüge aber sieht auch er mehr und mehr kritischer. Vom Grunde her sei es ja richtig, bei kurzen Strecken wegen des Klimas auf das Fliegen zu verzichten. „Es ist gut, dass Umweltaktivisten die Hand heben und Airlines, Flugzeugbauer und Treibstoffhersteller anregen, dort umzudenken“, erzählt der 33 Jahre alte Mitarbeiter einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Mit Blick auf das treibstoffarmere Flugzeug A320 neo sehe er aber auch Entwicklungen in dem Bereich. Zudem habe Lufthansa angekündigt, für den CO2-Ausstoß des BER-Erstflugs einen Ausgleich zu leisten.

Die Landung am neuen Hauptstadt-Airport verläuft dann zwar anders als geplant, aber reibungslos. Um fünf Minuten nach zwei begrüßt ein Flugbegleiter über die Lautsprecher erstmals mit: „Herzlich willkommen auf dem Flughafen Berlin-Brandenburg, meine Damen und Herren.“ Nach dem Verlassen des Flugzeugs steht Peter Hirner an einem Absperrband und schaut rüber zur Eröffnungsveranstaltung. Wie es denn nun hier sei als einer der ersten Gäste über die BER-Gänge zu schlendern? „Neu“, sagt Hirner und kann sich angesichts der jahrelangen Verzögerungen ein Lächeln nicht verkneifen.