Eröffnung

Flughafen BER: "Der erste Tag einer Erfolgsgeschichte"

Der Flughafen BER hat mit der Landung von zwei Maschinen eröffnet. Berlin und Brandenburg hoffen auf den wirtschaftlichen Aufschwung.

Schönefeld. Um 14.01 Uhr am Sonnabend war es soweit: Nach zweieinhalb Jahrzehnten der Planung und jahrelanger Bauverzögerung hat der Flughafen „Berlin Brandenburg Willy Brandt“ eröffnet. Die erste Maschine, ein Easyjet-Flieger aus Tegel, landete auf der nördlichen Landebahn des BER. Wenige Minuten später folgte eine Lufthansa-Maschine aus München. Eigentlich sollten die beiden Flugzeuge parallel landen, das war wegen der Wetterverhältnisse jedoch nicht möglich.

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Eine Stunde später erfolgte im Terminal 1 des neuen Flughafens die offizielle Eröffnung. „Heute ist kein historischer Tag, aber für Berlin und Brandenburg ein ganz wichtiger Tag“, sagte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup, als er zusammen mit Lufthansa-Chef Carsten Spohr und Easyjet-Chef Johan Lundgren symbolisch auf die rote Starttaste drückte. Die beiden Fluggesellschaften werden an dem Airport mehr als die Hälfte der Flüge abwickeln.

Mit dem BER erhalte die Region ein neues Tor zur Welt. „Wir haben gelernt, dass es sich lohnt durchzuhalten“, sagte Lütke Daldrup im Hinblick auf die Pannen-Geschichte der vergangenen Jahre. Aber künftig werde der Airport ein Garant für die wirtschaftliche Entwicklung Berlins und Brandenburgs sein. Mit geplanten bis zu 41 Millionen Passagieren pro Jahr wird der BER nach Frankfurt am Main und München der drittgrößte Flughafen Deutschlands sein. Europaweit rangiert er auf Platz zwölf.

Für die drei Inhaber des Airports, Berlin, Brandenburg und dem Bund, waren der Regierende Bürgermeister Michael Müller, Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (beide SPD) und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) am Sonnabend dabei. „Dieser Flughafen ist auch ein Stück weit Wiedervereinigung und Nachwendegeschichte“, sagte Müller und erinnerte an die zahllosen Probleme in der 14-jährigen Baugeschichte. „Es gab in den vergangenen Jahren Tage, die waren zum Verzweifeln.“ Bauverzögerungen, technische Schwierigkeiten und der zusätzliche Finanzbedarf hätten seine Zuversicht oft schwinden lassen. Mit derzeit sechs Milliarden Euro wird der Flughafen voraussichtlich drei Mal so teuer wie ursprünglich geplant. Allerdings sei mit 20.000 Quadratmetern auch fast doppelt so viel Fläche bebaut worden, sagte Müller.

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Ministerpräsident Woidke zeigte sich angesichts der Eröffnung ungewohnt euphorisch: „Wir erleben heute den ersten Tag einer Erfolgsgeschichte.“ Er habe selbst nicht daran geglaubt, so einen Satz einmal sagen zu können. „Auch ich habe manchmal den Kopf geschüttelt. Aber ich war immer davon überzeugt, dass er an den Start gehen kann und wird“, sagte Woidke.

Verkehrsminister Scheuer appellierte daran, mit Mut und Zuversicht in die Zukunft zu sehen. „Jetzt arbeiten wir daran, dass der Flughafen ein internationales Drehkreuz wird“, sagte er. „Es gibt viel zu tun.“ Alle drei Spitzenpolitiker dankten Flughafenchef Lütke Daldrup, der am Sonnabend zudem seinen 64. Geburtstag feierte, für die erfolgreiche Fertigstellung. Nach zahlreichen Personalwechseln hatte Lütke Daldrup die Flughafengesellschaft vor drei Jahren übernommen und die entscheidenden Fortschritte auf der Baustelle erzielt.

Lufthansa-Chef Spohr dämpft Hoffnungen auf Drehkreuz

Die Eröffnung fällt in die schwerste Krise der Luftfahrt seit dem Zweiten Weltkrieg. Weltweit liegt der Flugverkehr wegen der Corona-Pandemie fast brach. Nur wenige Tausend Passagiere pro Tag werden deshalb in den nächsten Wochen in Schönefeld erwartet. An diesem Sonntag sollen die ersten Fluggäste einchecken und vom BER aus starten.

Easyjet-Chef Lundgren lobte die Eröffnung als „Highlight für die darbende Flugverkehrswirtschaft“. Seine Airline hatte allerdings zuvor angekündigt, wegen der Pandemie rund 700 Stellen in der Region abzubauen. In Berlin sind 18 Maschinen stationiert, damit bleibt der BER nach London der weltweit zweitgrößte Standort von Easyjet.

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Lufthansa-Chef Spohr dämpfte die Hoffnungen auf ein weiteres internationales Drehkreuz. „Es gibt historische Gründe, warum in Deutschland der Langstreckenverkehr nicht von den beiden größten Städten Berlin und Hamburg aus stattfindet, sondern von den beiden Drehkreuzen München und Frankfurt“, sagte er. „Und ich glaube, daran wird auch der BER in der Tat nichts ändern.“ Die Lufthansa wird am kommenden Wochenende mit ihrer Flotte von Tegel zum BER umziehen.

Dagegen zeigte sich Lütke Daldrup zuversichtlich, künftig mehr internationale Flüge direkt ab Berlin anbieten zu können. Dabei setzt der Airportchef auf ein neues digitales Buchungssystem („ViaBER“), mit dem die Fluggäste ihre Verbindungen selbst zusammenstellen können. Anders als in Tegel biete der BER die technischen und räumlichen Voraussetzungen für internationale Umsteigeflüge, sagte Lütke Daldrup.

Mit gemischten Gefühlen haben Berlins CDU-Generalsekretär Stefan Evers und FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja auf der Besucherterrasse die Landungen der beiden ersten Maschinen verfolgt. „Natürlich bin ich froh, dass der Flughafen jetzt endlich eröffnet ist, sehe aber mit Sorge auf den weiteren Finanzierungsbedarf“, sagte Evers. Nach Expertenmeinungen wird es für den BER schwer, angesichts der hohen Baukosten und künftigen Zinszahlungen schwarze Zahlen zu schreiben. Czaja ergänzte: „Wenn dieser Tag heute nicht zugleich das Aus für Tegel bedeuten würde, wäre ich wesentlich glücklicher.“ Die FDP hatte jahrelang für die Offenhaltung Tegels gekämpft. Allerdings vergeblich.

Schon in einer Woche, am 8. November, schließt der beliebte City-Airport. „Ich weiß, wie vielen Menschen das Herz blutet, wenn Tegel schließt“, sagte der Regierende Bürgermeister Müller. „Aber er ist kein Flughafen der Zukunft.“ Auf dem Gelände, das auch Raum für Firmen und den Wohnungsbau bietet, soll ein Wissenschaftszentrum mit der Beuth-Hochschule entstehen.

Begleitet wurde die BER-Eröffnung von mehreren Gegen-Demonstrationen. Am Mittag erklommen einige Demonstranten das Vordach des neuen Terminals und wandten sich mit Spruchbändern gegen den Flughafen. Später versuchten mehrere Aktivisten der Gruppe „Extinction Rebellion“, den Start einer Maschine am Terminal 5 – dem alten Schönefelder Flughafen – zu verhindern. Sie klebten sich an ein Flugzeug, wurden aber von Feuerwehr und Bundespolizei entfernt. Auch zahlreiche Berliner Taxifahrer brachten ihren Ärger zum Ausdruck, dass nur 300 von ihnen künftig den BER ansteuern dürfen, weil sich das Gelände auf Brandenburger Terrain befindet.