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Flughafen BER - Start in schwierigen Zeiten

Der Flughafen BER ist endlich in Betrieb gegangen – mitten in der größten Krise der Flugbranche, beobachtet Christine Richter.

Berliner Flughafen BER eröffnet mitten in der Luftfahrt-Krise

"Es ist kein Jubeltag", gibt Verkehrsminister Andreas Scheuer zu. Nach neun Jahren Verspätung ist der neue Hauptstadt-Flughafen BER eröffnet worden. Selbst bei der Feier gab es Schwierigkeiten.

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Berlin. „Wir erleben heute den ersten Tag einer Erfolgsgeschichte.“ So optimistisch hat es am Sonnabend der brandenburgische Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) ausgedrückt, da waren die ersten beiden Flugzeuge gerade gelandet und der neue Flughafen BER damit eröffnet. Dass die vergangenen Jahre und der Bau des BER alles andere als eine Erfolgsgeschichte waren, daran erinnerten der Regierende Bürgermeister Michael Müller („Ich gebe es zu: Es gab in den vergangenen Jahren Tage, die waren zum Verzweifeln.“) und die anderen Redner bei der kleinen Eröffnungsveranstaltung.

Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup, dem wahrlich der Dank gebührt, mit seiner Arbeit in den vergangenen drei Jahren den Flughafen zu Ende und an den Start gebracht zu haben, gab sich irritierend bescheiden, wollte nicht von einem historischen Tag sprechen, sondern nur von einem „ganz wichtigen Tag“. Das stimmt auf jeden Fall.

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Ist es eine Ironie der Geschichte, dass der BER nach diesen vielen Jahren Baudesaster nun mitten in der größten Krise der Luftfahrt seit Kriegsende eröffnet wird? Mitten in der Corona-Pandemie, wo die Passagierzahlen dramatisch eingebrochen sind – damit auch die Einnahmen. Glaubt man den Prognosen der Experten, wird sich der Flugverkehr weltweit in den nächsten zwei Jahren nicht erholen. Erst ab 2023/2024 könnte sich die Situation wieder bessern, heißt es. Dass das Flugaufkommen wieder so wird wie im vergangenen Jahr oder noch Anfang 2020, daran glaubt keiner. Und das will auch keiner.

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So wird sich das Reiseverhalten der Menschen sicherlich verändern, auf innerdeutsche Flüge wird öfter verzichtet als noch vor der Corona-Pandemie. Vor allem die Zahl der Geschäftsreisen wird deutlich zurückgehen, die vergangenen Monate haben gezeigt, dass mehr Meetings per Videokonferenz stattfinden können, dass man für ein zweistündiges Treffen nicht von Berlin nach Köln fliegen muss.

Aber neben der Pandemie erfordert auch der Klimawandel, auf den auch bei der BER-Eröffnung zahlreiche Demonstranten hingewiesen haben, ein Umdenken. Die Politiker und auch die Airlines haben erkannt, dass sie mehr für den Schutz des Klimas tun müssen, dass sie gefordert sind. Die notwendigen Veränderungen beginnen bei der Technik und besseren, umweltschonenderen Maschinen, dazu gehört auch der Verzicht auf unnötige Flüge, außerdem ein neues Preissystem, denn von Berlin nach London für 37 Euro, das darf es nicht mehr geben, wenn wir es mit dem Klimaschutz ernst meinen.

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Die Flughafenbetreiber hoffen auf die Zeit nach Corona, wann auch immer diese beginnt. Und sie hoffen auf mehr internationale Anbindungen, also Direktflüge nach Asien oder in die USA, denn von Tegel aus gab es nur sehr wenige. Geht es nach Lütke Daldrup, kann der BER neben München und Frankfurt am Main zu einem Drehkreuz in Deutschland werden. Eine Perspektive, der Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Sonnabend sogleich widersprach und betonte, dass die Langstreckenflüge weiterhin von den anderen beiden Flughäfen abgewickelt würden.

Immerhin, auch Spohr setzte bei der BER-Eröffnung mit dem Flug von München nach Berlin ein Zeichen und ließ auf das Flugzeug eine Liebeserklärung an Berlin anbringen. Dass die Lufthansa-Maschine am Sonnabend nicht als erste am BER landen konnte, sondern Spohr die Briten mit ihrer Easyjet-Maschine vorlassen musste, das wird ihn geschmerzt haben – passt aber dann auch wieder zur von Pannen begleiteten BER-Geschichte.

Wenn heute erstmals 5000 Passagiere in Schönefeld abgefertigt werden, beginnt ein neues Kapitel am BER. Es kann eine Erfolgsgeschichte werden.

Die besten Bilder vom Eröffnungstag: