Flughafen Schönefeld

Flughafengesellschaft will Technikzentrum am BER abreißen

Das Wartungszentrum steht den Ausbauplänen am BER im Weg. Die Gewerkschaft warnt vor einem Arbeitsplatzabbau.

Ein Airbus A321 im Service-Hangar der Lufthansa Technik in Schönefeld. Der Mietvertrag läuft im März 2021 aus.

Ein Airbus A321 im Service-Hangar der Lufthansa Technik in Schönefeld. Der Mietvertrag läuft im März 2021 aus.

Foto: dpa Picture-Alliance / Bernd Settnik / Bernd Settnik/PA/dpa

Schönefeld/Berlin. Dem Luftfahrtstandort Berlin droht ein weiterer herber Rückschlag: Die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) könnte schon bald einen wichtigen und zudem prestigeträchtigen Kunden verlieren. So will nach Angaben der Industriegewerkschaft Luftfahrt (IGL) die Lufthansa-Tochter Lufthansa Technik (LHT) ihr in Schönefeld angesiedeltes Wartungszentrum für größere Reparaturen an Flugzeugen (in der Luftfahrtsprache: Base Maintenance) in zwei Jahren aufgeben.

Demnach sei bei einer Mitarbeiterversammlung am 11. Januar den Beschäftigten mitgeteilt worden, dass der Mietvertrag für den derzeitigen Hangar der Base Maintenance nicht über den 31. März 2021 hinaus verlängert wird. Einen neuen Standort gebe es nicht.

„Das bedeutet definitiv die Schließung der Rohrwerkstatt und zumindest einen Personalabbau in der Maintenance, da die derzeit erbrachten Leistungen nicht mehr angeboten werden können“, heißt es in einem Schreiben der IGL an den Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup, das der Berliner Morgenpost vorliegt. Die Mitarbeiter seien „in höchstem Maße verärgert und verunsichert“ über die aktuelle Situation am Standort Berlin-Schönefeld, ist weiter zu lesen.

„Wir erwarten schnellstmöglich Lösungen, um den Kolleginnen und Kollegen und auch generell dem Luftfahrtstandort Berlin weiterhin eine Perspektive für die Zukunft zu geben“, forderte der IGL-Vorstandsvorsitzende Thorsten Spreu vom Flughafenchef. Dem Vernehmen nach geht es um mehr als 100 Arbeitsplätze. Der Branchen-Dienst airliners.de hatte zuerst darüber berichtet.

Bislang keine Reaktion auf Alternativangebote

Hintergrund der drohenden Schließung des Wartungszentrums sind Pläne der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB), in Schönefeld mit Blick auf die Oktober 2020 angestrebte Eröffnung des neuen Hauptstadtairports BER die Kapazitäten zu erweitern. Bereits Lütke Daldrups Vorgänger Karsten Mühlenfeld hatte Pläne vorgestellt, Gebäudekomplexe am alten Airport zugunsten von mehr Rollwegen und Abstellflächen für Flugzeuge abreißen zu lassen. Zu den Gebäuden, die im Weg stehen, gehört auch der einstige Wartungshangar der DDR-Fluggesellschaft Interflug, der nach der Wiedervereinigung samt Personal von der Lufthansa-Tochter Lufthansa Technik übernommen worden war.

Laut Flughafensprecher Hannes Hönemann gibt es mit der Lufthansa bereits seit mehr als einem Jahr Gespräche über mögliche Alternativstandorte am BER. Es seien mehrere Optionen – unter anderem auch die Übernahme von Flächen in Erbbaupacht – angeboten worden, bislang allerdings ohne jede Reaktion vonseiten der Lufthansa. „Auf meine Fragen dazu bekomme ich derzeit keine klare Auskunft“, sagte dazu Flughafenchef Lütke Daldrup nach der jüngsten BER-Aufsichtsratssitzung am Freitag.

Am Montag bestätigte ein Vertreter von Lufthansa Technik die Aufgabe der alten Interflug-Werft im März 2021. „Wir wollen und werden aber in Berlin blieben“, betonte der Sprecher gegenüber der Berliner Morgenpost. Eine Entscheidung darüber, ob in Schönefeld auch nach 2021 größere Wartungsarbeiten wie C-Checks ausgeführt werden, sei aber noch nicht gefallen. Notwendig dafür seien Investitionen in einen neuen Hangar in einem mittleren zweistelligen Bereich. Man sei dazu aber weiter im Gespräch mit der Flughafengeschäftsführung, so der Unternehmenssprecher.

450 teils hochqualifizierte Mitarbeiter betreuen die Maschinen

Die Technik-Tochter der Lufthansa ist einer der wichtigsten Arbeitgeber an den Berliner Flughäfen. Insgesamt rund 450, teils hochqualifizierte Mitarbeiter betreuen in Tegel und Schönefeld nicht nur die Maschinen der eigenen Gruppe (zu der neben der Lufthansa auch Eurowings, Swiss und Austrian gehören), sondern auch von Easyjet oder der US-Airline United. Kleinere Reparaturen und Wartungsarbeiten, die zwischen zwei Starts notwendig sind, werden dabei in zwei Hangars in Tegel und Schönefeld ausgeführt.

Die deutlich größere, alte Interflug-Werft in Schönefeld wird auch für größere Wartungsarbeiten genutzt, etwa sogenannte C-Checks, die für Flugzeuge meist alle zwei Jahre vorgeschrieben sind und jeweils mehrere Tage dauern. Berlin-Schönefeld ist neben Hamburg, München und Frankfurt am Main einer von insgesamt nur vier Standorten in Deutschland, an denen die Lufthansa solche Arbeiten ausführen lässt.

Nach Informationen von airliners.de soll die Zukunft der Lufthansa-Base-Maintenance in Deutschland komplett zur Disposition stehen. Aus dem Konzernumfeld sei zu hören, dass diese nach Osteuropa verlegt werden soll. Neben Deutschland unterhält LHT auch Standorte in Budapest, Sofia, Shannon (Irland) und auf Malta.

Mehr zum Thema:

Opposition will Michael Müller vor BER-Ausschuss zitieren

IHK-Studie: Region um BER wächst rasanter als erwartet

Lufthansa-Chef macht sich für Tegel stark