Wenige Wochen vor der Volksabstimmung über eine Offenhaltung des Airports Tegel liegt ein Masterplan der Geschäftsführung der Flughafengesellschaft für die Erweiterung des BER vor. Wie aus dem Dokument hervorgeht, soll die Kapazität des neuen Hauptstadtflughafens in vier Erweiterungsphasen bis 2035 auf 55 Millionen Passagiere pro Jahr erhöht werden. Die Kosten sollen sich auf rund 2,3 Milliarden Euro belaufen, wobei die Finanzierung von 1,6 Milliarden noch offen ist. Derzeit wird bei Eröffnung des BER mit einer Kapazität von 22 Millionen Passagieren gerechnet.
Ab 2018 soll laut dem Masterplan, der der Berliner Morgenpost vorliegt, in einer ersten Erweiterungsphase das Nordpier verlängert werden und ein neues Terminal T1-E entstehen. Zusätzlich sollen die Gepäck- und Abfertigungskapazitäten südlich und nördlich des Hauptterminals erhöht werden. Dies will die Flughafengesellschaft durch einen teilweisen Umbau von Parkflächen erreichen.
In dieser ersten Phase ist das erklärte Ziel, bis 2021 eine Erhöhung der Kapazität von 11 Millionen Passagieren pro Jahr auf 33 Millionen zu erreichen. Das entspräche der Zahl der Fluggäste, die 2016 an den Altflughäfen Tegel und Schönefeld gestartet und gelandet sind.

Der Masterplan soll vor der Abstimmung über Tegel eines der Hauptargumente der Befürworter eines TXL-Weiterbetriebs entkräften. Der Airport Tegel im Norden der Stadt, der nach jetziger Gesetzeslage spätestens sechs Monate nach der BER-Eröffnung den Betrieb einstellen muss, könnte laut den Tegel-Offenhaltungs-Befürwortern das Kapazitätsproblem des neuen Hauptstadt-Flughafens lösen.
FDP-Fraktionschef nennt Kapazitätsprobleme „eklatant“
Nach Ansicht von FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja beweist der Masterplan, dass inzwischen auch die Flughafengesellschaft erkenne, wie „eklatant“ die Kapazitätsprobleme in Berlin seien. „Statt mit TXL einen funktionierenden Standort zu ertüchtigen, plant man lieber die nächsten Dauerbaustellen für die Dauerbaustelle ohne Eröffnungstermin“, kritisiert Czaja. Für den Oppositionspolitiker ist es fraglich, ob bei laufendem Betrieb des BER die Kapazität mehr als verdoppelt werden kann. „Wer am BER mit zwei Milliarden Euro Baukosten startet, landet schnell bei sechs Milliarden Euro“, argumentiert Czaja.
Der Berliner CDU-Generalsekretär Stefan Evers, dessen Partei inzwischen ebenfalls für eine Offenhaltung Tegels eintritt, spricht im Zusammenhang mit dem Masterplan von BER-Chef Engelbert Lütke Daldrup (SPD) von einer „Wundertüte 2040“. „Eine zum jetzigen Zeitpunkt, vier Wochen vor dem Volksentscheid, so kurzfristig entwickelte Planung erscheint uns als unseriös“, sagte Evers am Montag.

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Doch es steht schon länger fest, dass der BER nach Eröffnung wachsen soll. Die Flughafenleitung legte nun aber zum ersten Mal konkrete Ausbaupläne vor. Herzstück des Ausbaus soll demnach ein neues Terminal auf der zentralen Fläche des Flughafens, dem Willy-Brandt-Platz, werden. Der Baubeginn für das Terminal 2 ist für 2022 geplant. In dieser Erweiterungsphase sollen das Hauptgebäude des neuen Terminals und eine zweite Verlängerung von Pier Nord entstehen.
In der nächsten Phase bis 2031 soll Terminal 2 weiter ausgebaut und Pier Süd verlängert werden. So möchte man auf eine Kapazität von bis zu 48 Millionen Passagiere kommen. Danach will man ein weiteres Terminal, einen sogenannten Satelliten errichten. Dieses soll westlich des heutigen Terminals entstehen und durch ein breites Zwischengebäude an die bestehenden Flughafenterminals angebunden werden. Auch Flächen für neue Geschäfte sind dort geplant. Kapazitätsgewinn: Sieben Millionen Passagiere pro Jahr.
Eine Magnetbahn wäre denkbar
Durch die Verlängerung von Nord- und Südpier würde ein zentraler Platz entstehen. Dort, so der Plan, kann die Airport-City um bis zu 20.000 Quadratmeter mit Büros, Geschäften, Hotels und Wohnungen erweitert werden. Das Areal soll über ein Personentransportsystem an den Flughafen angeschlossen werden. Dabei könnte es sich um eine Magnetbahn oder eine Kabinenseilbahn handeln.

Der Aufsichtsrat will Mitte September über den Masterplan diskutieren. Bei der jüngsten Sitzung hatte Flughafenchef Lütke Daldrup bereits erste Eckwerte vorgestellt. Inzwischen ließ er den Aufsichtsratsmitgliedern den detaillierten Masterplan zukommen. Nach Informationen der Berliner Morgenpost sieht man in Kreisen der Gesellschafter mit dem Masterplan aber nicht alle Probleme gelöst. Angesichts des weiter steigenden Passagierwachstums stelle sich weiterhin die Frage: „Wie kriegen wir die ersten drei Jahre nach der Eröffnung des BER hin?“ Denn sollte der Flughafen Ende 2018 – oder, was wahrscheinlicher ist – erst 2019 eröffnen, wären wohl noch nicht genügend Kapazitäten geschaffen, um ein Chaos bei der Abfertigung zu verhindern.





