Pannenflughafen

Am BER kann man jetzt parken - für 39 Euro die Woche

Flugzeuge fliegen am BER noch nicht, Parken geht jedoch schon. Den Shuttleservice zum Flughafen Schönefeld gibt es gratis dazu.

Das Parkhaus P3 am Flughafen BER

Das Parkhaus P3 am Flughafen BER

Foto: Jörg Krauthöfer

Schönefeld. „Also zum BER, da fahren Sie am besten mit der Regionalbahn. Die ist aber gerade weg, die nächste kommt in einer Stunde. Oder eben mit der S-Bahn, da müssen Sie aber umsteigen“, informiert eine Deutsche-Bahn-Mitarbeiterin am Serviceschalter einen Fahrgast. Nicht nur der Bau des neuen Hauptstadtflughafens Berlin-Brandenburg, kurz BER, gleicht einer Odyssee. Auch die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist ein Abenteuer für sich. Defekte Aufzüge, irreführende Ausschilderungen.

So ist es gut, dass Reisende, die lieber mit dem Auto zum Airport in Schönefeld (SXF) fahren, für ihr Fahrzeug jetzt ein neues Parkhaus nutzen können. Die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg hatte am Montag mitgeteilt, dass das Gebäude mit rund 2000 Stellplätzen am neuen Airport, der 2017 eröffnet werden soll, ab sofort in Betrieb ist. Je nach Verfügbarkeit kann dort ein Abstellplatz bereits ab 39 Euro die Woche genutzt werden. Wer sein Auto vor Schönefeld-Alt parkt, zahlt hingegen für die Woche leicht mehr als 100 Euro. Das Parkhaus P3 bietet also eine gute Alternative – vor allem in der Ferienzeit. Die Fahrzeit vom P3 zum SXF dauert rund zehn Minuten. Von dort steht den Gästen ein kostenloser Shuttleservice zur Verfügung, der mindestens im 30-Minuten-Takt fährt.

Wir machen den Test. Wer von Schönefeld zurück zu seinem Auto möchte, muss sich auf die Suche nach der Haltestelle begeben. Denn Ausschilderungen sind bisher nicht angebracht. Weder Taxi- noch Busfahrer kennen den neuen Service. Erst nach einem Anruf im Kundencenter erfahren wir: „Das Shuttle fährt ab Terminal B.“ Und tatsächlich hängt am Busbahnhof, der hinter einer Baustelle liegt, das Hinweisschild „Shuttle P3 Parken BER“.

Nach einer knappen halben Stunde fährt der weiße Bus vor. Wir steigen ein. Die Tür schließt sich. Wir sind die einzigen Gäste an Bord des klimatisierten Shuttles. Kurze Zeit später erreichen wir die Geisterstadt BER. Als wir das Parkhaus P3 betreten, sind wir zunächst überrascht. Autos mit nationalen und internationalen Kennzeichen belegen fast alle Parkplätze in der ersten Etage. Ernüchterung dagegen auf Parkdeck zwei. Hier wird noch gebaut. Eine Etage höher parken 25 Fahrzeuge und belegen somit rund ein Zehntel der angebotenen Stellplätze.

Auch das Hotel könnte in Betrieb gehen

Eine Frau verlässt mit ihrem Sohn das Parkhaus. „Wir haben vor dem Flughafen keinen Parkplatz bekommen und wurden auf den hier verwiesen“, sagt sie. Sie sei froh und überrascht über das günstige Angebot und die Verbindung zum SXF sei auch gut. An der Bushaltestelle wartet ein weiterer Gast auf den Shuttle. Mehr Menschen sind hier nicht zu sehen.

Eigentlich sollte der Hauptstadt-Airport als Prestigeobjekt und Symbol für das vereinte Deutschland am 3. Juni 2012 feierlich eröffnet werden. Vier Jahre später steht das Großprojekt BER vor allem für schlechte Planung und die Verschwendung von Steuergeld. Dass in dieser Lage das Parkhaus eröffnet, kann man mit Humor betrachten: Der Flughafen wird eröffnet – häppchenweise.

Neben dem Parkhaus P3 ist auch das Steigenberger Hotel am Willy-Brandt-Platz fertig. 322 Zimmer warten auf den Einzug der Gäste. Und das bereits seit vier Jahren. „Rein theoretisch sind wir innerhalb weniger Tage komplett betriebsbereit“, sagt Gunther Träger, Pressesprecher bei Steigenberger Hotel. Rund 20 Mitarbeiter sind täglich im Einsatz, um das Hotel instand zu halten. Gäste dürfen aus versicherungstechnischen Gründen das Gebäude nicht betreten, solange der BER sich im Bau befindet, so Träger. Ein Haus im Schlummermodus.

Der Zugverkehr zu dem geplanten Hauptstadtflughafen ist dagegen nicht im Schlummermodus. Täglich fahren Züge auf der rund acht Kilometer langen Strecke aus Berlin ins Nirgendwo und zurück – ohne einen einzigen Fahrgast. Grund: Die 636-Millionen-Euro teure Bahnanlage muss in Schuss gehalten werden. Die Weichen müssen sich bewegen, die Signale intakt gehalten werden. Außerdem sorgen die Züge im unterirdischen Tunnel für Durchzug. Das verhindert die Schimmelbildung. Bis auf weiteres bleiben die S-Bahnmitarbeiter wohl die Einzigen, die sich hier unten auskennen.