Neuer Terminplan

Pannenflughafen BER - In der Chefetage gibt es Stress

Der BER-Aufsichtsrat will am Freitag einen neuen Terminplan beschließen. Auch ein Konflikt in der Chefetage soll angespochen werden.

Flughafenchef Karsten Mühlenfeld räumt ein, dass er mit der Finanzchefin „nicht gerade befreundet“ sei

Flughafenchef Karsten Mühlenfeld räumt ein, dass er mit der Finanzchefin „nicht gerade befreundet“ sei

Foto: Patrick Pleul / dpa

Das Wichtigste ist der Terminplan. Wenn sich die Aufsichtsräte der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg am heutigen Freitagnachmittag im Verwaltungsgebäude am Flughafen Tegel versammeln, wird die Geschäftsführung darlegen, wie trotz der bisher eingetretenen Verzögerung auf der Baustelle der BER im Herbst 2017 eröffnen kann.

Laut Flughafenchef Karsten Mühlenfeld hängen die Arbeiten drei bis vier Monate hinter den eigentlich gesetzten Meilensteinen zurück. Nun werden die weiteren Zwischenziele neu definiert. Der Zeitpuffer ist damit zwar geschrumpft. Einen Start des BER zum Winterflugplan 2017/2018 hält Mühlenfeld aber immer noch für möglich.

In einigen Bereichen gilt seit einem Monat schon eine Sechs-Tage-Woche. Zudem wurde die Regelarbeitszeit der Objektüberwacher erhöht.

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Alles entscheidet sich im Frühjahr 2016, wenn das Bauaufsichtsamt die Genehmigung für den Umbau der Entrauchungsanlage erteilt. Dann wissen die Manager, ob sie den Bau wie bisher noch geplant bis Ende 2016 abschließen können. Sie brauchen mehrere Monate, um die Systeme zu testen, die Mannschaft an die neuen Örtlichkeiten zu gewöhnen und die Abläufe mit Komparsen auszuprobieren.

Obwohl die praktischen Probleme auf der Baustelle lange nicht gelöst sind, gibt es aber auch wieder Unruhe in der Flughafengesellschaft. Die Rede ist von Konflikten zwischen Mühlenfeld und Finanzvorstand Heike Fölster. Diese Konstellation erinnert an den Dauerstreit, mit dem sich einst Mühlenfelds Vorgänger Hartmut Mehdorn monatelang an seinem Technikchef Horst Amann aufgerieben hatte. Der Konflikt endete damit, dass der Mann aus Frankfurt 2013 phasenweise bei vollen Bezügen zum Geschäftsführer einer Phantomtochter der Flughafengesellschaft degradiert worden war.

Differenzen um den Führungsstil der Flughafen-Chefs

Mühlenfeld räumt ein, dass er mit der Finanzchefin „nicht gerade befreundet“ sei. Es gebe Differenzen über den jeweiligen Führungsstil des Chef-Duos. Der Ingenieur hält ein enges persönliches Verhältnis aber auch nicht für notwendig, um professionell zusammenzuarbeiten. Operativ verfolge man die gleichen Ziele, so der frühere Chef des Dahlewitzer Rolls-Royce-Flugzeugturbinenwerks.

Der Konflikt in der Führungsetage ist ein Erbe unseliger Vorzeiten. Denn das Duo Rainer Schwarz und Manfred Körtgen war offiziell gleichberechtigt. Schwarz fungierte nur als „Sprecher“ der Geschäftsführung. In Baufragen war er Körtgen gegenüber nicht weisungsbefugt, was auch dazu beitrug, die immensen Probleme auf der Baustelle zu unterschätzen.

Mehdorn ließ sich dann offiziell den Titel des „Vorsitzenden“ geben, den auch Mühlenfeld führt. Aber die Geschäftsordnung wurde nicht entsprechend angepasst. Darin heißt es weiter, dass die Geschäftsführer gleichberechtigt sind.

Bund gegen mehr Macht für Mühlenfeld

Wie nun diese Regeln angepasst werden sollen, darüber gab es unter den Gesellschaftern Berlin, Brandenburg und Bund unterschiedliche Auffassungen, weswegen in einem halben Jahr Debatte keine Einigung gefunden wurde. Vor allem der Bund sträubt sich, Mühlenfeld mehr Macht zu geben. Denn der Bund war immer gegen den von den beiden Ländern durchgesetzten Ex-Rolls-Royce-Manager und stimmte seiner Wahl nicht zu.

Jetzt wurde kolportiert, Mühlenfeld habe sich das Recht auf die Letzentscheidung in die Geschäftsordnung schreiben lassen wollen. Der Flughafenchef selbst sagte, er lege nur Wert darauf, den Passus der gleichberechtigten Geschäftsführer zu streichen.

Das Thema steht am Freitag jedoch nicht auf der Tagesordnung, hieß es aus Aufsichtsratskreisen. Der Konflikt werde aber sicherlich angesprochen und in einer der nächsten Sitzungen gelöst.

Besprochen wird auch die Finanzierung des BER nach der noch inoffiziellen Ankündigung der EU-Kommission, den Rahmen für weitere öffentliche Finanzhilfen auf 2,2 Milliarden Euro zu begrenzen. Der Flughafen hatte 2,6 Milliarden Euro beantragt, worin bereits geflossene 1,1 Milliarden Euro enthalten sind. Bisher liegen die Kosten des Projekts noch bei 5,4 Milliarden Euro.