Hauptstadtflughafen

Der BER-Terminal bleibt weiter gesperrt

Das Bauordnungsamt von Dahme-Spreewald sieht den Brandschutz auf der Baustelle am Flughafen BER noch nicht als gewährleistet an.

Nur vor dem Hauptterminal (l.) des neuen Hauptstadtflughafens BER in Schönefeld  darf gebaut werden, im Gebäude nicht. Es wurde von der Baubehörde gesperrt

Nur vor dem Hauptterminal (l.) des neuen Hauptstadtflughafens BER in Schönefeld darf gebaut werden, im Gebäude nicht. Es wurde von der Baubehörde gesperrt

Foto: Ralf Hirschberger / dpa

Berlin/Schönefeld.  Das Hauptterminal des künftigen Hauptstadtflughafens BER bleibt vorerst weiter gesperrt. Das bestätigten die Flughafengesellschaft und der Landrat von Dahme-Spreewald, Stephan Loge (SPD), am Mittwoch der Berliner Morgenpost. Loges Baubehörde hatte Anfang vergangener Woche einen Baustopp verhängt, weil in dem Terminal zu schwere Rauchgasventilatoren eingebaut worden waren, die zu Statikproblemen führten.

Flughafenchef Karsten Mühlenfeld hatte am Montag im Brandenburger BER-Sonderausschuss erklärt, er rechne damit, dass die Bauarbeiten im Hauptterminal noch in dieser Woche wieder aufgenommen werden könnten. Dies sei möglich, wenn die Ventilatoren außer Betrieb blieben und so keine Statikprobleme verursachten. Der Brandschutz für die Baustelle sei nicht gewährleistet, wenn die Rauchgasventilatoren nicht in Betrieb genommen werden könnten, argumentierte dagegen Loge. „Wir werden alle Fragen des Bauordnungsamtes beantworten und hoffen auf eine schnellstmögliche Aufhebung der Sperrung“, sagte dazu Ralf Kunkel, Sprecher der Flughafengesellschaft FBB, der Berliner Morgenpost.

Eigenes Brandschutzkonzept für die Bauzeit

Der Flughafen will zunächst für die restliche Bauzeit ein Brandschutzkonzept ohne Ventilatoren vorlegen. In einem zweiten Schritt soll das eigentliche Problem mit den zu schweren Geräten gelöst werden. Dazu müssen vermutlich die Bühnen, auf denen die Lüfter lasten, verstärkt werden. Die Statik des Daches ist nach Angaben des Flughafens nicht gefährdet.

Im Hauptausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses standen am Mittwoch Karsten Mühlenfeld sowie der Berliner Flughafenkoordinator Engelbert Lütke Daldrup bei einer Anhörung Rede und Antwort zu den Bauproblemen am BER. Um die Frage, ob auch der Regierende Bürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzende der Flughafengesellschaft, Michael Müller (SPD), teilnehmen soll, hatte es im Vorfeld einigen Wirbel gegeben. Müller wolle „sich drücken“, wurde kolportiert. Das wies Senatssprecherin Daniela Augenstein entschieden zurück.

Anhörung ohne den Aufsichtsratschef

Vielmehr habe die Senatskanzlei Müller, Lütke Daldrup und Innensenator Frank Henkel (CDU), ebenfalls Aufsichtsratsmitglied, für die Anhörung vorgeschlagen. Schließlich sei aber vom Abgeordnetenhaus nur der Flughafenkoordinator angefragt worden. CDU-Fraktionssprecher Michael Thiedemann sagte, es sei der Union wichtig gewesen, einen Vertreter des Landes Berlin anhören zu können. Gleichzeitig habe man Wert auf eine schnelle Anhörung gelegt, zu diesen Terminen sei aber Müllers Teilnahme nicht möglich gewesen. Es habe „keine Verstimmung“ zwischen den Koalitionspartnern gegeben, so Thiedemann.

Die Anhörung selbst habe keine wesentlichen neuen Erkenntnisse zu Tage gefördert, berichteten Teilnehmer anschließend übereinstimmend. Der CDU-Abgeordnete Stefan Evers zitierte, leicht abgewandelt, Bertolt Brecht: „Der Vorhang zu und alle Fragen offen.“ Evers interessierte sich insbesondere dafür, was mit dem Flughafen Tegel geschieht, wenn der BER nicht wie geplant im Herbst 2017 eröffnet werden kann.

Grüne fordern Sondersitzung des Bauausschusses

Die Betriebsgenehmigung für Tegel läuft bereits seit Jahren nur auf Basis von Ausnahmeregelungen. Einige Experten sehen daher zum Beispiel im Jahr 2018 gewaltige Kosten auf die Flughafengesellschaft zukommen, weil zehntausende Anwohner dann Anspruch auf Lärmschutzmaßnahmen hätten. Andere sagen, dies drohe erst 2019. Der Senat prüfe gegenwärtig, welche Risiken drohen, wenn die BER-Eröffnung tatsächlich ein weiteres Mal verschoben und Tegel noch länger in Betrieb bleiben müsste, hieß es in der Anhörung. Der Unionspolitiker Evers bezeichnete das als „wenig befriedigend“.

Die Grünen fordern eine Sondersitzung des Bauausschusses. Dort müssten dann der Regierende Bürgermeister und der Flughafenchef „das Parlament über den Sachstand informieren und erklären, ob es überhaupt noch einen Weg aus der Krise gibt“, erklärten die Abgeordneten Andreas Otto und Harald Moritz .

Der bisherige Fokus am BER auf die Entrauchungsanlage und die Software sei durch die jüngsten Entwicklungen „gesprengt worden“, so die Grünen. Am künftigen Hauptstadtflughafen sei offenbar nicht einmal „das kleine Einmaleins der Bautechnik“ beachtet worden. „Wer die Statik vernachlässigt und den Brandschutz missachtet, handelt fahrlässig oder sabotiert“, so die Oppositionspolitiker. Deshalb forderten sie, „dass unabhängige Bauexperten Pläne, Genehmigungen und die gebaute Realität am Terminal überprüfen“.