Flughafen

Wende bei den Wänden

Die rund 600 falsch eingebauten Wände am BER-Terminal beschäftigen inzwischen die Staatsanwaltschaft.

Schönefeld.  – Die im Terminal des Hauptstadtflughafens BER fehlerhaften 600 Wände beschäftigten mittlerweile auch die Staatsanwaltschaft. „Wir werden die Vorkommnisse in unsere Prüfungen miteinbeziehen“, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Cottbus, Petra Hertwig, am Dienstag der Berliner Morgenpost. Die Behörde hat erst vorige Woche Vorermittlungen wegen der im Terminal eingebauten, zu schweren Rauchgasventilatoren eingeleitet. Derzeit herrscht im Hauptgebäude des Flughafens aus Sicherheitsgründen ein Baustopp, verhängt durch die Bauaufsichtsbehörde des Landkreises Dahme-Spreewald. Ein Statikbüro hatte die zu schweren Lüfter bei einer Überprüfung entdeckt. Flughafenchef Karsten Mühlenfeld rechnet aber damit, dass der Bau in den nächsten Tagen wieder weitgehend freigegeben wird. Die Probleme sind laut seiner Einschätzung behebbar, es bestehe keine Einsturzgefahr.

Erst 600, dann 30: Flughafenchef Karsten Mühlenfeld rudert zurück

Im BER-Sonderausschuss des Landtages hatte Mühlenfeld am Montag geschildert, dass zahllose Nachbesserungen am BER notwendig seien. Er nannte dabei auch 600 Wände, die eingerissen werden müssten, weil sie den Brandschutzauflagen nicht entsprächen. „Es wurden Gasbetonsteine verwendet, was nicht zulässig ist“, sagte Mühlenfeld vor den Abgeordneten. Warum Mühlenfeld das vor dem Ausschuss erwähnte und damit erneut für schlechte BER-Schlagzeilen sorgte, ist unklar. In der Sitzung des Aufsichtsrats am vergangenen Freitag waren die Wände kein Thema gewesen.

Am Montagabend ruderte Mühlenfeld dann zurück. In einer Mitteilung erklärte er: „Im BER-Sonderausschuss kamen heute die aktuellen Themen bei der Flughafengesellschaft zur Sprache, unter anderem auch der aktuelle Stand auf dem BER und der Umstand, dass an rund 600 Leichtbauwänden noch brandschutztechnische Ertüchtigungen durchgeführt werden müssen.“ Teilweise müssten Stützen eingebaut oder Wandteile verstärkt werden, um die geforderten Brandschutzklassen zu erreichen. „Nur ein sehr geringer Teil dieser Wände ist komplett neu zu bauen. Ein Teil wurde bereits realisiert“, so Mühlenfeld. Er wies auf seine Aussage von voriger Woche hin, „dass wir auch künftig auf Vorgänge aus der Vergangenheit stoßen, die auf den ersten Blick unfassbar erscheinen“. Die Wände seien so ein Thema.

Nach Angaben des Berliner Flughafenkoordinators, Staatssekretär Engelbert Lütke Daldrup, müssen rund 30 der 600 Wände abgerissen und neu gebaut werden. Nur diese seien aus Gasbeton und erfüllten nicht die erforderlichen Brandschutzklassen. Andere Wände entsprächen nicht mehr den Brandschutzanforderungen, weil inzwischen die Brandenburger Bauordnung geändert worden sei. An diesen Wänden müssten Kabelschlitze verlegt werden. Und schließlich müssten etliche Wände saniert werden, weil dort Kabeltrassen neu verlegt wurden. Lütke Daldrup versicherte, dass dadurch keine weiteren Verzögerungen entstünden. Die Probleme seien seit mehr als einem Jahr bekannt, ihre Behebung in dem Terminband, wonach der BER im Herbst 2017 eröffnet werden soll, berücksichtigt.

Der Sprecher der Flughafengesellschaft, Ralf Kunkel, betonte am Dienstag ebenfalls, dass sich aus den notwendigen Arbeiten an den Wänden keine zusätzliche Verzögerung beim Fertigbau ergebe. Derzeit sei man drei bis vier Monate im Verzug. Flughafenchef und Aufsichtsrat gehen aber nach wie vor davon aus, dass eine Eröffnung des BER im zweiten Halbjahr 2017 möglich ist. „Rein mathematisch kann das klappen“, sagte Mühlenfeld. „Die Situation ist sehr ernst“, betonte Vize-Aufsichtsratsvorsitzender Rainer Bretschneider.

Die CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus wünscht sich noch vor den Herbstferien eine Anhörung im Haupt- oder Bauausschuss zu den Baumängeln und der aktuellen Situation am BER. Dort sollen dann Flughafenchef Mühlenfeld und der Aufsichtsratsvorsitzende der Flughafengesellschaft, der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD), den Abgeordneten Rede und Antwort stehen. Der Unionsabgeordnete Stefan Evers sagte, es gebe viele Fragen. Generell sei nicht klar erkennbar, wie die Führung der Flughafengesellschaft die Fertigstellung und Erweiterung des Flughafens sowie das verbleibende Risikomanagement in einen Zusammenhang bringe. Es entstehe wieder der Eindruck von Stückwerk, wie man ihn aus der Vergangenheit kenne.