Flughafen

Streit über Neuanfang am Flughafen BER

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum pannengeplagten Airport

Potsdam/Schönefeld.  Jetzt müssen auch noch 600 Brandschutzwände im BER nachgebessert werden. Es ist das jüngste Kapitel in einer Serie von Bau- und Planungsfehlern, die seit mehr als drei Jahren aufgedeckt werden. Erst in der vergangenen Woche war aufgefallen, dass viel zu schwere Ventilatoren unter der Terminaldecke hängen. Die Folge: Ein vorläufiger Baustopp. Eine Zusammenfassung der wichtigsten Fragen zum BER:

Warum halten einige Politiker das Projekt BER für gescheitert?

Die wesentlichen Argumente sind: Es tauchen immer neue Probleme auf, die auch hohe Extrakosten verursachen. Niemand könne garantieren, dass der Eröffnungstermin nicht doch noch einmal verschoben werden muss, wenn der nächste Fehler entdeckt werden sollte. Dass eine Reihe weiterer Fehler gefunden wird, halten Flughafenchef Karsten Mühlenfeld und der Aufsichtsrat für möglich – ebenso jedoch auch den Eröffnungstermin in der zweiten Jahreshälfte 2017. Ursprünglich sollte der BER im Oktober 2011 in Betrieb gehen. Derzeit besteht eine Verzögerung von drei bis vier Monaten.

Welche Vorschläge gibt es für einen Neuanfang?

Eine Idee ist, das Terminal zwar stehen zu lassen, aber den Innenausbau noch einmal von vorn zu beginnen. Die zweite Variante wäre, das Hauptgebäude aufzugeben und nebenan ein neues, größeres Abfertigungsgebäude zu bauen. Unabhängig davon halten es mehrere Kritiker für unentbehrlich, die Flughafengesellschaft in eine Betreiber- und eine Projektgesellschaft zu trennen. Die Projektfirma könnte sich mit aller Kraft um den neuen Flughafen kümmern. Heute muss das Unternehmen bei stark wachsender Passagierzahl auch den Betrieb der Flughäfen Tegel und Schönefeld-Alt im Griff behalten.

Wer fordert, den Hauptstadtflughafen nicht mehr zu vollenden?

Es sind Politiker aus der Opposition im Bund und in den Ländern Brandenburg und Berlin, die zumindest dafür plädieren, über einen Neuanfang nachzudenken. Dazu gehören die Grünen-Bundestagsabgeordneten Anton Hofreiter und Renate Künast, der CDU-Abgeordnete Jens Koeppen aus Brandenburg und Martin Delius (Piraten), der Vorsitzender des Untersuchungsausschusses im Berliner Abgeordnetenhaus ist. Es ist niemand darunter, der Verantwortung für den BER trägt.

Was wären die Vorteile eines Neubaus?

Man könnte mit Planung und Bau neu beginnen und dabei die aktuellen Standards der Technik und Sicherheit mit berücksichtigen. Der Neubau könnte nach den jüngsten Prognosen für die benötigte Passagierkapazität ausgerichtet werden. Der Flughafen-Aufsichtsrat rechnet mit rund 40 Millionen Passagieren, die im Jahr 2023 in Berlin abgefertigt werden müssen. Derzeit sind es schon 28 Millionen Menschen in Tegel und Schönefeld. Der BER ist nur für jährlich 27 Millionen Fluggäste geplant. Deshalb hat der Aufsichtsrat am Freitag bereits eine Erweiterung beschlossen.

Was spricht dagegen, die Arbeiten am Terminal abzubrechen?

Man müsste mit Planung und Bau neu beginnen. Milliarden Euro wären in den Sand gesetzt. Wie sich beim BER gezeigt hat, können vom ersten Entwurf bis zur Inbetriebnahme mit Planfeststellung und Gerichtsverfahren schnell 20 Jahre vergehen. In dieser Zeit müsste aber eine sehr lange Zwischenlösung für den Luftverkehrsstandort Berlin gefunden werden, was auch eine äußerst schwierige Aufgabe wäre. Nach einer Entscheidung über ein Ende des BER würde die Diskussion um den Standort wieder losbrechen. Brandenburgs Flughafenkoordinator Rainer Bretschneider sagte am Montag zu dem Vorschlag eines neuen Neubaus: „Es erhöht die Zeitprobleme, und es erhöht die Kostenprobleme.“

Wie geht es nach dem Baustopp weiter auf der Baustelle?

Flughafenchef Mühlenfeld rechnet damit, dass die Bauaufsichtsbehörde den kompletten Baustopp im Terminal noch in dieser Woche aufhebt. BM/dpa