Flughafen BER Berlin

Statikprobleme: Bauaufsicht stoppt Arbeiten am BER

Die Bauarbeiten an der Haupthalle wurden gestoppt - wegen Statikproblemen: Teile der Entrauchungsanlage sind viel zu schwer für das Dach.

Die Bauarbeiten am Hauptstadtflughafen BER wurden gestoppt

Die Bauarbeiten am Hauptstadtflughafen BER wurden gestoppt

Foto: dpa Picture-Alliance / Patrick Pleul / picture alliance / dpa

Im Terminal des künftigen Hauptstadtflughafens BER in Schönefeld darf vorerst nicht weitergebaut werden. Dies bestätigte Landrat Stephan Loge (SPD) der Berliner Morgenpost. „Die untere Bauaufsicht des Landkreises Dahme-Spreewald hat am Montag den sofortigen Baustopp für die Flächen unterhalb des gesamten Terminaldaches am BER ausgesprochen“, sagte Loge am Montag. Vorausgegangen sei ein Gespräch mit dem Technikchef des Flughafens, Jörg Marks, am Montagmorgen.

Damit reagierte die Bauaufsicht auf das Gutachten eines Statikbüros, das von der Flughafengesellschaft (FBB) beauftragt worden war. Die Gutachter kamen zu dem Schluss, dass im Bereich der Ventilatoren „erhebliche Überschreitungen“ der ursprünglich genehmigten Lasten vorliegen. In drei von 20 Deckenfeldern des Terminals wurden offenbar doppelt so schwere Ventilatoren eingebaut wie ursprünglich geplant. Die Gesellschaft unter Flughafenchef Karsten Mühlenfeld muss nun einen Sicherheitsnachweis vorlegen. Der Flughafen bestätigte, dass die untere Bauaufsichtsbehörde „eine münd­liche, sofortige Baueinstellung auf den Flächen unterhalb des gesamten Terminaldaches“ angeordnet hat. „Die FBB wird einen neuen statischen Stand­sicherheitsnachweis für die drei Terminaldachfelder erstellen, auf denen der Gutachter Überschreitungen festgestellt hatte“, so ein Sprecher. Eine erneute Prüfung der Statik könne aber auch ergeben, dass das Dach stark genug ist, die Lasten zu tragen, hieß es.

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Welche Auswirkungen der Baustopp auf den geplanten Eröffnungstermin 2017 hat, ist unklar. Als „terminkritisch“ gilt vor allem der Umbau der Entrauchungsanlage. Die eigentlichen Arbeiten am Umbau der Brandschutzanlage haben aber noch nicht begonnen. Der Flughafen wartet noch auf die Genehmigung der Bauaufsichtsbehörde. Die zu schweren Ventilatoren wurden bei vorbereitenden Arbeiten entdeckt.

BER-Aufsichtsratschef Michael Müller (SPD) sprach von einem Rückschlag durch den Baustopp. Er forderte die Geschäftsführung des Flughafens auf, den Aufsichtsrat und die Öffentlichkeit „schnell und vollumfänglich“ zu informieren. Erst nach einem umfassenden Bericht könne abgeschätzt werden, welche Konsequenzen der vorläufige Baustopp habe.

Kritik an Müller

Die Opposition, aber auch die Berliner CDU kritisierte die Kommunikationspolitik des Flughafens und griff auch den Regierenden Bürgermeister scharf an: „Das Wowereit-Chaos geht unter Müller weiter“, sagte der Grünen-Abgeordnete Andreas Otto. Der Sprecher der CDU im BER-Untersuchungsausschuss, Stefan Evers warf Müller vor: „Seitdem er den Vorsitz des Aufsichtsrats übernommen hat, vermisse ich klare Akzente.“ Auch der Reinickendorfer Bundestagsabgeordnete und stellvertretende CDU-Landesvorsitzende,

Frank Steffel, griff Müller an: „Ich finde es verantwortungslos, dass es dem Regierenden Bürgermeister Müller nicht gelingt, das von Rot-Rot mitverursachte Chaos am BER zu beenden.“ Er habe es abgelehnt, den Aufsichtsrat des BER in ein Expertengremium umzuwandeln. „Michael Müller wollte die politische Verantwortung im BER-Aufsichtsrat, jetzt muss er auch mit den Konsequenzen leben“ so Steffel.

Tatsächlich ist Michael Müller auch mit persönlichen Aussagen zur Statik der Decken aufgefallen. Im Dezember 2014, kurz nach seinem Amtsantritt, antwortete Müller auf eine Anfrage des Piraten Martin Delius, „nach Angaben der Flughafengesellschaft seien keine zu hohen Deckenlasten festgestellt worden“.