Der scheidende Berliner Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn hat die im Aufsichtsrat vertretenen Gesellschafter des künftigen Hauptstadtflughafens BER scharf kritisiert. „Ein Aufsichtsrat muss für das Unternehmen da sein. Das darf kein vielstimmiger Chor sein“, sagte er der „Frankfurt Allgemeinen Zeitung“ vom Donnerstag.
„Dringend“ notwendig sei jetzt eine Entscheidung der Anteilseigner, wie weitere Kosten für den BER finanziert werden sollten. Für die verspätete Eröffnung, höhere Baukosten und zusätzlichen Schallschutz würden 1,1 Milliarden Euro fällig, die bisher nicht freigegeben worden seien, sagte Mehdorn.
In einem Interview mit der „Bild“-Zeitung formulierte Mehdorn seine Kritik noch schärfer: „Die 4,3 Milliarden reichen nur noch bis zum Spätsommer.“ Würde die Finanzierung nicht gesichert werden, müsste die Baustelle stillgelegt werden, schreibt das Blatt.
Der Aufsichtsrat hatte die 1,1 Milliarden Euro im vergangenen Juni beschlossen. Die Flughafen-Eigentümer Berlin, Brandenburg und der Bund haben aber noch nicht beschlossen, wie das Geld beschafft werden soll – etwa durch Bankkredite, Zuschüsse der öffentlichen Hand oder den Einstieg eines Investors.
Bund und Länder sind seit Monaten damit beschäftigt, die Posten in Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung neu zu verteilen. „Ich hoffe, dass an diesem Freitag ein Beschluss gefasst wird, damit wir die Notifizierung in Brüssel auf den Weg bringen können.“ Für Finanzspritzen ist die Zustimmung der EU-Kommission nötig.
Der Manager zeigte sich überzeugt, dass der Flughafen nach jahrelanger Verzögerung nun tatsächlich wie zuletzt geplant im zweiten Halbjahr 2017 eröffnen kann. „Diesmal wird es keine böse Überraschung geben“, sagte Mehdorn.
Mehdorn: „Planung für BER-Ausbau muss sofort beginnen“
Zugleich forderte er eine Entscheidung über die Kapazitätserweiterung des BER. Mit der Planung müsse „sofort“ begonnen werden. „Berlin ist hip“, betonte der 72-Jährige. Bisher sei der BER auf 27 Millionen Passagiere im Jahr ausgelegt, die an den bisherigen Berliner Flughäfen bereits heute gezählt würden. 2018 seien 33 bis 34 Millionen Passagiere zu erwarten.
Mehdorn absolviert diese Woche seine letzten Arbeitstage als Vorsitzender der Flughafengesellschaft FBB. Am Montag übernimmt der frühere Rolls-Royce-Manager Karsten Mühlenfeld den Posten. Mehdorn war rund zwei Jahre lang Flughafen-Chef und hatte im Dezember seinen Rückzug bis spätestens Mitte 2015 angekündigt.
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