Horst Amann

Mehdorn soll schon 2013 von Schmiergeld-Verdacht gewusst haben

Im Untersuchungsausschuss zum Pannenflughafen BER sagt Ex-Technikchef Horst Amann, Hartmut Mehdorn habe bereits im Sommer 2013 von den jetzt bekannten Schmiergeld-Veracht am BER erfahren.

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Flughafenchef Hartmut Mehdorn erfuhr nach Angaben seines früheren Technik-Geschäftsführers Horst Amann schon im Sommer 2013 von dem jetzt bekannt gewordenen Schmiergeld-Verdacht am neuen Hauptstadtflughafen.

Ein anonymes Hinweisschreiben auf Unregelmäßigkeiten bei Zahlungen an den Gebäudetechnik-Anbieter Imtech sei Mitte Juni auch an Mehdorn gegangen, sagte Amann am Freitag im Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses.

„Ich habe gesagt: Das ist ein Fall für die Revision.“ Was dann intern aus dem Vorwurf wurde, wisse er nicht, fügt Amann hinzu. „Es war im Geschäftsführungsbereich von Herrn Dr. Mehdorn.“

„Mehdorn hat mich zielgerichtet aus dem Projekt gedrängt“

Außerdem sagte Amann, Mehdorn habe ihn zielgerichtet aus dem Projekt gedrängt. „Herr Dr. Mehdorn hat vom ersten Tag an das ganze Geschäft an sich gezogen und mir klar gemacht, dass ich da wenig bis nichts mehr zu tun habe“, so Amann.

Mehdorn kam im März 2013 als Vorsitzender der Geschäftsführung nach Schönefeld, die damals nur noch aus Amann bestand, der seit August 2012 auf der Baustelle war. Im Mai 2013 startete Mehdorn sein Programm Sprint zur Fertigstellung des Flughafens. Spätestens mit dem 1. Mai sei er draußen gewesen, sagte Amann. „Im eigentlichen Projektgeschäft war ich Zuschauer.“

Mehdorn ließ Amann im Herbst nach einem Streit über die Strategie zum Tochterunternehmen Flughafen Energie und Wasser (FEW) abschieben. Nach Ankündigung des Aufsichtsrats sollte der Ingenieur das damalige Ein-Mann-Unternehmen „entwickeln“.

Wie Amann nun sagte, handelte er dann aber auf dessen Drängen hin mit Mehdorn das Ende des Anstellungsverhältnisses bei der FEW zum 30. Juni 2014 aus. Eine entsprechende öffentliche Mitteilung des Unternehmens hat es dazu – auch auf Nachfrage – nicht gegeben. Amanns Vertrag am Flughafen lief eigentlich bis Sommer 2017.

Auschuss-Chef Delius gerät unter Druck

Zugleich ist der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses, Martin Delius (Piratenpartei), in dem Gremium unter Beschuss geraten. Auf Betreiben von CDU und SPD beschloss der Ausschuss am Freitag, alle an das Ausschussbüro und den Vorsitzenden gerichteten Schreiben direkt an alle Mitglieder des Ausschusses weiterzuleiten, wie die Regierungsfraktionen am Freitag mitteilten.

Sie werfen Delius vor, ein anonymes Hinweisschreiben zum neuen Schmiergeld-Verdacht am Flughafen nicht umgehend an die Ausschussmitglieder weitergereicht zu haben.

Delius begründet die Verzögerung damit, dass er die Vorwürfe in dem Brief erst überprüfen wollte. Kritik an diesem Vorgehen sei Quatsch, sagte Delius vor der Sitzung. Am Donnerstag veröffentlichte er das Schreiben auf seiner Website, sämtliche Namen sind jedoch geschwärzt. Auch der im Original enthaltene Eingangsstempel des Ausschussbüros vom 27. Januar 2015 ist nicht zu sehen.