Der scheidende Flughafenchef Hartmut Mehdorn geht nicht davon aus, dass es zur Eröffnung des Hauptstadtflughafens BER in Schönefeld einen großen Festakt geben wird. Der BER habe „das Recht auf eine große Eröffnungsfeier nach fünf Jahren Verschiebung verloren“, sagte Mehdorn dem „Focus“. Er selber, so Mehdorn weiter, wolle irgendwo in der dritten Reihe stehen, wenn der Flughafen einst eröffnet werde.

Die BER-Inbetriebnahme war bekanntlich mehrfach verschoben worden. Ende vergangenen Jahres wurde das zweite Halbjahr 2017 als Ziel genannt. Daran gab es allerdings auch schon Zweifel von Verkehrspolitikern. Mehdorn warnte indes die drei Gesellschafter des Flughafens, Berlin, Brandenburg und den Bund: „Mit politischen Ränkespielen bekommt man keinen Flughafen fertig.“ Mehdorn selbst wird in Kürze seinen Posten abgeben – wegen Querelen mit dem Aufsichtsrat. Mitte März übernimmt der Bombardier-Manager Karsten Mühlenfeld die Geschäfte der Flughafengesellschaft.

Seinen Ruhestand will Mehdorn mit Aufsichtsratsposten, Reisen und Kultur bestreiten. Seine Mandate als Kontrolleur bei dem Softwarekonzern SAP, der russischen Bahn und dem Logistikunternehmen Fiege werde er weiterführen, sagte der 72-Jährige. „Vielleicht übernehme ich noch ein viertes, mehr aber nicht. Denn die Lebensuhr tickt.“ Mit seiner Frau wolle er daher etwa demnächst Norditalien und Florenz bereisen – „um Geschichte zu erleben“. „Dabei wollen wir nicht abgeschirmt im Edelhotel absteigen, sondern lieber ein kleines Appartement mieten, in dem wir auch kochen können.“ Mehdorn gehören zudem ein Weinberg und ein Ferienhaus in Südfrankreich.

Vor seiner Verpflichtung als Flughafenchef war Hartmut Mehdorn unter anderem Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn und Chef der Fluglinie Air Berlin.

dpa