Meine Woche

1000 Tage und kein Ende am Hauptstadtflughafen BER

Am Freitag gab es ein besonderes Jubiläum: 1000 Tage waren da seit dem Nichteröffnungstermin vergangen. Und es wird noch dauern - auch wegen der Uneinigkeit im Aufsichtsrat, meint Christine Richter.

Foto: Bernd Settnik / dpa

Erinnern Sie sich? Am 3. Juni 2012 sollte der neue Hauptstadtflughafen BER eröffnet werden, die Einladungen waren schon verschickt, das Programm geplant. Doch dann waren die Probleme mit der Brandschutzanlage nicht lösbar, die zuständige Behörde verweigerte die Genehmigung, die Inbetriebnahme des Airports musste im Mai 2012 abgesagt werden. In dieser Woche, am vergangenen Freitag, gab es deshalb ein ganz besonderes, ein außergewöhnliches Jubiläum: 1000 Tage sind seit dem Nichteröffnungstermin vergangen. Das muss man erst einmal schaffen.

Und es werden wohl noch einmal 1000 Tage werden, denn die Flughafengesellschaft peilt jetzt den Herbst 2017 an. Genau kann man das nicht sagen, denn der Flughafenchef der vergangenen zwei Jahre, Hartmut Mehdorn, konnte nur ein „Terminband“ vorlegen – entlang welchem jetzt die Aufgaben am BER erledigt werden müssen, damit am Ende ein wirklicher Eröffnungstermin steht. Fragt man übrigens Menschen, die sich mit dem Airport und seinen Problemen auskennen, so findet sich keiner, der eine Wette auf Ende 2017 eingehen würde. 2018, das mag niemand ausschließen.

Nun, Mehdorn wird dies alles nicht mehr interessieren – oder nur noch aus der Ferne. Er hört auf, Mitte März soll sein Nachfolger Karsten Mühlenfeld den Job übernehmen. Und als ob der nicht schon schwierig genug wäre, wurde ihm auch noch der Start ordentlich schwer gemacht. Im Aufsichtsrat stimmten die beiden Vertreter der Bundesregierung gegen ihn, auf Berliner Seite enthielt sich Innensenator Frank Henkel (CDU) der Stimme. Warum? Die Staatssekretäre aus dem Bundesverkehrs- und dem Finanzministerium folgten der Linie von Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), der an der Spitze wieder einen starken Mann, einen mit Flughafenprojekten erfahrenen Manager sehen wollte. Der das Gesicht des BER nach außen ist.

Mühlenfeld braucht noch mehr Durchsetzungsvermögen als Mehdorn

Brandenburg und Berlin – also Ministerpräsident Dietmar Woidke und der Regierende Bürgermeister Michael Müller (beide SPD) – wollten dagegen nur einen „Primus inter pares“, also einen Chef, der für die Flughafengesellschaft öffentlich kommuniziert, während die eigentliche Arbeit vom Technikchef, von der Finanzchefin und dem Betriebsleiter für den Flugverkehr erledigt wird. Zwei Positionen, die sich im Grundsatz unterscheiden. Mit der Folge, dass sich die Gesellschafter bei dieser wichtigen Personalentscheidung nicht einig waren. Schlecht für den BER, noch schlechter für Mühlenfeld.

Hartmut Mehdorn hat nicht wegen der Probleme am BER hingeschmissen, sondern wegen der Uneinigkeit von Bund, Berlin und Brandenburg und der Intrigen gegen ihn. Mühlenfeld, das ist seit den letzten Tagen klar, braucht noch mehr Durchsetzungsvermögen als Mehdorn. Und wer Mehdorn kennt, weiß eins: Solch eine Kraft muss man erst einmal haben.