Kommentar

Keine guten Startvoraussetzungen für den neuen BER-Chef

Das wochenlange Tauziehen um die Mehdorn-Nachfolge zeigt: Am BER regieren immer noch persönliche Eitelkeiten. Für den neuen Chef Karsten Mühlenfeld kein gutes Zeichen, meint Joachim Fahrun.

Selbst wenn sich die drei öffentlichen Eigentümer der Berliner Flughafengesellschaft in letzter Minute auf einen neuen Geschäftsführer verständigt haben: Das wochenlange halböffentliche Tauziehen um die Nachfolge des durch Nachfolgespekulationen vergraulten Hartmut Mehdorn macht alle Probleme dieses „politischen Aufsichtsrats“ deutlich.

Am BER zählen nicht sachliche Kriterien und die Überlegung, was am besten wäre für das größte Infrastrukturprojekt Ostdeutschlands. Stattdessen geht es immer wieder um persönliche Eitelkeiten und das eigene politische Süppchen. Für den neuen Chef Karsten Mühlenfeld keine guten Startvoraussetzungen.

Früher stand Brandenburg gegen Berlin und den Bund, als es um Schallschutz und Nachtflugverbot ging. In diesem Fall schoss der Bund beziehungsweise Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) quer und stellte sich gegen Berlin und Brandenburg. Wie sich Dobrindt verhält, erweckt er den Eindruck, als wolle der Bund sich am liebsten aus dem Pannenprojekt zurückziehen – und ganz nebenbei die anstehenden Millionen Euro für die Fertigstellung und die Milliarden für die nötigen Kapazitätserweiterungen sparen.

Ein Erfolg für Michael Müller

Dass sich die Beteiligten doch noch zusammengerauft haben, ist ein Erfolg für den Regierenden Bürgermeister Michael Müller und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke. Die beiden Sozialdemokraten standen diesmal Seite an Seite, handelten für Führung und Aufsichtsrat des BER einen nachvollziehbaren Kompromiss aus. Und sie behielten die Nerven und setzten Dobrindt und seine Leute so lange unter Druck, bis der Minister einlenkte.

Die beiden Länderchefs gehen damit ein hohes Risiko ein: Der BER ist jetzt mehr denn je ihr Projekt. Wenn es der neue Geschäftsführer nun nicht schafft, den BER wie geplant im Herbst 2017 an den Start zu bringen, haben auch sie mit ihrer Personalauswahl versagt. Andererseits ist der Job des eher als Koordinator und Kommunikator verpflichteten Mühlenfeld nicht kriegsentscheidend für das existenzielle Problem des Projekts. Hier ruht die Verantwortung nun mehr denn je auf dem früheren Siemens-Mann Jörg Marks.

Der Leiter Technik plant den Umbau der widerspenstigen Brandschutzanlage, an seinem Know-how hängt Wohl und Wehe des Hauptstadtflughafens. Wenn sein Plan platzt, ist es letztlich egal, wer formal weitere Verzögerungen bekannt geben muss. Für die nächsten Wochen ist entscheidend, dass die Sandkastenspiele ein Ende haben und die Fachleute in Ruhe arbeiten können.