Kurz vor der BER-Aufsichtsratssitzung am Freitag hat der scheidende Flughafenchef Hartmut Mehdorn die Hoffnung geäußert, dass die drei staatlichen Gesellschafter der Flughafengesellschaft sich bald über die Neubesetzung der Spitze der Geschäftsführung einigen. „Ich wünsche für die Firma, dass möglichst schnell ein Nachfolger gefunden wird“, sagte Mehdorn am Montag am Rande des BER-Sonderausschusses im Potsdamer Landtag.
Der Noch-Flughafenchef machte klar, was der Neue für den Posten mitbringen sollte: „Er muss ein Profi sein, robust und durchsetzungsfähig. Nicht menschenscheu. Und er muss was aushalten können.“ Der Job sei auch „nichts für Neueinsteiger“, fügte Mehdorn hinzu. Wer die Flughafengesellschaft führen will, müsse über Berufserfahrung verfügen. Und sich auskennen in der Politik wie in der Wirtschaft. Zudem sollte er über ein Netzwerk verfügen. „Er muss ein Brückenbauer sein“, sagte Mehdorn.
Gesellschafter noch nicht einig
Ob er denn einen Personalvorschlag für seine Nachfolge habe? „Ich hätte da schon eine Idee gehabt, aber mich hat keiner gefragt“, antwortete Hartmut Mehdorn. Ende vorigen Jahres hatte der 72-Jährige angekündigt, sich bis spätestens Ende Juni von seinem Posten als BER-Chef zurückzuziehen. Weil die Geschäftsleitung nicht das nötige Vertrauen des Aufsichtsrates habe, wie er es am Montag erneut formulierte.
Der frühere Bahn- und AirBerlin-Manager musste darum bangen, ob sein im März 2016 auslaufender Vertrag verlängert wird. Dennoch kam seine Rückzugsankündigung überraschend, denn nur wenige Tage davor hatte der Aufsichtsrat Mehdorns Plan genehmigt, den Hauptstadtflughafen BER im dritten Quartal 2017 eröffnen zu wollen. Bis dahin scheuten sich Aufsichtsrat und Geschäftsführung, einen neuen Zeitplan vorzulegen. Die Eröffnung ist bekanntlich viermal verschoben worden.
Noch keine Einigung unter Gesellschaftern
Nach Informationen der Berliner Morgenpost ist noch nicht sicher, ob der Aufsichtsrat am Freitag bereits über die Nachfolge des Geschäftsführers entscheiden wird. Flughafenkoordinator Rainer Bretschneider sagte der Berliner Morgenpost: „Wir sind in gutem Gespräch, was den kommenden Freitag angeht.“ Bislang gibt es aber keine Einigung zwischen den drei Gesellschaftern.
Berlin und Brandenburg favorisieren offenbar den früheren Rolls-Royce-Manager Karsten Mühlenfeld, der mittlerweile bei Bombardier ist, und den ehemaligen Bombardier-Manager Michael Clausecker. Der Bund hingegen zeigt keine Eile. Zumindest bislang nicht. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt erklärte im Interview mit der Berliner Morgenpost: „Es gibt da keinen übertriebenen Zeitdruck.“ Der CSU-Politiker brachte gegenüber Berlin und Brandenburg neue Namen ins Spiel. Wie zum Beispiel Wilhelm Bender, den früheren Vorstandschef des Flughafens Frankfurt am Main, Fraport. Bender hatte den BER-Posten allerdings 2013 abgelehnt.
Anwohner fordern Schallschutz ein
Vor dem BER-Sonderausschuss haben Bürgerinitiativen und Verbände beklagt, dass es bei der Schallschutzausstattung der Häuser im Umfeld des BER noch immer kaum vorwärts gehe. Gut zwei Monate vor der geplanten vorzeitigen Inbetriebnahme der neuen Süd-Bahn sind nicht einmal zehn Prozent der Anwohner gegen den Fluglärm geschützt. Nach dem Bericht der Flughafengesellschaft ist die Lärmdämmung bislang erst bei gut 400 der etwa 4500 Anrainerhaushalte eingebaut. Mehdorn wies den Vorwurf zurück, die Flughafengesellschaft FBB wolle bei dem seit dem Urteil des Oberverwaltungsgerichts von 140 auf 730-Millionen-Euro aufgestockten Schallschutzprogramm tricksen und agiere zu bürokratisch – weil sie für den Lärmschutz zu wenig Geld ausgeben wolle.
Für 19.476 von Fluglärm am BER betroffene Wohnungen und Häuser liegen Anträge auf Schallschutz vor, in 59 Prozent sind sie laut FBB bearbeitet. Aber nur in zehn Prozent haben die Anwohner den Schallschutz bereits umgesetzt. Laut Mehdorn sollen bis Herbst alle BER-Anlieger die Bescheide bekommen. Bis zur geplanten Eröffnung 2017 hätten sie dann noch gut eineinhalb Jahre Zeit, Schallschutzfenster und Dämmung einbauen zu lassen.





