Kommentar

Die neuen Verzögerungen am BER sind für Berlin ein Desaster

Laut einem Bericht könnte der Airport BER wohl erst 2018 in Betrieb gehen. Für Berlin und die gesamte Region ist das ein wirtschaftliches Desaster, kommentiert Christine Richter.

Es wird wohl noch viel länger dauern: Glaubt man den Experten, wird der Hauptstadt-Flughafen BER frühestens Mitte 2017 in Betrieb gehen. Nach den Meldungen vom Wochenende wahrscheinlich sogar erst im Jahr 2018. Sechs Jahre später als ursprünglich geplant. Freuen kann das nur diejenigen, die in der künftigen Einflugschneise des BER wohnen – sie haben noch ein paar Jahre länger Ruhe.

Für Berlin, für die Region ist die Tatsache, dass die Probleme am BER, vor allem die mit der Entrauchungsanlage, nur so schleppend gelöst werden können, ein Desaster. Denn der Flughafen Tegel ist an seine Kapazitätsgrenze gekommen. Dort geht nicht noch mehr, ein weiteres Wirtschaftswachstum – also mehr und neue Flugangebote – sind kaum noch möglich.

Schon heute ist es fast bewundernswert, wie der Airport noch funktioniert – mit den langen Schlangen beim Check-in und den Sicherheitskontrollen, erst recht im Gebäude C, wo die Air-Berlin-Flüge abgehen und ankommen und Menschenmassen den Raum verstopfen. Für Air Berlin geht es schon jetzt ums Überleben, die Fluglinie bräuchte den BER dringend.

Verschärfte Vorschriften, neue Normen

Immerhin: Ein Problem haben die Politiker aus Berlin und Brandenburg inzwischen erkannt. Wie schon mehrfach berichtet, läuft die Baugenehmigung für den BER im Jahr 2016 aus. Müsste eine neue beantragt werden, würde dies die Sache noch komplizierter machen. Denn zwischenzeitlich wurden Vorschriften verschärft, neue Normen beschlossen.

Diese müssten dann alle für den BER neu umgesetzt werden. Unvorstellbar, auch angesichts der rund fünf Milliarden Euro, die der Airport auf jeden Fall kosten wird. Die politisch Verantwortlichen arbeiten deshalb mit der Genehmigungsbehörde, dem Landratsamt Dahme-Spreewald, daran, die jetzige Baugenehmigung zu verändern oder gegebenenfalls eine Sonderregelung für den BER zu erreichen. Eine Bauruine BER kann nun wirklich niemand wollen.

Angesichts der Verzögerung der BER-Eröffnung, angesichts der Kapazitätsprobleme in Tegel und dem wirtschaftlichen Schaden, der Berlin durch fehlendes Wachstum im Flugverkehr entsteht, ist es geradezu absurd, wenn, wie am vergangenen Freitag, Taxis und schwarze Limousinen über das Rollfeld am ehemaligen Flughafen Tempelhof fahren. Es wäre für die Stadt besser, wenn dort noch Flugzeuge rollen würden – zumindest bis zur Inbetriebnahme des BER. Die Schlacht um den Flughafen Tempelhof hat der Senat im Jahr 2008 gewonnen. Wie man heute sieht, zum Schaden Berlins.

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