Flughafen Tempelhof

Der Bundespresseball hebt ab - und hat eine Alternative

2000 Gäste haben den Bundespresseball in der Halle des ehemaligen Flughafens Tempelhof gefeiert, Joachim Gauck und Daniela Schadt eröffneten den Ball. Im Ballhaus Berlin gab es eine Gegenveranstaltung.

„Mein Mitleid gilt allen Journalisten, die heute arbeiten müssen“, sagte Bundespräsident Joachim Gauck, der mit Lebensgefährtin Daniela Schadt am Freitag den Bundespresseball 2014 mit einem Tanz eröffnete. Man wollte etwas „völlig Herausragendes wagen“, hatte Cheforganisator Alfred J. Gertler versprochen.

Zum ersten Mal in der Berliner Geschichte der Veranstaltung fand der Bundespresseball nicht im Hotel „Intercontinental“ statt. Nein, es zog die Veranstalter in die Haupthalle des ehemaligen Flughafens Tempelhof.

Dort liefen die Gepäckbänder wieder, aber statt Koffer wurden Austern transportiert. Allerdings viel zu wenige, wie viele Ballgäste monierten. Überhaupt klappte es mit dem Essen nicht so recht. Lange Schlangen in einer für 2000 Gäste viel zu groß dimensionierten Halle. Und viele vermissten nach dem Eröffnungstanz beim Flanieren die Musik. So schön viele Ballbesucher die Vorfahrt übers Rollfeld empfanden, so verloren fühlten sie sich meist auch in der großen Empfangshalle.

Ulrich Deppendorf konnte sich beim besten Willen nicht daran erinnern, seinen wievielten Bundespresseball er an diesem Abend besuchte. „Ich habe nicht gezählt. Da kommen sicher zehn zusammen“, so der Leiter des ARD-Hauptstadtstudios. Umso lebendiger war hingegen seine erste Tempelhof-Erfahrung: „Ich erinnere mich, dass ich als Vierjähriger zum ersten Mal von diesem Flughafen geflogen bin.“

„Der Flughafen bedeutete Freiheit“

Auch der hessische Ministerpräsident und Bundesratspräsident Volker Bouffier freute sich über den neuen Standort. „Ich habe ganz wunderbare Erinnerungen. Der Flughafen hat damals, als die Mauer noch stand, einfach Freiheit bedeutet“, so Bouffier, der mit seiner Ehefrau Ursula gekommen war.

In einem goldenen Paillettenkleid präsentierte sich Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig, die sich – aufgrund ihrer Flugangst – zum ersten Mal richtig wohl auf einem Aiport. „Heute Abend muss ich kein mulmiges Gefühl haben“, so Schwesig, die sich mit ihrem Ehemann vorgenommen hatte, bis in die Morgenstunden zu tanzen. Bundesinnenminister Thomas de Maizière und Ehefrau Martina wollten es der Kollegin gleichtun. Für Glamour sorgten unter anderen die Moderatorin Caroline Beil, das Schauspielerpaar Christian Berkel und Andrea Sawatzki sowie Kollege Herbert Knaup.

Flanierkarten für 490 Euro

Da viele Sponsoren weggefallen waren, weil einer der Geldgeber, die umstrittene Firma Neutrino, auf Skepsis stieß, aber vor allem, weil die Preise für die Flanierkarten diesmal mit 490 Euro völlig utopisch waren, gab es zum ersten Mal eine Gegenveranstaltung. Unter dem Motto „#490istzuviel“ veranstalteten die Journalisten Claudia Bender und Lutz Meyer eine eigene Gala im Ballhaus Berlin an der Chausseestraße: den Bundesmedienball.

Die Karten zum Preis von 85 Euro waren schnell ausverkauft. „Wir sind keine Konkurrenzveranstaltung, sondern preisgünstige Alternative, weil sich viele freie Journalisten und solche im Ruhestand die 490 Euro einfach nicht leisten können“, sagte Bender.

Programm und Intention – Flanieren, Tanzen, Netzwerken – glichen aber in etwa der kostspieligen Parallelveranstaltung. Ein Plus des Medienballs: Eine Gesprächsrunde zum Thema Berichterstattung aus Krisenregionen, an dem unter anderen die Reporterin Antonia Rados, und der Direktor von Human Rights Watch, Wenzel Michalski teilnahmen.

Foto: Britta Pedersen / dpa