Neuer Großflughafen

Air Berlin rechnet mit dem BER-Start frühestens 2017

Die Berliner müssen noch mindestens bis 2017 auf die Eröffnung des neuen Großflughafens warten, davon ist Air-Berlin-Chef Prock-Schauer überzeugt. Er fordert ein realistisches Datum.

Foto: Patrick Pleul / dpa

Berlins neuer Großflughafen wird frühestens in drei Jahren, also im Jahr 2017 eröffnen. Zumindest Air-Berlin-Chef Wolfgang Prock-Schauer rechnet nicht mit einem früheren Datum. Die Fluggesellschaft ist derzeit mit einem Marktanteil von 50 Prozent die größte am Flughafen Tegel und spielt in den Plänen des BER die zentrale Rolle. Für 2015 sei es zu spät, sagte Prock-Schauer am Montag bei der Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK), „an eine Eröffnung 2016 glaube ich nicht, 2017 sollte ein realistisches Datum sein.“ Ein offizieller Termin steht bisher nicht fest. Der Flughafen muss unter anderem die Entrauchungsanlage komplett umbauen.

Dem Air-Berlin-Chef ist eine Kompletteröffnung lieber als ein Provisorium, das schrittweise eröffnet wird. „Beim Flughafen bin ich eher für Perfektion“, sagte Prock-Schauer. Die Flughafengesellschaft solle sich lieber Zeit nehmen und die noch bestehenden Probleme lösen, als den BER in Teilen in den Betrieb zu nehmen. Der Manager hält auch nichts davon, den Flughafen Tegel nach der Eröffnung des BER weiterzubetreiben. „Ich bin für einen Flughafen“, betonte Prock-Schauer. Er wolle nicht, dass die Billigflieger in Tegel sitzen – und so von der Nähe zur Innenstadt profitieren. Billigflieger fliegen nur direkte Strecken, etwa Berlin–London, ohne Umsteigeverbindungen anzubieten. Air Berlin setzt dagegen unter anderem darauf, dass Kunden Flüge buchen, die zum Beispiel von Berlin über Abu Dhabi nach Sydney führen. „Wir können unseren Verkehr nicht auf zwei Flughäfen aufteilen.“

Bessere Anbindung an die Stadt gewünscht

Der Air-Berlin-Chef wünscht sich für den BER eine bessere Anbindung an die Stadt. Außerdem regte er an, bereits jetzt darüber nachzudenken, wie sich der Flughafen erweitern lasse. Schließlich werde der neue Airport mit seiner Eröffnung bereits an der Kapazitätsgrenze arbeiten. Gegen die Idee, den alten Flughafen Schönefeld offenzulassen, hat Prock-Schauer grundsätzlich nichts. Der BER sei dann für ihn grundsätzlich immer noch ein Flughafen, allerdings mit einem zusätzlichen Terminal. Unter anderem interessiert sich der Billigflieger Ryanair für Alt-Schönefeld.

Air Berlin befördert derzeit rund 33 Millionen Passagiere jährlich, fast jeder dritte davon startet oder landet in Berlin. Das Geschäft soll in Zukunft noch wachsen. Vor allem in Asien sieht Prock-Schauer großes Potenzial. Von Berlin aus steuert die Fluggesellschaft 60 Ziele an, jede Woche starten rund 900 Maschinen der Airline in Berlin. 2013 starteten und landeten in Tegel rund 20 Millionen Passagiere, 6,7 Millionen nutzten Schönefeld.

Bevor Air Berlin den BER zu neuen Höhen bringt, muss das Unternehmen sich allerdings erst einmal neu aufstellen. Prock-Schauer hat Air Berlin einen Umbau verordnet: einheitliche Maschinen und Konzentration auf bestimmte Märkte. Außerdem werden 200 der 8500 Stellen gestrichen.

Ex-Technikchef des BER verurteilt

Unterdessen ist der ehemalige Technikchef des BER, Jochen Großmann, wegen Bestechlichkeit und Betrugs zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt worden. Zudem muss er eine Summe von 200.000 Euro zahlen. Großmann war Mitte April zum Technikchef berufen und Anfang Juni wieder entlassen worden, nachdem eine Korruptionsaffäre um einen Planungsauftrag für die Entrauchungsanlage bekannt geworden war. Großmann akzeptierte den Strafbefehl. Allerdings hat er gegen seine Entlassung geklagt.