Hauptstadtflughafen BER

Freigabe des Pier Nord im Oktober - Terminal problematisch

Das Bauordnungsamt gibt im Oktober den Pier Nord mit 40 Gebäuden frei. Alle betriebswichtigen Gebäude sind dann fertiggestellt und einsatzbereit - bis auf das ewige Sorgenkind, das BER-Hauptterminal.

Foto: Patrick Pleul / dpa

Nach Angaben von Landrat Stephan Loge sind inzwischen alle sogenannten betriebsspezifischen Gebäude am künftigen Hauptstadtflughafen fertiggestellt und vom Bauordnungsamt freigegeben – bis auf das Problemterminal, das Herzstück des Flughafens. Feuerwachen, Energiezentralen, Parkhäuser, die Gebäude für die Sicherheits- und Bodenverkehrsdienste sowie die Fahrzeughallen – laut Flughafengesellschaft handelt es sich um insgesamt 40 Gebäude.

Im Terminal geht es zumindest in einem Bereich voran. Die Baubehörde in Dahme-Spreewald will spätestens im Oktober das Pier Nord des künftigen Hauptstadtflughafens abnehmen, sagte Landrat Stephan Loge auf Anfrage der Berliner Morgenpost.

„Das Unternehmen hat im Auftrag der Flughafengesellschaft Mitte August die Fertigstellung des Pier Nord angezeigt“, so der Landrat. „Ich bin optimistisch, dass bis Ende September auch die noch nachzureichenden Unterlagen vorliegen. Im Oktober werden wir das Pier Nord bauordnungsrechtlich abnehmen können.“

Am Nordpier wollte Flughafenchef Hartmut Mehdorn ab Juli mit bis zu sechs Flügen der Gesellschaft Germania einen Probebetrieb aufnehmen, um einen Großteil der Systeme und Abläufe im Terminal zu testen. Im Februar teilte er aber mit, dass daraus nichts werde. Er habe „nach intensiven Gesprächen“ mit den drei Gesellschaftern den angestrebten Echttest im BER-Nordpier abgesagt. Angeblich, weil er zu wenig Unterstützung dafür erhielt.

Zeit lief Mehdorn davon

Für das Scheitern seines Plans machte Mehdorn nicht nur den Aufsichtsrat verantwortlich, sondern auch die Bauaufsichtsbehörde. Sie wollte das Nordpier zuerst in seiner ursprünglichen Form genehmigen. Dazu mussten aber noch Veränderungen bei der Sprinkleranlage vorgenommen werden. Erst danach hätten die Betreiber den als Wartehalle konzipierten Nordflügel für den Testbetrieb umbauen können. Sie wollten dort Schalter und Gepäckbänder aufbauen. Die Zeit lief ihm davon. Mittlerweile ist die Sprinkleranlage eingebaut und die fehl- oder überbelegten Kabelstränge sind neu geordnet.

„Derzeit fahren wir die Arbeiten für das Südpier hoch“, sagte Flughafensprecher Ralf Kunkel. „Dort muss eine Ersatzsprinkleranlage eingebaut werden, die Firmen verlegen auch die Kabelstränge in der vorgeschriebenen Weise.“ Die Flughafengesellschaft will die Arbeiten am Pier Süd im ersten Halbjahr 2015 abgeschlossen haben. Das Südpier soll vorrangig von Air Berlin genutzt werden. Das Hauptpier vor dem Terminal soll von allen Airlines wie Lufthansa, British Airways und Air France genutzt werden. Die EasyJet-Passagiere werden vom Nordpier aus ins Flugzeug steigen.

Wann allerdings die Schwierigkeiten im problembehafteten, bisher bereits etwa zwei Milliarden Euro teuren BER-Hauptterminal gelöst sind, ist noch immer völlig offen. Dort sind die Check-in-Schalter zu finden, dort werden nach der Eröffnung des Airports die Sicherheitskontrollen erfolgen. Die fehlerhafte Brandschutzanlage muss umgebaut und dazu in drei Teile zerlegt werden. Das „Monster“, wie Experten die Anlage nennen, soll quasi auseinandergenommen werden.

Eröffnungstermin soll Ende des Jahres bekannt gegeben werden

Ursprünglich hatten die Architekten geplant, dass die Obergeschosse des Terminals im Brandfall nach unten entraucht werden. Das wird korrigiert. Der Rauch soll nun nach oben entweichen – über Kamine. „Wir wissen jetzt, was zu machen ist“, sagte Flughafensprecher Kunkel. „Die Planer sind an Bord.“ Im Terminal müssen zudem die chaotisch verlegten Kabelstränge geordnet werden. Auch da sind die Arbeiten noch im Planungsstadium. Der Großteil der Arbeiten stehe noch bevor, heißt es.

Flughafenchef Hartmut Mehdorn will Ende des Jahres bekannt geben, wann er den neuen Hauptstadt-Airport eröffnen will. Intern ist der Start 2016 geplant. Selbst wenn die Brandschutzanlage bis dahin funktioniert und vom Bauordnungsamt Dahme-Spreewald abgenommen ist, könnte dieser Plan scheitern. Das Hauptterminal war auf 27 Millionen Passagiere pro Jahr ausgelegt.

Doch diese Kapazität könne nicht realisiert werden, informierte Mehdorn kürzlich den Projektausschuss des Aufsichtsrates der Flughafengesellschaft. Es könnten anfangs nur 21 Millionen Passagiere abgefertigt werden. Nach neuen Prognosen werden 2016 bereits 31 Millionen Passagiere erwartet. Bis 2016 müssten neue Hallen auf dem Flughafengelände entstehen – und sich die drei Gesellschafter, der Bund und die beiden Länder Berlin und Brandenburg, auf die Einbeziehung des Flughafens Schönefeld-Alt einigen.

Großprojekt entpolitisieren

Kritik übte Mehdorn an der Rolle der Politik beim Bauvorhaben BER. Er sieht im Rücktritt Klaus Wowereits als Aufsichtsratschef die Chance, das Großprojekt zu entpolitisieren. „Es gehören mehr Mitglieder mit unternehmerischem Sachverstand in den Aufsichtsrat“, sagte Mehdorn dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“. In dem Projekt würden ständig Politik und Sachthemen vermischt. „Im Aufsichtsrat sind Politiker und Ministeriale mit Fragen konfrontiert, für die sie nicht ausgebildet sind.“

Brandenburgs Finanzminister und Aufsichtsratsmitglied Christian Görke (Linke) sagte dazu am Sonntag: „Es steht Herrn Mehdorn nicht zu, eine Neubesetzung des Kontrollgremiums zu fordern.“ Darüber würden ausschließlich die Eigentümer entscheiden. Statt immer wieder neue Forderungen zu stellen, sollte Mehdorn „endlich liefern“, sagte Görke.

Mehdorn nahm auch Wowereit gegen Kritik an dessen Arbeit im Aufsichtsrat in Schutz. „Ein Aufsichtsratschef ist kein Oberbauleiter. Er kontrolliert und berät die Geschäftsführung, die allein für alles Operative zuständig ist.“ Das sei überall so – nur der neue Hauptstadtflughafen BER sei eine politische Baustelle. „Da werden Haltungsnoten verteilt wie beim Sport. Jeder wirft von der Außenlinie seinen Kommentar rein“, sagte Mehdorn.

Unterdessen kündigten BER-Gegner an, den Widerstand gegen das Großprojekt zu verstärken. Zwei Wochen vor der Landtagswahl in Brandenburg würden 150.000 Flugblätter zum „Milliardendesaster BER“ an Haushalte verteilt, hieß es in einer Erklärung vom Bürgerverein Brandenburg-Berlin (BVBB) und vier anderen Initiativen. Die Flughafengegner fordern einen sofortigen Baustopp auf dem Gelände in Schönefeld. Den neuen Hauptstadtflughafen sollten Privatinvestoren dagegen an einem anderen Standort errichten, der weiter abseits der dicht bevölkerten Metropolregion liege. Von den im Potsdamer Landtag vertretenen Parteien trägt allerdings keine diese Forderung mit.