BER-Debakel

Siemens-Manager wird neuer Technikchef am BER

Jörg Marks wird Technikchef an der Baustelle des BER. Der Siemens-Manager kennt sich mit den Problemen der Brandschutzanlage aus. Flughafen-Chef Mehdorn bezeichnet Marks als seinen „Wunschkandidaten“.

Foto: Bernd Settnik / dpa

Hartmut Mehdorn konnte schon lange keine positiven Nachrichten mehr vermelden vom Pannenflughafen BER. Es gab Ärger wegen steigender Kosten mit dem Aufsichtsrat und zuletzt den Rauswurf des vor wenigen Wochen eingestellten Technikchefs Jochen Großmann wegen Korruptionsverdachts. Am Mittwoch jedoch gelang es dem Flughafenchef, die wichtigste Personallücke zu schließen. Siemens-Manager Jörg Marks wird zum 1. August Großmanns Position einnehmen.

In der Münchner Siemens-Zentrale wird die Personalie als ein Coup Mehdorns bewertet. Denn mit Marks holt er einen Experten, der die von Großmann als „Monster“ bezeichnete Entrauchungsanlage des BER bereits sehr genau kennt und seit Monaten an einer Lösung der für die BER-Eröffnung entscheidenden Probleme mitarbeitet. Der 46 Jahre alte Ingenieur und gelernte Nachrichtentechniker Marks ist seit 2005 Leiter der Region Ost der Building Technologies Division des Siemens Konzerns. Sein größtes Projekt ist seit vielen Monaten die Gebäudetechnik am BER.

Unter seiner Regie wickelte Siemens den bisherigen Auftrag als Zuarbeit für das Brandschutzsystem ab. Marks’ Mitarbeiter sind es, die im Herbst 2013 den Erweiterungsauftrag erhielten, eine neue gemeinsame Steuerung für Entrauchung und Frischluftzufuhr zu programmieren. Der Manager weiß also genau, welche Planungsunterlagen die Siemens-Mitarbeiter brauchen, um ihre Arbeit fertigzustellen. Lange Einarbeitungszeit dürfte Marks nicht benötigen. Er führte bisher beim Münchener Konzern 600 Mitarbeiter mit 200 Millionen Euro Jahresumsatz.

„Herr Marks ist mein absoluter Wunschkandidat“

Hartmut Mehdorn klang am Mittwoch jedenfalls ehrlich erleichtert. „Herr Marks ist mein absoluter Wunschkandidat. Ich freue mich, dass er mein Angebot angenommen hat“, sagte der Flughafenchef. Er werde der Flughafengesellschaft mit seinem Sachverstand als Ingenieur, seinem lösungsorientierten Managementstil und seiner langjährigen Kenntnis der technischen Herausforderungen am Flughafen BER guttun.

Marks genießt auch bei seinem bisherigen Arbeitgeber einen guten Ruf als besonnener Fachmann. Sogar der Vorstand des Weltkonzerns sah sich bemüßigt, den Wechsel zum BER zu kommentieren. „Wir bedauern das Ausscheiden von Herrn Marks aus unserem Unternehmen, danken ihm für die hervorragende Arbeit bei Siemens und wünschen ihm jeden Erfolg in seiner neuen Aufgabe“, sagte Roland Busch, Mitglied des Siemens-Vorstands und Chef des Sektors Infrastructure & Cities. Er sei ein ausgezeichneter Technikexperte und Projektmanager. „Wir sind sicher, dass er auch in seiner neuen Position die gute Zusammenarbeit zwischen dem Flughafen Berlin Brandenburg und Siemens fortsetzen wird“, so Busch.

Dass ein Experte wie Marks in dieser exponierten Position zum BER wechselt, darf Mehdorn auch als Bestätigung für seinen Kurs zur Lösung der Probleme mit der Brandschutzanlage verstanden wissen. Offenbar hält der Noch-Siemensianer den in Abstimmung mit dem geschassten Ex-Technikchef Großmann gefundenen Weg für gangbar.

Die Probleme mit der überkomplexen Anlage wollte Großmann lösen, indem er sie in drei kleinere Teile zerlegt, die getrennt voneinander gesteuert werden. An diesem Konzept waren grundsätzliche Zweifel aufgekommen, nachdem Großmann unter Korruptionsverdacht geraten war. Oppositionspolitiker und der frühere Planer der Anlage mutmaßten, Großmann habe den Komplettumbau der Entrauchung vor allem deswegen durchgesetzt, um ihm verbundene Unternehmen langfristig mit Aufträgen zu versorgen.

Anfang der Woche war bekannt geworden, dass die Staatsanwaltschaft Neuruppin ein zweites Ermittlungsverfahren gegen Großmann eröffnet hat. Darin geht es um Preisabsprachen, die Planungsbüros in Zusammenhang mit Aufträgen am BER getroffen haben sollen.

Lob aus dem Aufsichtsrat

Ein Experte wie Jörg Marks hätte aber wohl kaum den neuen Job angenommen, wenn er für den angelaufenen Umbau keine Erfolgsaussichten sähe. Auch im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft kam die Personalie am Mittwoch gut an. „Es ist der Firma Siemens hoch anzurechnen, dass sie einen ihrer erfahrensten Ingenieure und Manager zur Verfügung stellt, um das größte Infrastrukturprojekt Ostdeutschlands zum Erfolg zu führen“, sagte Wolfgang Krüger, Flughafenaufsichtsratsmitglied und Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Cottbus.

Für den Manager Marks wird nun eine Zeit im Rampenlicht anbrechen. Bisher wurde er von Siemens im Hintergrund gehalten. Er gab zwar Auskünfte zum BER-Auftrag, sein Name sollte aber nicht öffentlich genannt werden.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.