Pannen-Flughafen

Großmann-Affäre am BER weitet sich immer mehr aus

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Ex-Technikchef Jochen Großmann nicht nur wegen Bestechlichkeit, sondern jetzt auch wegen möglicher illegaler Preisabsprachen. Anlass ist eine anonyme Anzeige.

Foto: Jens Wolf / dpa

Die Korruptionsaffäre am künftigen Berliner Hauptstadtflughafen BER weitet sich aus. Gegen den ehemaligen BER-Technikchef Jochen Großmann wird jetzt nicht nur wegen des Vorwurfs der Bestechlichkeit, sondern auch wegen möglicher illegaler Preisabsprachen ermittelt, wie Jürgen Schiermeyer, Sprecher der Staatsanwaltschaft Neuruppin, der Berliner Morgenpost bestätigte. Grund sei eine anonyme Anzeige, die bereits vor einiger Zeit bei der Staatsanwaltschaft in Cottbus eingegangen sei. Der Vorwurf darin: Großmann habe mit seinem Wissen als Leiter des sogenannten Sprint-Teams mehreren Firmen die Preisabsprache für ihre Angebote ermöglicht.

Nach Angaben von Oberstaatsanwalt Schiermeyer geht es dabei um zwei Ausschreibungen für Planungen zum Umbau der Entrauchungsanlage im Terminal. Dass sie nicht funktioniert gilt noch immer als Hauptgrund für die wiederholt verschobene Eröffnung des neuen Flughafens in Schönefeld. Schiermeyer zufolge wird derzeit gegen den ehemaligen BER-Technikchef sowie die Verantwortlichen von drei Bieterfirmen ermittelt. Weitere Einzelheiten wollte er nicht nennen.

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Dem Vernehmen nach sind in den Fall zwei Firmen aus Sachsen verstrickt, mit denen der Großmann bereits seit Langem enge wirtschaftliche und personelle Kontakte unterhält. Dabei würden die Vergaberichtlinien der Flughafengesellschaft vorsehen, dass Personen, die sowohl für den Auftraggeber, als auch für den Bieter tätig sind, von den Vergabe-Entscheidungen ausgeschlossen sind.

Gegen den von der Flughafengesellschaft inzwischen fristlos entlassenen BER-Technikchef ermittelt die Staatsanwaltschaft Neuruppin bereits wegen „Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr“. Wie berichtet, soll Großmann von einem niederländischen Planungsbüro rund 350.000 Euro gefordert haben, damit es einen wichtigen Planungsauftrag erhält. Das Schmiergeld wollte Großmann, dem eine eigene Firmengruppe mit Sitz in Dresden gehört, als Beraterhonorar verschleiern. Die Niederländer zahlten jedoch nicht, sondern informierten stattdessen Flughafenchef Hartmut Mehdorn über das dubiose Geschäftsgebaren.

Der wiederum schaltete die auf Korruptionsbekämpfung spezialisierte Staatsanwaltschaft in Neuruppin ein, die am 27. Mai in Berlin und Dresden Wohn- und Geschäftsräume von Großmann und seiner Firma Gicon (Großmann Ingenieur Consult) durchsuchen ließ. Zu konkreten Ergebnissen wollte sich Oberstaatsanwalt Schiermeyer nicht äußern. Nur soviel: „Der Anfangsverdacht ist nach den Durchsuchungen nicht ausgeräumt.“

Großes Investitionsdesaster

Gicon hatte angekündigt, vollumfänglich mit der Staatsanwaltschaft zusammenzuarbeiten, „um die Vorwürfe schnellstmöglich entkräften zu können“. Zu den neuen Anschuldigungen äußerte sich Großmanns Büro bislang nicht. Die Flughafen Berlin-Brandenburg, die den Korruptionsverdacht gegen Großmann selbst publik gemacht hatte, wollte zu den neuen Ermittlungen keine Stellung beziehen. Flughafen-Sprecher Ralf Kunkel verwies vielmehr auf die Arbeit der von Flughafenchef Hartmut Mehdorn eingesetzten Untersuchungsgruppe, die alle Auftragsvergaben, die Großmann und seine Mitarbeiter verantwortet oder beeinflusst haben, noch einmal genau überprüfen will.

Ein erstes Zwischenergebnis der sogenannten Taskforce soll dem Flughafen-Aufsichtrat am 30. Juni vorgelegt werden. „Wenn es neue Erkenntnisse gibt, werden wir sofort aktiv“, versicherte Kunkel. Die etwa 15 Mitarbeiter aus Großmann-Firmen am Flughafen sollen vorerst weiter arbeiten. „Mit Auftragsvergaben haben sie aber nichts mehr zu tun.“

Der Bau des neuen Großflughafens in Schönefeld gilt als eines der größten Investitionsdesaster der öffentlichen Hand in Deutschland. Nach derzeitigem Stand kostet die Fertigstellung des BER mindestens 5,4 Milliarden Euro, und damit mehr als doppelt so viel wie anfangs geplant. Weitere Kostenrisiken wie etwa die Ausgaben für der vorgesehenen Ausbau des alten Flughafens Schönefeld sind in dieser Summe noch gar nicht enthalten.