Erweiterung

Mehdorn braucht mehr Gepäckbänder am Flughafen BER

Der künftige Großflughafen in Schönefeld erhält ein neuntes Gepäckband. Das teilte BER-Chef Hartmut Mehdorn mit. Allerdings hält er eigentlich noch ein weiteres Band für notwendig.

Foto: Patrick Pleul / dpa

Die Gepäckausgabe am neuen Hauptstadtflughafen BER muss schon vor der Inbetriebnahme erweitert werden. Der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft habe Geld freigegeben, um neben den bestehenden acht Gepäckbändern ein weiteres zu planen, wie Flughafenchef Hartmut Mehdorn in einem Mitarbeiterbrief zum 1. Mai schrieb. Mehdorn selbst hält allerdings zwei zusätzliche Bänder für nötig. Der von ihm abgesetzte ehemalige Technikchef Horst Amann hatte sogar vier weitere Bänder gefordert.

Mehdorn will außerdem den benachbarten alten Flughafen Schönefeld weiterbetreiben, um dort einen Teil der Passagiere abzufertigen. Doch dafür verweigerte der Aufsichtsrat in seiner Sitzung am 11. April die Planungsmittel. Mehdorn warnte deshalb im jüngsten Sachstandsbericht eindringlich vor Engpässen in kritischen Bereichen des Terminals. „Nach derzeitiger Kalkulation wird der Flughafen Berlin Brandenburg mit über 30 Millionen Passagieren eröffnen und wäre damit bereits zur Eröffnung zu klein“, heißt es in dem Bericht.

Probleme auch beim Check-in

Konzipiert ist der Bau für 27 Millionen Fluggäste im Jahr. Prognosen gingen von 35 Millionen Passagieren im Jahr 2020 aus, betonte Mehdorn. „Es ist deshalb davon auszugehen, dass es bereits bei der Eröffnung des Flughafens vor allem bei Check-in, Sicherheitskontrollen sowie Gepäckausgabe zu Engpässen kommen wird.“ Ohne Schönefeld-Alt würden die Betreiber Flugverbindungen ablehnen müssen, warnte der BER-Chef. „Dies wäre ein erheblicher Schaden für die Hauptstadtregion und für die Wirtschaftlichkeit des Flughafens.“

Einigen Aufsichtsräten waren Mehdorns Vorstellungen aber noch nicht präzise genug. Deshalb verweigerte das Kontrollgremium am 11. April die geforderten fünf Millionen Euro für eine konkretere Planung. Dem Vorschlag, das alte Terminal für den Passagierbetrieb zu nutzen, stünde zudem noch die Planung des Bundes für ein Regierungsterminal im Weg, schrieb Mehdorn an die Mitarbeiter. Der Bund will den Altbau nutzen, bis nebenan ein neues Regierungsterminal gebaut ist. Das lehnt der Geschäftsführer aber ab. Weder das Geld für die Sanierung des alten Terminals noch für weitere Gepäckbänder ist in den 1,1 Milliarden Euro enthalten, die Mehdorn zusätzlich zu den bislang bewilligten 4,3 Milliarden Euro fordert, um den Flughafen fertigzustellen. Der Aufsichtsrat gab bei seiner letzten Sitzung vor drei Wochen keine zusätzlichen Mittel frei, weil der Flughafenchef keine genauen Zahlen vorlegen konnte. Er wird über die Summe voraussichtlich Anfang Juli, vor der Sommerpause, nochmals beraten.

Noch keine Riesensprünge mit „Sprint“

Am 1. Mai vor einem Jahr hatte Mehdorn unter dem Schlagwort „Sprint“ die Abteilungsstruktur bei der Flughafengesellschaft teilweise aufgelöst und die maßgeblichen Akteure für den Bau in einem Großraumbüro auf der Baustelle zusammengesetzt. Nun bilanziert er, Riesensprünge seien noch nicht gemacht, es gebe auch noch keinen Grund zum Jubeln. Jedoch: „Wir sehen nicht nur das Licht am Ende des Tunnels, sondern schauen auch schon darüber hinaus.“ Mehdorn will am Ende des Jahres sagen, wann der Flughafen in Betrieb gehen kann. Kaum jemand rechnet noch mit einem Start vor 2016. Wegen schwerer Bau- und Planungsfehler wurden bereits vier Eröffnungstermine abgesagt.

Brandenburgs Finanzminister, Christian Görke (Linke), sieht die Landesregierung gewappnet für einen möglichen finanziellen Nachschlag, den der Hauptstadtflughafen voraussichtlich Anfang kommenden Jahres erfordert. Brandenburg ist neben Berlin und dem Bund Gesellschafter der Flughafengesellschaft. Görke, seit 100 Tagen im Amt, hat von seinem Vorgänger Helmuth Markov einen Haushaltsüberschuss für das vergangene Jahr von mehr als einer halben Milliarde Euro übernommen. Nun befürchten politische Beobachter, dass eine Aufstockung des Flughafenbudgets diesen Überschuss weitgehend verschlingen könnte.

Finanzminister bleibt hart

„Wir haben alles daran gesetzt, mit dem Geld des Steuerzahlers sorgfältig umzugehen. Und dabei wird es bleiben“, betonte Finanzminister Görke. Mit der in den vergangenen Jahren angelegten „Schwankungsrücklage“, die jetzt eine halbe Milliarde Euro betrage, sei die Landesregierung „für alle eventuellen konjunkturellen Risiken, aber auch für den BER gewappnet“, ohne dass sie von ihren Prioritäten abweichen müsse. „Bevor aber die Flughafengesellschaft keine nachvollziehbaren Zahlen auf den Tisch legt, wird es keinen Cent geschweige Finanzzusagen geben“, sagte Görke.

Der Aufsichtsrat hätte die Öffentlichkeit über die Erweiterung bei der Gepäckausgabe informieren müssen, kritisierte Martin Delius (Piraten), Vorsitzender des BER-Untersuchungsausschusses im Abgeordnetenhaus. Damit werde eingestanden, dass es Kapazitätsprobleme nicht nur am Rollfeld gebe. Auch der Angabe, der BER sei auf 27 Millionen Passagiere ausgelegt, müsse man misstrauen, sagte Delius. Experten würden davor warnen, dass dann bereits „Tegeler Verhältnisse“, also Überfüllung, am BER herrschten. Delius vermutet, die jetzt im Check-in und im Gepäckbereich eingeräumten Kapazitätsprobleme würden bereits bei 27 Millionen Fluggästen auftreten.

>>>Das große Special zum BER-Debakel finden Sie hier<<<

© Berliner Morgenpost 2019 – Alle Rechte vorbehalten.