Kommentar

Berliner sind beim BER der Verzweiflung sehr nahe

Der BER-Aufsichtsrat verhandelte einmal mehr über die ungelösten Probleme am Großflughafen. So manches Mitglied mag sich dringlich an einen anderen Ort gewünscht haben, meint Christine Richter.

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Früher einmal war die Mitgliedschaft im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft von Berlin und Brandenburg ein begehrter Job. Aufsichtsratsvorsitzender, stellvertretender Aufsichtsratchef, einfaches Mitglied – dafür fanden sich genügend Kandidaten. Doch das änderte sich mit der Verschiebung der BER-Eröffnung im Frühjahr 2012 schlagartig – und in den vergangenen Monaten mag sich manches Aufsichtsratsmitglied dringlich an einen anderen Ort gewünscht haben.

Wen wundert es: Die Verzweiflung ist groß und wird offenbar immer größer, denn noch immer ist man von einer Lösung der entscheidenden Probleme weit entfernt. Gleichzeitig verwirrt Flughafenchef Hartmut Mehdorn alle Beteiligten mit immer neuen Vorschlägen zusehends – und jetzt wird der BER wohl erneut um mehr als eine Milliarde Euro teurer. Desaster klingt da wie eine harmlose Beschreibung.

Am Freitag verhandelte der BER-Aufsichtsrat unter Führung von Klaus Wowereit einmal mehr über die ungelösten Probleme. Beginnend mit der Brandschutzanlage. Zwei Jahre nach der damals überraschenden Absage des Eröffnungstermins hieß es in dieser Woche von Experten vor Ort, die Anlage hätte so, wie sie geplant und gebaut worden ist, "nie" funktionieren können. Das stelle man sich mal vor: "Nie", sagt der Experte.

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Und nun, zwei Jahre später, wird damit begonnen, an einer anderen Lösung – nämlich dem Ableiten des Rauches nach oben – zu arbeiten. Doch damit nicht genug: Die Siemens-Manager, die für die Steuerung der Anlage verantwortlich sind, werfen der Flughafengesellschaft und damit Mehdorn nun vor, nicht die richtigen Unterlagen zur Verfügung gestellt zu haben. So wird das Misstrauen auf beiden Seiten immer größer, was die Sache zusätzlich erschwert.

Und dann ist da noch das Geld: 1,1 Milliarden Euro zusätzlich braucht Mehdorn wohl für den BER – für Schallschutz der Anwohner, für die weiteren Bauarbeiten. Geld, das der Aufsichtsrat kaum verweigern kann, denn der BER soll ja, muss ja fertiggestellt werden. Damit würde das Projekt – ein Terminal, das mit der Eröffnung wohl zu klein sein wird, sowie zwei Startbahnen – mindestens 5,4 Milliarden Euro kosten.

Aufbringen müsste diese Summe natürlich wieder der Steuerzahler. Kein Wunder, dass auch die Berliner und Brandenburger der Verzweiflung nahe sind. Ihnen bleibt nur eins: bei der nächsten Wahl daraus die Konsequenzen zu ziehen.

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